Neue UN-Entwicklungsziele

SOS kritisiert fehlende Umsetzungsverpflichtung

04.08.2015 - Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich über die Nachfolge der Millennium-Entwicklungsziele verständigt. 17 sogenannte „nachhaltige Entwicklungsziele“ sollen bis 2030 Armut und Hunger beseitigen, jedem Menschen den Zugang zu sauberen Trinkwasser gewährleisten und weltweit Jungen und Mädchen eine kostenlose Grundschulbildung ermöglichen.

Ein kleines Kind in Lusaka/Sambia sitzt auf der Straße. Fotograf: Bjorn-Owe Holmberg

„Wir begrüßen diese Einigung. Sie war immens wichtig, um die Rechte der Kinder zu stärken“, sagt der Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit, Wilfried Vyslozil. „Durch die vor 15 Jahren beschlossenen Millennium Entwicklungsziele wurde viel erreicht - unter anderem die Armut halbiert. Allerdings sind wir von der Erreichung vieler Ziele noch weit entfernt. 58 Millionen Kinder gehen noch immer nicht zur Schule. 600 Kinder sterben jeden Tag an den Folgen von HIV/Aids und jedes siebte Kind unter fünf Jahren ist untergewichtig“, so Vyslozil.

 

Viele Ziele hätten nicht erreicht werden können, weil die reichen Staaten nicht die vereinbarten finanziellen Mittel einsetzten, die 2000 zugesagt wurden. „Die Zielmarke von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hat Deutschland zum Beispiel mit rund 0,4 Prozent klar verfehlt. Das gilt auch für viele andere Staaten wie die USA, Japan und Österreich.“ Nur Schweden, Norwegen, Luxemburg, Dänemark und die Niederlande hätten diese Zielvorgabe erreicht.

Die 17 neuen Vereinbarungen, die ab dem 1. Januar 2016 gelten, sind in der Umsetzung gänzlich freiwillig. „Das ist doch absurd“, erklärt Vyslozil. „Wenn wir etwas ändern wollen, dann muss der Aktionsplan für alle Staaten verpflichtend sein. Dann muss jeder Staat verbindlich festlegen, was zu leisten er bis wann in der Lage ist.“ Als positiv bewertete Vyslozil, dass die neuen Ziele auch verstärkt auf Klimawandel, Umweltschutz, Wachstum und Beschäftigung sowie Frieden und Menschenrechte fokussieren.