Nepal: Warum sind Nothilfe-Kitas so wichtig?

SOS-Mitarbeiterin Elitsa Dincheva über die SOS-Hilfe für Kinder und Familien im Erdbebengebiet

05.05.2015 - Von dem Erdbeben in Nepal sind nach UN-Angaben circa 4,2 Million Menschen betroffen. Davon sind geschätzte 1,7 Millionen Kinder. Die SOS-Kinderdörfer haben nach dem Erdbeben 14 Nothilfe-Kitas aufgebaut. Das Konzept hat sich nach Katastrophen und Krisen schon in vielen Ländern bewährt. Unsere Kollegin Elitsa Dincheva, die aktuell in Nepal vor Ort ist, erklärt, warum diese Kitas so wichtig sind:

Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal

Telefon-Interview - jetzt anhören:

 

Wie hat man sich die Lage vor Ort vorzustellen?


Hier können Kinder wieder Halt finden: Mädchen und Jungen mit SOS-Mitarbeiterin Elitsa Dincheva in einer Nothilfe-Kita - Foto: Zishaan Akbar Latif

Elitsa Dincheva: Nach dem Beben rannten die Menschen, die gerade ihre Häuser hatten einstürzen sehen, in Todesangst durch die Straßen. Viele Familien strömten in Panik auf die sicheren Gelände der SOS-Kinderdörfer in Nepal. Dass wir Nothilfe leisten, Wasser, Essen und leichtere Wunden versorgen, hat sich schnell rumgesprochen. Der Bedarf ist riesig. Sobald wir hier eine Kita einrichten, kommen täglich zwischen 100 und 200 Kinder zu uns.
 

Wer kommt in die Kitas und warum?

Elitsa Dincheva: Was all die Menschen teilen, die zu uns kommen, ist Verzweiflung und Hilflosigkeit. Uns erreichen Mütter mit Babys, die nicht wissen, womit sie ihre Säuglinge versorgen sollen und Kinder, die einen Elternteil haben sterben sehen. Solche Extremsituationen überfordern jeden Menschen!


Wie können Nothilfe-Kitas da konkret helfen?

"Malen, spielen, einfach Kind sein": Videoclip aus der SOS-Nothilfe-Kita in Sakhu (19s).
Elitsa Dincheva: Mit 14 Nothilfe-Kitas nahe Krankenhäusern, wie z.B. Kavre oder Pokhara, und inmitten schwer zerstörter Gebiete, wie z.B. Bhaktapur, Harishiddi oder Sindhupalchok, bieten wir Eltern eine Anlaufstelle, um ihre Kinder für ein paar Stunden in die sichere und geschulte Obhut unserer Betreuer zu geben.
Die Eltern brauchen Zeit, um ihr Leben neu zu ordnen, Kontakt zu Verwandten aufzunehmen, sich um Verletzte zu kümmern und Lebenswichtiges zu organisieren.
Außerdem bekommen die Kinder eine warme Mahlzeit. Oft die einzige am Tag.

Die Kinder haben Schreckliches erlebt. Wie fangen Sie das auf?


Ruinen im weitgehend zerstörten Sakhu

Elitsa Dincheva: Speziell in Nepal arbeiten wir mit Lehrern, die nicht unterrichten können, weil die Schulen zerstört wurden, und mit unseren geschulten Sozialarbeitern und SOS-Müttern. Das gewährleistet eine professionelle, sensible Betreuung der Kleinen. Kinder, die von den Ereignissen völlig traumatisiert sind, kommen hier zur Ruhe. Hier können sie malen, spielen und einfach Kind sein. Klingt einfach, ist aber unglaublich wichtig für die Heilung der Kinderseelen. 
Ein Beispiel: Wir haben einen Malwettbewerb veranstaltet - ohne Thema. Die meisten Kinder malten, was sie die letzten Tage gesehen hatten: zerstörte Häuser, verletzte Menschen und Retter.
 

Nothilfe-Kitas sind Soforthilfe. Aber was kommt dann?


Zerstörte Häuser, Verletzte und Retter: Diese Bilder haben Kinder in der SOS-Nothilfe-Kita in Bhaktapur gemalt. Maltherapien helfen den Kindern im Erdbebengebiet, traumatische Erlebnisse zu bewältigen. Foto: Zishaan Akbar Latif

Elitsa Dincheva: Durch die Kitas haben wir Kontakt zu Familien und können diejenigen identifizieren, die es besonders hart getroffen hat und die auch langfristig unsere Hilfe benötigen werden. Diese Familien übernehmen wir dann in unser Familienhilfe-Programm und helfen ihnen eine neue Existenz aufzubauen. So können wir sicherstellen, dass die Kinder in Zukunft wieder ein gutes und sicheres Zuhause bekommen.
Hier in Nepal habe ich erlebt, wie unglaublich wichtig diese Schutzräume für Familien sind.

Ich hoffe von Herzen, dass wir mit Ihrer Hilfe, in jeder Krise Kindern ein Stück Sicherheit zurückgeben können.

Ihre Elitsa Dincheva

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