Nepal: SOS-Kinderdörfer planen Wiederaufbau

Erdbebenopfer im Himalaya-Staat brauchen langfristige Hilfe

04.05.2015 - Nach der lebensrettenden Soforthilfe brauchen die Erdbebenopfer in Nepal Unterstützung über den Tag hinaus. Um Kindern und Familien einen Neuanfang zu ermöglichen, planen die SOS-Kinderdörfer Wiederaufbauhilfe.

Überblick: SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Nepal


Obdachlos: Ein Kind sitzt in den Trümmern seines Zuhauses. Foto: Zishaan Akbar Latif

"Ich schaute Fernsehen, als sich die Erde bebte und das ganze Haus wackelte." Pravin ist 13 Jahre alt und wohnte mit seiner kleinen Familie, Mutter und 16-jähriger Bruder, in Bhaktapur, einer Stadt nur wenige Kilometer östlich von Kathmandu. "Ich wollte nach oben zu meiner Mutter rennen, aber da brach der Boden unter meinen Füßen weg", erzählt Pravin weiter. Er hatte Glück: Zwar kollabierte das Haus, doch er wurde vom Kühlschrank gerettet, der Pravin vor herabprasselnden Backsteinen schützte.

Bald begannen Nachbarn, Pravins Mutter und Bruder in den Trümmern nach dem 13-Jährigen zu graben. "Zuerst legten wir einen Fuß von Pravin frei", erinnert sich Pravins Mutter. "An dem Fuß zogen wir ihn dann aus dem Trümmern. Sein Gesicht hatte einiges abbekommen, aber sonst war er weitgehend in Ordnung", erzählt die erleichterte Mutter.

"Aber wir haben nichts mehr”, sagt Pravin und steht auf den Resten des Hauses. "Und in die Schule gehen kann ich auch nicht mehr", fügt er traurig hinzu. "Ständig gibt es Nachbeben, die Schule ist nicht sicher."

"Die Menschen haben nichts mehr"


Trümmerfeld in Bhaktapur: 2,8 Millionen Menschen sind durch die Erdbebenkatastrophe in Nepal obdachlos geworden. Foto: Zishaan Akbar Latif

"In den ersten Wochen nach dem Erdbeben sind Erste Hilfe, Nahrung und Notunterkünfte wichtig", erklärt der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Nepal, Shankar Pradhanangar. "Doch wir müssen gleichzeitig langfristig denken: Die meisten Menschen in Nepal sind arm. Ihr Häuschen war ihr ganzer Besitz. Nun haben sie nichts mehr. Deshalb müssen wir auch jetzt schon den Wiederaufbau planen."

Im Erdbebengebiet liegen fünf SOS-Kinderdörfer, drei in unmittelbarer Nähe von Kathmandu. "Wir haben in den Kinderdörfern sofort Kinder und Erwachsene aus der Umgebung aufgenommen, die ihre Häuser und Wohnungen verloren haben", erzählt Pradhanangar. In einem Kinderdorf sind jetzt noch 1200 Menschen untergebracht.

14 Nothilfe-Kitas


Nothilfe-Kitas im Erdbebengebiet: Eine SOS-Helferin kümmert sich um ein Baby im nepalesischen Kavre – Foto: Zishaan Akbar Latif

Zudem bietet SOS für Kinder 14 Nothilfe-Kitas an. Tausende Kinder werden dort tagsüber betreut und erhalten drei Mahlzeiten, während sich ihre Eltern um Wiederaufbau ihrer Häuser kümmern können. "Der Wiederaufbau muss unterstützt werden", sagt Pradhanangar. "Viele Menschen haben nichts mehr, können sich also auch keinen Wiederaufbau leisten".

Außerdem nimmt SOS in den Kinderdörfern Kinder auf, die ihre Eltern verloren haben oder von ihnen getrennt wurden. Sie werden betreut und es wird nach der Familie - Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten - gesucht.

Neue Schulen

"Und nicht zuletzt muss langfristig auch das Schulsystem gestärkt werden", sagt der SOS-Leiter.Denn das Beben hat auch viele Schulen zerstört. Der bereits vor der Katastrophe herrschende Bildungsnotstand im Land verschärft sich somit weiter.
"Der Staat Nepal ist arm. Nicht jedes Kind kann sich die Schule leisten. 40 Prozent aller Nepalesen sind Analphabeten." Deshalb betreiben die SOS-Kinderdörfer seit vielen Jahren sieben Schulen und drei Berufsausbildungszentren in Nepal. "Wir hoffen auf Wiederaufbauhilfe aus anderen Staaten, die auch das Bildungssystem stärkt. Denn nur Bildung hilft aus der Armut heraus", sagt Pradhanangar.

Pravin und seine Familie werden von SOS unterstützt. Aber sein größter Wunsch ist -  im Gegensatz zur Mutter – nicht ein neues Haus. "Bald wieder in die Schule gehen zu können wäre toll", sagt auch Pravin. In Nepal gehen die meisten Kinder gern in die Schule.

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