Tag der Jugend

SOS-Pressesprecher Louay Yassin im Radio-Interview

12.08.2016 - Welche Werte haben junge Menschen heute? Und wie sind ihre Zukunftsaussichten angesichts der weltweiten Jugendarbeitslosigkeit? Darüber spricht SOS-Pressesprecher Louay Yassin im Radio-Interview zum Internationalen Tag der Jugend (12.8.).

 

Herr Yassin, in den späten 1960er Jahren ist die deutsche Jugend auf die Straße gegangen um gegen das – aus Ihrer Sicht – spießige und falsche Leben der älteren Generation zu protestieren. In den 1980er Jahren ist dann – unter anderem – die Jugend aus Protest gegen Atomkraft auf die Straße gegangen. In diesen Tagen gehen Jugendliche auf die Straße um … Pokémon Go zu spielen. Haben die keine anderen Sorgen, oder ist dieser Vergleich unfair?


Im SOS-Berufsausbildungszentrum Monaragala, Sri Lanka: Ein Auszubildender bedient eine Maschine - Foto: Ruvin de Silva

Ja, die Jugend von heute ist zwar kaum aufmüpfig und Subkulturen wie damals sind selten, aber ich finde es schön und wichtig, dass eine Mehrheit der Jugendlichen sich einig ist, dass ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, das ist für meine Begriffe sehr viel Verständnis für das große Ganze, da wir in unserer Jugenden in den 60er, 70er Jahren vielleicht nicht so aufgebracht hätten.

Also: im positiven Sinne langweilig, oder wie würden Sie das sehen?

Grundwerte hören sich zwar langweilig an, sind es aber nicht. Zudem sehen die Jugendlichen den Umweltschutz, den Kampf gegen den Klimawandel, die Aufnahme von Flüchtlingen und deren aktive Integration als absolut wichtige Herausforderung an. Da kann man nur sagen: Hut ab vor so viel Weitsicht. Da sind sie einigen Älteren weit voraus.

Und im internationalen Vergleich? Wenn man sich mal die Zahlen von erwerbslosen Jugendlichen anschaut, dann steht Deutschland ja sensationell gut da. Die Chancen für junge Menschen sind hierzulande also mindestens gut, oder?

Oh ja. Deutschland hat eine Jugendarbeitslosigkeit von rund sieben Prozent und ist damit führend in ganz Europa. Dänemark hat elf Prozent, Finnland 21, Frankreich 23 Prozent – ganz zu schweigen von Griechenland mit über 50 Prozent. Aber trotz dieser guten Zahlen: Noch immer sind hier in Deutschland 300.000 Jugendliche ohne Job und ohne Ausbildung. Das ist ungefähr so viel wie unsere alte Bundeshauptstadt Bonn Einwohner hat - also ich finde das viel zu viel.

Und außerhalb Europas? Wie ist es da um die Zukunftsaussichten der Jugend bestellt?

Ja, da sieht es natürlich sehr viel schlimmer aus als in Europa. Jugendlichen in Afrika oder in Lateinamerika sind sehr häufig schlecht ausgebildet - wenn sie denn überhaupt eine Schulbildung haben – und haben so kaum eine Möglichkeit, der Armut zu entfliehen. Die SOS-Kinderdörfer unterhalten in armen Ländern Schulen und Berufsausbildungszentren, um Jugendlichen später einen sicheren Job in ihrem eigenen Land zu gewährleisten. Wenn wir dort jetzt investieren, können wir später die Armut senken.