Sri Lanka: Kinder ziehen ins SOS-Kinderdorf Jaffna ein

24.09.2013 - Nach gut eineinhalb Jahren Bauzeit ist das neue SOS-Kinderdorf Jaffna im Norden Sri Lankas fertiggestellt. Mit einer feierlichen Zeremonie hielten die ersten Familien Einzug in ihr neues Zuhause. 120 elternlose und verlassene Kinder aus dem Bürgerkriegsgebiet im Norden Sri Lankas werden hier ein neues Zuhause finden.

Vorfreude und Spannung bei den künftigen Bewohnern des SOS-Kinderdorfes

Blumengirlanden tanzten im Wind, es roch nach Gewürzen und Weihrauch, bunt leuchteten die Saris der Mädchen und Frauen. Im Rahmen einer feierlichen "house warming ceremony" bereiteten die künftigen Bewohner des SOS-Kinderdorfes Jaffna ihr neues Zuhause auf den Einzug vor. Dazu gehört in Sri Lanka eine Puja, ein traditionelles hinduistisches Gebet: In andächtigen Ritualen wurden die Götter geehrt und um Schutz für die künftigen Bewohner gebeten. Hoher Besuch wohnte der Feier bei: Ein Abgesandter des Magistrats von Jaffna sowie der Kommissar der Jugendschutzabteilung der Nordprovinz ließen es sich nicht nehmen, bei diesem besonderen Fest dabei zu sein.

Ein neues Zuhause – eine neue Zukunft

Fast 30 Jahre lang dauerte der Bürgerkrieg im Norden Sri Lankas. Menschen wurden vertrieben, Familien auseinandergerissen, Kinder standen völlig allein und ohne Angehörige da. Im Jahr 2009 gewährte die Regierung den SOS-Kinderdörfern Zugang zu einem der Flüchtlingscamps, um ein Nothilfezentrum für alleingelassene Kinder zu errichten. Bis zur Auflösung des Lagers Ende 2010 haben die SOS-Kinderdörfer dort 250 Kinder betreut und deren Angehörigen gesucht. Doch für 73 Kinder war die Suche ergebnislos. Sie blieben in der Obhut der SOS-Kinderdörfer und wohnten vorübergehend in drei gemieteten Häusern. Jetzt konnten sie gemeinsam mit ihren SOS-Müttern ihr endgültiges Zuhause beziehen.

Ein Lichtblick für allein gelassene Kinder


73 Kinder, die bereits im SOS-Nothilfezentrum betreut wurden, sind nun in ihrem neuen Zuhause angekommen

Die Brüder Ahilan, Pashani und Nesan (Namen geändert) gehören zu den ersten Kindern aus der Umgebung Jaffnas, die gemeinsam mit den Bürgerkriegswaisen in das neue Kinderdorf eingezogen sind. Vater und Mutter der drei Brüder flohen während einer heftigen Schlussoffensive mit ihren Söhnen aus ihrem Dorf. Nesan, der Jüngste, war damals gerade einmal sechs Monate alt. Die Eltern wurden in den Wirren der Aufstände getrennt. Die Mutter schaffte es nicht, sich zu retten. Der Vater gelangte mit den Jungen in ein Flüchtlingslager.
Als sie nach fast einem Jahr  endlich in ihr Dorf zurückkehren konnten, gab es dort kein Zuhause für die Familie mehr: Ihre kleine Hütte war vollständig zerstört worden. Mit provisorischen Mitteln zimmerte der Vater eine winzige Behausung und verdiente mit Gelegenheitsarbeiten gerade genug, um Essen für seine Kinder zu besorgen. Die Jungen harrten den ganzen Tag in der Hütte aus und warteten auf die Rückkehr ihres Vaters. Ahilan, der Älteste, musste auf seine kleineren Brüder aufpassen. Die Schule oder einen Kindergarten besuchte keiner der Brüder.
SOS erfuhr vom Schicksal der Kinder und versuchte, die Familie zu unterstützen.  Nach Gesprächen mit den SOS-Mitarbeitern traf der Vater die Entscheidung, seine Söhne in die Obhut einer sorgenden SOS-Mutter zu geben, um ihnen ein sicheres Zuhause und eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Ahilan, Pashani und Nesan haben sich schnell eingewöhnt, sind aufgeweckt und fröhlich.