Tsunami-Waisen ziehen im SOS-Kinderdorf Nagapattinam ein

15.10.2008 -

15.10.08 - Es war noch tiefe Nacht, als sich die SOS-Kinder mit ihren Kinderdorf-Müttern im Gemeinschaftshaus versammelten. Dort entzündeten hinduistische Priester unter Gebeten ein Feuerholz und trugen die Flamme segnend in die einzelnen Familienhäuser. Durch die traditionelle Pooja-Zeremonie ist das neue indische SOS-Kinderdorf Nagapattinam feierlich eingeweiht worden. In dem Kinderdorf finden nun Tsunami-Waisen ein neues Zuhause.

 

Pooja-Zeremonie im Kinderdorf
Feierliche Einweihung: Pooja-Zeremonie im Kinderdorf
Im Dezember 2004 hatte die Tsunami-Flut die Küstenregion um Nagapattinam verheert. Die SOS-Kinderdörfer leisteten dort unmittelbar nach der Katastrophe Nothilfe. SOS-Mitarbeiter verteilten Lebensmittel, Kleidung und Medikamente an obdachlose Familien und betreuten unbegleitete Kinder. Um Tsunami-Waisen ein dauerhaftes Zuhause zu geben, haben wir den Bau eines SOS-Kinderdorfs Nagapattinam in Angriff genommen.

 

Inzwischen sind zehn der zwölf SOS-Familienhäuser fertiggestellt. Die ersten SOS-Kinder – sie wohnten während der Bauzeit in angemieteten Räumlichkeiten - ziehen nun im Kinderdorf Nagapattinam ein. Insgesamt werden dort 120 verwaiste Mädchen und Jungen ein liebevolles Zuhause finden.
"Unser Haus und das Dorf sind wunderschön", freut sich die neunjährige Muthulakshmi. "Ich bin so froh, dass wir jetzt alle hier wohnen: meine Mutter Dhanalakshmi, meine Geschwister, ich und die ganzen anderen Kinder und SOS-Mütter."

 

Schneidereikurs im SOS-Sozialzentrum
Hilfe zur Selbsthilfe: Schneidereikurs im SOS-Sozialzentrum - Foto: Dominic Sansoni
SOS-Familienhilfe gibt 1500 Nachbarskindern eine Perspektive

Unterdessen laufen die letzten Bauarbeiten im Kinderdorf: So steht der SOS-Kindergarten kurz vor der Fertiggestellung.
Die Renovierung des SOS-Sozialzentrums, das in einem bereits bestehenden Haus auf dem Kinderdorf-Gelände eingerichtet wurde, soll ebenfalls im Herbst 2008 zum Abschluss kommen.

Das SOS-Sozialzentrum hat seine Arbeit bereits 2005 begonnen und bietet vielfältige Hilfen für bedürftige Familien in der Nachbarschaft des Kinderdorfs. Ein Schwerpunkt ist es, sozial benachteiligten Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Neben der Unterstützung bei Schulgebühren oder -material helfen Förderunterricht und Hausaufgabenbetreuung.
An Jugendliche und junge Mütter richten sich Alphabetisierungs- und Fortbildungskurse, z.B. für Bootmechanik, Schneiderei und andere Handarbeitstechniken.
Das Zentrum bietet außerdem medizinische Versorgung und Gesundheitschecks für Kinder und Eltern.

Insgesamt gibt die SOS-Familienhilfe des Sozialzentrums rund 700 Familien mit insgesamt etwa 1500 Kindern eine Perspektive - viele von ihnen kamen zur Pooja-Zeremonie, um Schutz und Glück für das Kinderdorf und seine kleinen und großen Bewohner zu erbitten.