Was ist von den Syrien-Konferenzen zu erwarten?

SOS-Pressesprecher Louay Yassin im Radio-Interview

04.02.2016 - Zerbombte Städte, ausgehungerte Menschen, Millionen Vertriebene zwischen den Fronten: Das Leid der Menschen in Syrien ist unvorstellbar. Nun will man bei Konferenzen in Genf (seit 29.01.) und London (Start am 04.02.) über Möglichkeiten reden, den seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg zu beenden und den Menschen in der Region zu helfen. An der Konferenz in London nehmen Vertreter aus rund 70 Ländern teil, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Was von den beiden Syrien-Konferenzen zu erwarten ist, darüber spricht Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, im Radio-Interview.

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Kinder in einem Flüchtlingslager in Syrien. Foto: Adel Samara

Herr Yassin, was müsste denn bei den Syrien-Konferenzen beschlossen werden, damit es aus Ihrer Sicht, aus Sicht der SOS-Kinderdörfer, ein echter Erfolg wäre?

Einerseits braucht es einen Fahrplan zum Frieden und zwar einen Fahrplan, der wirklich tragfähig ist und umgesetzt werden kann. Andererseits ordentliche und adäquate Unterstützung für Flüchtlinge. Man muss bedenken, die vielen syrischen Flüchtlinge sind ja nur nach Europa gekommen, weil sie in den Flüchtlingslagern in und um Syrien nicht mehr ausreichend Essen bekamen. Die Nahrungsmittelrationen mussten schon 2015 auf die Hälfte reduziert werden, da die reichen Staaten, auch Deutschland ist dabei, nicht ihren humanitären Pflichten nachgekommen sind und die UN mit genügend Geld für Flüchtlingshilfe ausgestattet haben. Insofern ist die Flüchtlingswelle hier bei uns auch hausgemacht.

Wir reden also, neben einem Friedens-Fahrplan, in erster Linie auch über Geld?

Ganz genau. So lange kein tragfähiger Frieden existiert, muss es darum gehen, dass die Länder rund um Syrien unterstützt werden. Sie tragen ja die Hauptlast der Flüchtlinge. Im Libanon, einem Land mit etwa vier Millionen Einwohnern, leben fast 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge. Diesen muss man, so lange sie nicht zurück können, eine Perspektive geben: genug zu essen und die Möglichkeit zu arbeiten. Dadurch werden die Familien stabilisiert. Und die Kinder müssen natürlich die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen.

Ist denn die Hoffnung der Menschen auf Frieden und mehr Hilfe in der Region groß, oder ist sie nach fünf Jahren des Bürgerkriegs weitgehend geschwunden?

Man kann sich gut vorstellen: Die Menschen in und um Syrien, aber auch die Syrer hier bei uns, dürsten nach Frieden. Man muss bedenken von den rund 22 Millionen Syrern sind fast zwei Drittel direkt vom Krieg - von Granaten, vom Hungertod - bedroht oder auf der Flucht.

Wie groß ist denn Ihre Hoffnung, dass in der Region in den kommenden Monaten wirklich Frieden einzieht?

Ganz ehrlich, mein Glaube an einen baldigen Frieden ist nicht sehr groß. Denn Frieden kann man nur erreichen, wenn alle einwilligen. Dazu müsste man auch mit allen Krieg führenden Parteien sprechen. Das geschieht derzeit nicht. Aber wenigstens die Unterstützung der Flüchtlinge muss jetzt richtig angegangen werden. Deswegen fordern wir von den SOS-Kinderdörfern, die reichen Staaten dazu auf, endlich ihrer Pflicht nachzukommen und für die Flüchtlinge ordentlich zu sorgen.