Unruhen in Haiti beeinträchtigen SOS-Einrichtungen

Tausende Menschen demonstrierten in Cap Haitien gegen die schleppende medizinische Versorgung der Cholera-Opfer

17.11.2010 - Die schleppende medizinische Versorgung der Cholera-Opfer hat in Haitis nördlicher Stadt Cap Haitien am Montag zu wütenden Protesten geführt. Mindestens ein Demonstrant kam dabei ums Leben, mehrere UN-Blauhelmsoldaten wurden verletzt. Alle Angehörigen des SOS-Kinderdorfs sind in Sicherheit.

Am vergangenen Montag ist es in der nordhaitianischen Stadt Cap Haitien zu starken Unruhen zwischen Demonstranten und den UN-Blauhelmsoldaten gekommen. Mehrere Tausend Menschen protestierten auf den Straßen der zweitgrößten Stadt Haitis gegen die Vereinten Nationen und die Regierung und warfen ihnen vor, die medizinische Versorgung zur Eindämmung der Cholera-Epidemie zu verschleppen. Mindestens ein Demonstrant wurde getötet und fünf Soldaten der UN Friedenstruppe wurden verletzt.

Alle Kinder, Mütter und Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs sind in Sicherheit. Das SOS-Sozialzentrum, die Schule und das Berufsbildungszentrum  wurden aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen. Sie sollen erst wieder geöffnet werden, wenn die Situation sich ausreichend beruhigt hat. Kinder und Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs in Cap Haitien wurden angehalten, das Kinderdorf in den nächsten Tagen nicht zu verlassen.

Bisher ist ein Kind des SOS-Gemeindezentrums in Port-au-Prince an Cholera erkrankt. Es befindet sich derzeit in Behandlung. Im Rahmen der Familienstärkungsprogramme der SOS-Kinderdörfer in Haiti wird weiterhin sehr aktiv an der Choleraprävention gearbeitet.

Update vom 19.11.2010

Die Unruhen in Haiti haben jetzt auch die SOS-Kinderdörfer erreicht. Im Norden der Insel in Cap Haitien mussten alle Schulen geschlossen werden. Wegen der Unruhen sei es nur einem Teil des Personals möglich gewesen, ins SOS-Kinderdorf zu gelangen, teilte SOS-Nationaldirektor Dionisio Pereira mit. Seit Montag sei auch ein Fahrzeug des Dorfes in der Stadtmitte von Cap Haitien „gestrandet“ und es bestehe derzeit keine Möglichkeit, es zurückzufahren.

Auch in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und der Hafenstadt  Les Cayes im Westen hielten die zum teil gewalttätigen Proteste gegen die UN-Blauhelmen an.  Viele Menschen in Haiti glauben, dass UN-Soldaten für das Einschleppen der Cholera nach Haiti verantwortlich sind.

In den SOS-Kinderdörfern sei die gesundheitliche Lage bislang unter Kontrolle, erklärte Pereira. Nur im SOS-Gemeindezentrum in Cap Haitien, wo für die  Menschen in der Umgebung des SOS-Kinderdorfes Familienhilfe  geleistet wird, sei die Erkrankung zweier Kinder registriert worden. Sie werden behandelt.