SOS-Studie sieht Handlungsbedarf bei Nachbetreuung von Pflegekindern

10.12.2010 - Viele Jugendliche in Europa und Zentralasien, die ihre Pflegefamilie oder alternative Betreuungseinrichtung verlassen, sind nicht ausreichend auf den Übergang in ein selbständiges Leben vorbereitet. Die Ergebnisse der SOS-Studie "Ageing Out of Care" mahnen zum Handeln.

 

i matter
Der aktuelle Bericht ist Teil der SOS-Initiative "I Matter"
Für junge Menschen, die in einer Pflegefamilie oder großen Betreuungsinstitution aufgewachsen sind, ist der Schritt in ein selbständiges Leben eine hohe Herausforderung. In vielen Ländern sind die Jugendlichen nach dem Verlassen der Einrichtung extremen Schwierigkeiten und Gefahren ausgesetzt. Arbeitslosigkeit, Diskriminierung, Obdachlosigkeit sowie ein Leben unterhalb der Armutsgrenze sind Risiken, mit denen die Jugendlichen häufig konfrontiert werden.

 

Der von den SOS-Kinderdörfern herausgegebenen Bericht "Ageing Out of Care (Der Pflege entwachsen)" geht diesem Misstand nach. Im Rahmen der Studie wurde die Situation junger Menschen untersucht, die in Pflegefamilien oder Betreuungseinrichtung aufwachsen beziehungsweise aufgewachsen sind. Die Ergebnisse des Berichts beziehen sich auf insgesamt 13 Länder in Zentralasien und Europa.

In Albanien etwa müssen junge Menschen laut Studie ihre alternative Betreuungseinrichtung mit Beginn des 15. Lebensjahres verlassen. Die meisten sind in diesem Alter von der neuen Situation überfordert. In der Folge werden viele von ihnen obdachlos und sind Gewalt sowie Missbrauch ausgesetzt. In Aserbaidschan sind Kinder in den Betreuungseinrichtungen meist von der Außenwelt abgeschnitten und wissen kaum, wie sie sich später draußen zurechtfinden sollen.

Grundlage für die Weiterentwickung der Gesetze in vielen Ländern

Der allgemeine Wissenstand, wie Jugendliche nach dem Verlassen ihre Pflegefamilie oder alternativen Betreuungseinrichtung zurechtkommen, ist immer noch begrenzt. Dem wirkt die Studie entgegen. Der Bericht soll Entscheidungsträgern eine Grundlage über die Situation der Pflegekinder in den betreffenden Ländern bieten. Wie die Studienergebnisse belegen, ist es dringend nötig, neue Strategien sowie nationale Standards zu entwerfen. Dies betrifft sowohl die Vorbereitung der jungen Menschen auf ein selbständiges Leben als auch eine wirkungsvolle Nachbetreuung.

Der Bericht ist Teil der von SOS-Kinderdorf International initiierten Kampagne "I matter". Die Aktion will Entscheidungsträger und Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und zum gemeinsamen Handeln anregen. 

Die Untersuchung "Ageing Out of Care" umfasst folgende Ländern: Albanien, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Kirgisistan, Georgien, Russland, Polen, Frankreich, Estland und Usbekistan. Die Studie "Ageing Out of Care" können Sie hier rechts herunterladen.