TV-Dokumentation "Nicht ohne meinen Bruder"

01.04.2010 - Das ZDF berichtet in seiner Doku-Reihe 37° über die Flucht eines Elfjährigen aus Afghanistan, sein Leben in einer SOS-Jugendeinrichtung in Tirol und die Sehnsucht nach seinem Bruder. Die Dokumentation können Sie jetzt in der ZDF-Mediathek anschauen.

Hesmat
Hesmat war gerade einmal elf Jahre alt, als  er alleine aus Afghanistan flüchtete.
Der Film "Nicht ohne meinen Bruder", den das ZDF am Dienstag, 6. April 2010, 22.15 Uhr, in seiner Doku-Reihe 37° ausstrahlte, handelt vom Schicksal eines elfjährigen Jungen, der sich 2001 nach dem Tod seiner Eltern unter lebensgefährlichen Umständen ganz allein von Afghanistan  bis nach Österreich durchschlägt. Seither hat er nur einen Wunsch: seinen kleinen Bruder zu sich zu holen.

Die Dokumentation können Sie sich jetzt in der ZDF-Mediathek anschauen.

Der Dokumentarfilmer Walter Krieg hat Hesmat, heute 19, über mehrere Monate hinweg begleitet. Der 37°-Film dokumentiert die unglaubliche Geschichte der Flucht über den Hindukusch, über elf Länder quer durch Sibirien, Moskau und den Ostblock nach Österreich.

Er erzählt von Heimweh in einem fremden Land, von den seelischen Belastungen, die der Kampf mit den Behörden um eine Aufenthaltserlaubnis und eine Ausreisegenehmigung für den Bruder bedeutet. Die Kamera ist auch dabei, als sich die  Brüder im Juli 2009 auf dem Flughafen von Kabul nach acht Jahren erstmals wieder in die Arme schließen und gemeinsam nach Tirol reisen.

Zuflucht im SOS-Jugendwohnheim

Nachdem die Mutter gestorben und der Vater von Bürgerkriegsmilizen erschossen wurde, wollten Hesmats Verwandte den Elfjährigen nicht aufnehmen. Sie hatten Angst, denn der Vater, ein Apotheker, hatte den Sowjets während ihrer Besetzung Afghanistans Medikamente verkauft und galt deshalb als Verräter und Kollaborateur. Ein Onkel organisierte Schlepper, die Hesmat aus seiner Heimatstadt Masar-e-Scharif brachten. Hasib, damals erst fünf Jahre alt, blieb in Afghanistan zurück. Es begann die Geschichte einer lebensgefährlichen Flucht, die erst ein Jahr später auf dem Brenner, dem Grenzbahnhof zu Italien, zu Ende ging. Hesmat kam in das SOS-Jugendwohnheim nach Telfs und sollte von dort wieder zurück nach Afghanistan abgeschoben werden. Nur dank des persönlichen Engagements des damaligen österreichischen Innenministers Ernst Strasser bekam er eine Aufenthaltsgenehmigung und durfte eine Lehre als Elektriker absolvieren. Seine ganze Sehnsucht und Ziel all seiner Bemühungen in der Zeit war, seinen Bruder zu sich nach Tirol zu holen.

Das Schicksal der beiden Brüder ist weiter ungewiss: Wird Hasib einen Platz an einer Schule finden? Nur so hätte er Anspruch auf eine längere Aufenthaltserlaubnis und könnte bei seinem Bruder bleiben. Und auch Hesmat hat nach neun Jahren in Österreich nach wie vor nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis.

Sendetermine

Erstausstrahlung am Dienstag, 6. April 2010, 22.15 Uhr im ZDF
Wiederholung am Mittwoch, 7. April 2010, 04.05 Uhr im ZDF

Hesmats Geschichte

Über Hesmats Flucht haben wir in der Vergangenheit schon mehrfach auf unserer Website berichtet und bereits im Herbst 2008 erschien Hesmats Geschichte als Buch.