Südsudan wird unabhängig

SOS-Kinderdörfer verstärken Engagement in neuem Staat

09.07.2011 - Der Südsudan feiert nach langem Freiheitskampf seine Unabhängigkeit. Aber Hilfe von außen wird noch lange notwendig sein. Der jahrzehntelange Krieg hat tiefe Wunden, Tausende Waisen, Hunger und Armut hinterlassen. Dabei ist die Zukunft des Landes trotz der Feiern nicht sicher. Die SOS-Kinderdörfer sind im Südsudan seit über einem Jahrzehnt aktiv und werden ihr Engagement für Kinder in Not weiter verstärken.
Kinder im SOS-Kinderdorf Malakal, Südsudan
Zuhause im SOS-Kinderdorf im Südsudan: Der große Bruder heißt Mer, das Baby Salva Kir - so wie der südsudanesische Präsident. 

Die Auswirkungen des blutigen Bürgerkriegs, zudem der stete Wechsel von Dürren und Überflutungen veranlasste die SOS-Kinderdörfer Mitte der Siebziger im Sudan aktiv zu werden: 1978 wurde das SOS-Kinderdorf in Khartum fertiggestellt und die ersten SOS-Kinder fanden dort ein neues Zuhause. Im Süden des Landes wurde SOS erstmals 1998 mit einem Nothilfe-Programm aktiv. 2002 wurde dann im südsudanesischen Malakal das zweite SOS-Kinderdorf des Landes eröffnet.

Aufgrund der vielen Kindersoldaten starteten die SOS-Kinderdörfer gemeinsam mit anderen Organisationen 2004 ein Projekt in der Nähe der Stadt Malakal, das sich um die Rehabilitation und Wiedereingliederung der Kindersoldaten kümmert. Die traumatisierten Kinder erhalten psychologische Betreuung, die Chance, eine Ausbildung abzuschließen und werden auf das zivile Leben vorbereitet. Die Mehrheit dieser missbrauchten Kinder kann anschließend zu ihren Eltern und Gemeinden zurückkehren.

Eselskarre in Malakal, Südsudan
Die Versorgungslage in großen Teilen des Südsudan ist weiter prekär.

Feuergefecht im Kinderdorf

Im Vorfeld der Unabhängigkeit flammte im Südsudan immer wieder neue Gewalt auf. Im Februar dieses Jahres suchten 150 Familien im SOS-Kinderdorf Malakal Schutz vor den anhaltenden Gefechten in der Umgebung. Da das Dorf und die Arbeit von SOS von allen Seiten sehr geschätzt werden, galt es lange Zeit als Ruhepol inmitten der Wirren.

Im März jedoch gerieten auch die Mütter und Kinder des SOS-Kinderdorfs Malakal unter Beschuss. Söldner, die gegen die Unabhängigkeit kämpften, waren in das Kinderdorf eingedrungen und hatten sich in einem der Häuser verbarrikadiert. Anschließend lieferten sie sich mitten im Dorf ein Feuergefecht mit nachrückenden Truppen des Südsudan. Die Kinder, Mütter und Mitarbeiter des Dorfes konnten jedoch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden und blieben glücklicherweise unverletzt.

Allerdings ist die Versorgungslage in und um Malakal wie in großen Teilen des Südsudan weiter prekär. Es gibt selten Strom, viele Märkte bleiben geschlossen, die wenigen Nahrungsmittel werden zu Höchstpreisen verkauft. Der Südsudan ist ursprünglich von Viehzucht geprägt, die durch die Kämpfe zurückgedrängt wurde. Nun müssen die Einwohner des Südens erst den Ackerbau erlernen, um die Bevölkerung irgendwann aus eigener Kraft ernähren zu können.


Abendessen in einer SOS-Familie in Malakal - Fotos: Conor Ashleigh

Neuer SOS-Kinderdorf-Verein im Südsudan

Bislang gab es im Sudan zwei SOS-Kinderdörfer, zwei SOS-Jugendeinrichtungen, einen SOS-Kindergarten, zwei SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, zwei Sozialzentren und zwei SOS-Berufsbildungszentren. Vor der Unabhängigkeit des Südens wurden die SOS-Aktivitäten in Malakal vom Nationalbüro in Khartum aus unterstützt. Die Teilung des Sudan macht es notwendig, im Süden einen weiteren SOS-Verein zu gründen. Der Südsudan ist somit das 133. Land, in dem die SOS-Kinderdörfer tätig sind. Es besteht dringende Notwendigkeit für mindestens ein weiteres SOS-Kinderdorf im Südsudan, der zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Regionen der Welt gehört.