Welt-Aids-Tag 2015: Kampf noch lange nicht gewonnen

Radio-Interview mit SOS-Pressesprecher Louay Yassin

01.12.2015 - Die Ausbreitung von Aids zum Stillstand zu bringen - das war eines der großen Millenniums-Entwicklungsziele, die ja eigentlich im Jahr 2015 umgesetzt sein sollten. Angesichts der Millionen Menschen, die sich seitdem neu mit dem HI-Virus infiziert haben oder an Aids gestorben sind, muss man sich wohl eingestehen, dass der Kampf gegen Aids noch lange nicht gewonnen ist. Ein Radio-Interview zum Welt-Aids-Tag am 1.12. mit Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

 


Die rote Aids-Schleife, hier Schmuck aus Südafrika, ist Symbol der Solidarität - Foto: Patrick Wittmann
Herr Yassin, auch im Jahr 2015 ist der Kampf gegen AIDS noch lange nicht gewonnen. Zumeist rückt diese Krankheit - leider - immer nur dann wieder ins Blickfeld, wenn ein Prominenter erkrankt, wie gerade kürzlich Hollywood-Star Charlie Sheen. Ist AIDS auch über 30 Jahre nach der Entdeckung immer noch zu sehr ein Tabuthema?

 

Hier bei uns in den westlichen Ländern ist Aids kein Tabuthema mehr. Aber dafür redet man kaum noch darüber, weil die Menschen denken: Mit der antiretroviralen Behandlung ist alles gut. Nicht wenige junge Menschen glauben sogar, dass sich Aids heilen lässt. So ein Denken verringert natürlich die Vorsicht und erhöht die Ansteckungsgefahr. In armen Ländern ist Aids oft ein Tabuthema, über das man nicht reden darf. Das verhindert dort natürlich, dass über Infektionswege gesprochen und so die Ansteckung verhindert wird.

Aids-Waisen
In Afrika hat die Aids-Epidemie Millionen Kinder zu Waisen gemacht - Foto: Bertil Strandell

Die Zahl der Infizierten steigt ja Jahr für Jahr weiter an. Wie ist denn heute die Chance, mit dieser Krankheit ziemlich alt zu werden, früher tendierte sie ja gegen Null …

Pro Jahr stecken sich derzeit rund zwei Millionen Menschen neu mit HIV an. Davon sind 240.000 Kinder. Wenn man die Behandlung sehr schnell nach der Infektion beginnt, haben die Betroffenen eine gute Chance alt zu werden. Allerdings wird das in vielen Ländern verhindert durch Vorurteile, Ängste und natürlich durch Armut, denn diese Behandlung ist sehr teuer.

Afrika ist ja besonders von Aids betroffen, wie schlimm ist die Lage denn dort aktuell?

Weltweit leben etwa 40 Millionen mit Aids. Rund 70 Prozent davon in Afrika südlich der Sahara. Besonders schlimm ist es zum Beispiel in Sambia, Botswana, Südafrika oder Swasiland.

Die SOS-Kinderdörfer sind ja in den genannten Ländern aktiv. Was können Sie im Kampf gegen Aids machen?

Wir helfen auf verschiedene Weise. Einerseits werden Aids-Waisen in die SOS-Kinderdörfer aufgenommen. Noch wichtiger ist es zu verhindern, dass Familien auseinanderbrechen. Daher ermöglichen wir armen Familien mit einem oder zwei infizierten Elternteilen oder Kindern eine antiretrovirale Behandlung. Wir unterstützen diese Familien und ermöglichen ihnen sich wieder aufzurappeln – gesundheitlich wie auch finanziell. Außerdem klären wir an allen Standorten die Menschen auf über Ansteckungswege, Verhütungsmethoden usw. Sehr schlimm ist es, wenn die Krankheit der Eltern schon ausgebrochen ist, weil sie zum Beispiel aus Scham zu spät kommen. Da kann man die Familien oft nur noch begleiten und den Kindern und Eltern einen möglichst guten Abschied voneinander ermöglichen – und natürlich für ein Unterkommen der Kinder sorgen.