Weltaidstag: Die SOS-Kinderdörfer halten ihre Versprechen

30.11.2005 - Es gibt Kinder, die nicht einmal wissen, dass es eine Krankheit namens Aids gibt und die plötzlich allein dastehen, weil ihre Eltern genau an dieser Krankheit sterben. Und dann? Wer besorgt Brot und Milch? Wer bezahlt das Schulgeld? Wer hilft ihnen zu weinen, Abschied zu nehmen? Weiter zu leben?

 

Den diesjährigen Weltaidstag hat UN-Generalsekretär Kofi Annan unter das Motto gestellt: "Stop Aids. Keep the promise." Versprechen habe es in der Vergangenheit viele gegeben, aber oft seien sie nicht gehalten worden. Wenn die Weltgemeinschaft Aids langfristig besiegen wolle, komme es drauf an, die Versprechen auch umzusetzen.

Beistand für Aids-Waisen

Die SOS-Kinderdörfer tun das ihre dazu: Aktuell gibt es allein in Afrika 57 SOS-Sozialzentren und –programme für 23 500 betroffene Kinder und Jugendliche, bis 2007 kommen 21 weitere Projekte hinzu. In Schulen, Berufsbildungszentren und medizinischen Zentren auf der ganzen Welt klären die SOS-Kinderdörfer über Aids auf, um vorzubeugen, der Diskriminierung entgegenzuwirken und die Aidshilfe in den Gemeinden zu verankern. Fokus aller Programme sind die Kinder. In vielen Familien müssen Großeltern anstelle der verstorbenen Eltern die Familie versorgen oder aber elternlose Geschwister müssen sich alleine durchschlagen. Die SOS-Kinderdörfer kümmern sich in solchen Fällen um die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten – und um die Zukunft der Betroffenen.

Schulgeld

Für die meisten Kinder bedeutet der Tod ihrer Eltern auch, dass sie nicht mehr zur Schule gehen können. So sagt der 14-jährige Moussa aus Niamey im Niger: „Meine Eltern sind innerhalb von sechs Monaten an Aids gestorben. Ich hatte keine Hoffnung, dieses Jahr weiter am Unterricht teilnehmen zu können, weil da niemand war, der meine Schulgebühren zahlen würde." Die SOS-Kinderdörfer haben für Moussa und Tausende anderer Kinder die Schulgebühren übernommen, Bücher und Schuluniformen organisiert.

Rufaï Hadiara, Koordinatorin der SOS-Familienhilfe im Niger, schildert ihre tägliche Arbeit: "Wir besuchen einmal in der Woche die Familien, schauen, dass die Kinder ordentlich essen, regelmäßig die Schule besuchen und dass die Familienmitglieder, die HIV-positiv sind, ihre Medikamente nehmen." Damit Witwen langfristig ihre Familien versorgen können, bieten die SOS-Kinderdörfer Ausbildungskurse an; in Kliniken werden HIV-positive Menschen kostenlos behandelt.

Psychologische Begleitung

Auch der Trauerprozess der Kinder wird von Mitarbeitern der SOS-Kinderdörfer begleitet. Wo der Aids-Tod fast zum Alltag geworden ist, lassen viele Kinder und Jugendliche Gefühle von Verlust und Schmerz kaum noch zu. Kudzai Mazemba vom SOS-Sozialzentrum Bindura in Simbabwe ist einer der Experten, der mit ihnen arbeitet. Manchen hilft es, in einem Brief an den Verstorbenen Abschied zu nehmen, andere setzen sich im Rollenspiel mit ihrer Trauer auseinander, andere malen. Und noch etwas ist wichtig für die Kinder: Sie erfahren - vielleicht zum ersten Mal -, woran ihre Eltern gestorben sind.

SOS-Kinderdorf betreibt Sozialprojekte, Sozialprogramme, SOS-Sozialzentren und medizinische Zentren für HIV/AIDS-betroffene Kinder und ihre Familien u.a. in Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia, Tansania, Malawi, Mosambik, Kenia, Niger, Benin, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Äthiopien, Ghana, Lesotho, Namibia, Nigeria, Ruanda, Swasiland, Togo, Uganda, Ukraine und Estland. Bis Ende des Jahres sollen weltweit rund 27.000 Kinder und Jugendliche im Rahmen dieser Arbeit unterstützt werden.