Ostukraine: Kinder sind schwer traumatisiert

Interview mit dem Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Urkaine

30.06.2016 - Vor über zwei Jahren begann der Ukraine-Konflikt und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Über 200 Kinder sind bislang getötet worden, mehr als 500 wurden verletzt und Tausende traumatisiert. Ein Gespräch mit dem Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine, Andriy Chuprikov.

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf Kinder vor Ort?


Zerstörtes Klassenzimmer im ostukrainischen Debaltsevo – Foto: Maria Nedilko

Über 200 Kinder sind gestorben und über 500 wurden verletzt. Tausende Kinder und Jugendliche haben zudem psychologische und körperliche Schäden davongetragen. Außerdem mussten rund 1,7 Millionen Kinder und Erwachsene durch den Konflikt ihr Zuhause verlassen.

Was benötigen die Kinder am dringendsten?

Viele Kinder dort leiden unter sehr schweren Traumata. Wenn sie nicht behandelt werden, werden sie in Zukunft große seelische Probleme haben. Hinzu kommen in der "grauen Zone", dem Demarkationsgebiet, große Armut, Hunger, Misshandlung und Missbrauch von Kindern und natürlich haben viele Kinder ihre Eltern durch den Krieg verloren. Es bedarf also Hilfe auf allen Ebenen.

Ist es schwierig für Hilfsorganisationen, in der "grauen Zone" zu arbeiten?


Andriy Chuprikov, SOS-Leiter in der Ukraine

Die SOS-Kinderdörfer sind als einzige internationale Kinderhilfsorganisation im Ukraine-Konflikt auf beiden Seiten aktiv. Wir sind seit 2012 in der Region Lugansk, arbeiten aber erst seit zwei Monaten in der umkämpften "grauen Zone". Vor allem dort ist es sehr schwer, frei zu arbeiten. Das können wir nur, da wir uns strikt neutral verhalten und mit unserem Fokus auf den Schutz von Kindern sowohl von der ukrainischen Regierung als auch von den unabhängigen Gebieten unterstützt werden. Die Menschen und auch die Behörden in Lugansk sind sehr dankbar, dass wir das Gebiet nicht verlassen haben.