Nachbeben in Nepal: "Ich habe mich machtlos gefühlt"

Radio-Interview mit SOS-Helferin Elitsa Dincheva

15.05.2015 - SOS-Helferin Elitsa Dincheva war gerade auf dem Rückweg nach Deutschland, als es in Nepal erneut heftig bebte.

Anhören:

TV-Tipp: Am Samstag, 16.5., 17:45 Uhr, spricht Elitsa Dincheva bei TV Bayern LIVE (RTL) über ihre Erlebnisse als SOS-Helferin in Nepal.

Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal

Vor gut zwei Wochen erschütterte ein schweres Erdbeben Nepal und die Himalaya-Region. Am Dienstag, den  12. Mai 2015, gab es ein schweres Nachbeben, es gab wieder Tote und schwere Zerstörungen. Den Menschen in Nepal fehlt es weiterhin an vielem. Strom, Wasser, Essen, Medizin – alles ist Mangelware. Die SOS-Mitarbeiterin Elitsa Dincheva beschreibt im Radio-Interview, wie sie sich fühlte, als sie auf ihrem Rückweg aus Nepal von dieser Nachricht erfuhr.
 


Sie sind wenige Stunden vor dem schweren Nachbeben von Nepal nach Deutschland aufgebrochen. Wann und wo haben Sie davon erfahren und was denkt man in so einem Moment, wenn man gerade erst das Land verlassen hat?


Aufräumarbeiten nach dem Erdbeben in Nepal - Foto: Zishaan Akbar Latif

Elitsa Dincheva: Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hab mich sehr machtlos gefühlt. Ich bin gerade in Istanbul gelandet als mich die ersten SMS erreichten: Ob es mir gut geht, weil es ein zweites starkes Erdbeben gab. Ich konnte meine Kollegen vor Ort nicht erreichen. Ich hatte einfach nur Angst, dass denen etwas passiert ist. Und es kommen auch die Tränen, wenn man nicht weiß, was mit den lieben Menschen vor Ort passiert ist.
 

Ist denn auch ein Stück weit Erleichterung dabei? Also in der Form, dass einem selbst nichts passiert ist?

Elitsa Dincheva: Nein, ich war überhaupt nicht froh, dass ich weggeflogen bin. Ich würde da bleiben und weiterhin helfen. Besonders, wenn das Land gerade noch mehr Leid erlitten hat. Es war wirklich ein Gefühl der Machtlosigkeit: Ich kann nichts tun. Das finde ich immer noch sehr unangenehm.
 

Wie war denn in den letzten Tagen vor dem Nachbeben die Situation in Kathmandu? Konnte man sehen, dass sich was verbessert, den Menschen geholfen wird? Oder war es nach wie vor eine absolute Ausnahmesituation?


SOS-Helferin Elitsa Dincheva im Gespräch mit betroffenen Familien - Foto: Zishaan Akbar Latif

Elitsa Dincheva: Eine Ausnahmesituation war es nicht mehr. Die Menschen waren nicht mehr so in Panik, viele sind zu ihren Häusern zurückgekehrt. Das heißt, es waren viel weniger Menschen in den Camps auf der Straße. Aber die Trümmer lagen immer noch da. Die Menschen haben angefangen alles aufzuräumen, aber die Trümmer waren trotzdem da.
 

Also kann man durchaus von so etwas wie Alltag sprechen, auch in den SOS-Einrichtungen, oder wäre das übertrieben?

Elitsa Dincheva: Doch, es gibt einen Alltag. Den habe ich auch in den letzten Tagen erleben dürfen. Die Notfall-Kitas sind eingerichtet worden, man weiß wo die Standorte sind, wie viele Kinder kommen und wie viele Mitarbeiter benötigt werden. Die Kinder, die dort betreut werden, sind glücklicher als in den ersten Tagen. Ich habe sie toben sehen. Deshalb kann man auch da von Normalität sprechen. Das was die SOS-Mitarbeiter dort gerade machen, ist Familien zu identifizieren, die es besonders hart getroffen hat. Und das machen sie, um zu schauen, in welcher Art und Weise wir der gesamten Familie helfen können.

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