Lage in Burundi weiterhin instabil

Nach weiteren Ausschreitungen wird SOS-Jugendwohnheim in sichereren Stadtteil verlegt

12.05.2016 - Die UN warnt seit einem Jahr vor der steigenden Gewalt in Burundi, nachdem Wahlen in dem kleinen ostafrikanischen Land Unruhen auslösten. 400 Menschen wurden seitdem getötet, allein im April 2016 gab es 31 gezielte Tötungen. Die SOS-Kinderdörfer im Land reagieren auf die Atmosphäre der Angst.

Jeder in Burundi verspürt Angst. Auch diese SOS-Mitarbeiterin tut ihr bestes, um ihren Kindern eine sichere Umgebung zu bieten.

Im April 2015 erschütterten erste Unruhen Burundi. Präsident Pierre Nkurunziza war damals wieder zur Wahl angetreten, was laut Verfassung nicht rechtmäßig ist. Nkurunzizas Gegner demonstrierten. Die Gewalt eskalierte: Bereits 400 Menschen wurden getötet, 250.000 sind auf der Flucht. "Bis zum Ende des Jahres erwarten wir 500.000 Flüchtlinge", so die UN.

Atmosphäre der Angst in Burundi

Erst vor zwei Wochen wurde ein Anschlag auf einen hochrangigen Milizionär verübt. Er und seine Frau starben bei dem Anschlag, sein Sohn wurde schwer verletzt. Luke, ein SOS-Mitarbeiter, war dort: "Ich wäre fast gestorben", berichtet er. "Ich habe mich geduckt und in eine Abwasserrinne geworfen, als ich die Schüsse hörte. Ein Schulbus fuhr gerade vorbei und ich hörte wie die Kinder schrien und nach ihren Müttern riefen."

"Wir leben in ständiger Angst", berichtet Daniel, einer von 15 Jugendlichen, die im Wohnheim der SOS-Kinderdörfer in Burundis Hauptstadt Bujumbura wohnen. "Die Sicherheitskräfte kamen in unsere Nachbarschaft, haben um sich geschossen und Granaten geworfen. Sie haben jeden, der zufällig vorbei kam, verhaftet. Diese Leute sind bis heute verschwunden. Wir vermuten, dass sie getötet wurden oder verschleppt."

SOS-Jugendwohnheim wird verlegt

Diese vereinzelten Tötungen und das plötzliche Verschwinden von Personen verbreiten eine Atmosphäre der Angst in Burundi. Das SOS-Jugendwohnheim wurde in einen anderen Stadtteil von Bujumbura verlegt, der weniger betroffen ist von den Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen und Polizei.

"Die Jugendlichen aus dem SOS-Jugendwohnheim waren in ernster Gefahr. Viele sind traumatisiert von den schlimmen Dingen, die sie gesehen haben", sagt Liliane Habonimana, SOS-Mitarbeiterin in Burundi. Erst vor einem halben Jahr wurde ein SOS-Jugendlicher von der Polizei erschossen, als er abends mit Freunden unterwegs war. Nur wenige Wochen zuvor war ein SOS-Mitarbeiter von einer Granate verletzt worden. "Wir mussten Wohnungen anmieten in weniger gefährlichen Stadtteilen, andere haben wir im Jugendhaus im SOS-Kinderdorf Bujumbura untergebracht", so Habonimana.

Der Preis der Sicherheit ist hoch

Natasha, Krankenschwester im medizinischen Zentrum der SOS-Kinderdörfer und Mutter von drei Kindern, hielt die Gewalt in ihrem Stadtteil nicht mehr aus und zog Konsequenzen: "Vor einem Jahr, als die Unruhen begannen, landete eine Tränengas-Granate in unserem Wohnzimmer. Damals habe ich meine Kinder sofort zu meiner Schwester aufs Land geschickt. Heute leben wir alle zusammen in einem sichereren Stadtteil von Bujumbura. Wir haben nur noch zwei Zimmer zu viert und zahlen viel mehr Miete als zuvor. Aber das ist der Preis der Sicherheit."