Philippinen: Boote, Netze, Zuversicht

Die Fischer von Bisleg fahren wieder aus

11.04.2014 - Cesar Maraya und Richard Grefiel, zwei Fischer aus dem Dorf Bisleg, sind glücklich. Sie haben wieder ein Boot, mit dem sie zur See fahren können. Statt jeden Tag wie Tagelöhner in der Stadt nach Arbeit zu suchen, üben sie jetzt ihr vertrautes Handwerk wieder aus: die Fischerei.

Große Freude bei den Fischern von Bisleg: Sie können wieder ausfahren! Fotos: SOS-Archiv

Die neuen Boote sind aus Fiberglas und werden mit einem Motor betrieben.
Als der Taifun  im vergangenen Herbst über die Küstengebiete im Süden der Philippinen hereinbrach, verloren die Menschen dort alles. Für 36 Männer aus den Dörfern Bisleg und Magay ist die Zukunft nun heller geworden. Sie haben wieder eine feste Arbeit. Sie können wieder selbst für die Versorgung ihre Familie sorgen und ihren Kindern eine Zukunft geben.

Hilfe – konkret und bedarfsgerecht

Ehe die neuen Boote gekauft wurden, wurden ihre künftigen Besitzer buchstäblich 'mit ins Boot geholt'. "Wie groß waren Eure Boote? Mit welchem Antrieb und welchen Netzen habt ihr gute Erfahrungen gemacht?" fragten die SOS-Mitarbeiter. Und sie suchten nach Bootsbauern in der Region, welche die Boote nach den Bedürfnissen ihrer zukünftigen Besitzer fertigen konnten.

Neue Materialien, neue Entwicklungen

Die alten Fischerkähne waren aus Sperrholz und entsprachen nicht den gesetzlichen Anforderungen Seitens der Regierung. Dank einer Kooperation mit dem philippinischen Ministerium für Landwirtschaft hielten nun in den Fischerdörfern moderne und umweltfreundliche Boote aus Fiberglas Einzug. Für die Fischerfamilien ein Novum. In Schulungen erfuhren die Männer, wie sie die neuen Boote handhaben und warten können. Und noch etwas ist neu: Alle Fischerboote sind offiziell registriert und versichert, sodass ihre Eigentümer künftig Anrecht auf eine Entschädigung haben, sollte ihr Boot bei einer Katastrophe zu Schaden kommen.

Gemeinsam mehr erreichen

Je zwei Männer teilen sich ein Boot mit Motor und die Netze. Partnerarbeit ist wichtig, denn um mit dieser Sorte Boot auf dem Meer zu fischen, muss man zu zweit sein.
147 Familien aus Bisleg und Magay haben es mit der Hilfe der SOS-Kinderdörfer bereits geschafft, sich wieder eine eigene Lebensgrundlage zu schaffen. Dank Rikschas, Nutztieren, Werkzeug oder Hilfestellung bei der Gründung eines eigenen Geschäfts. Und die Hilfe geht weiter, bis alle 264 Familien aus den beiden Dörfern wieder auf eigenen Beinen stehen können.

Weitere Hilfsmaßnahmen


Ersatz für das, was die Fluten mitrissen: Die Menschen freuen sich, endlich wieder eigenes Geschirr, Eimer oder Bettwäsche zu haben.

Die Kinder brauchen nach der Katastrohe Sicherheit und Geborgenheit. Foto: Julius Theo Castroverde.
Die Hilfe der SOS-Kinderdörfer erstreckt sich weit über die beiden Fischerdörfer hinaus. Rund 600 Familien im Katastrophengebiet werden derzeit beim Wiederaufbau unterstützt. Die Planungen für den Neubau von Wohnhäusern laufen, noch ist man auf der Suche nach geeigneten Grundstücken.

Um den Menschen das Leben in den Notunterkünften zu erleichtern, erhalten 450 Familien ein Hilfspaket mit Tellern, Gläsern, Besteck und Kochgeschirr, Bettwäsche, Eimern und Moskitonetzen. Auch Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel sind darin enthalten. „Wir haben durch den Taifun alle Haushaltsartikel verloren“, erzählt Minerva Sotto, die durch die SOS-Familienhilfe unterstützt wird. „Jetzt sind wir wieder mit dem Nötigsten ausgestattet. Das ist eine sehr große Hilfe.“

Kindern ein Zuhause sichern

Auch die Unterstützung für Kinder, die bei der Katastrophe ihre Eltern verloren haben, geht weiter. Viele von ihnen haben das Glück, dass noch andere Familienmitglieder da sind. So sind z.B. die Großeltern oder die Geschwister der Eltern bereit, sich langfristig um die Kinder kümmern. Doch wie ein Kind versorgen, wenn man selbst kaum genug zum Leben hat? Damit die Betreuung der Mädchen und Jungen nicht an wirtschaftlichen Gründen scheitert, werden die philippinischen SOS-Kinderdörfer diesen Familien zur Seite stehen. Damit möglichst viele Kinder in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können.