Weltbevölkerungstag

Rasantes Wachstum: Immer mehr Menschen auf dieser Welt

10.07.2015 - Am 11. Juli ist "Weltbevölkerungstag". Aktuell leben 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde, in 35 Jahren sollen es schon 9,6 Milliarden sein, prognostiziert die UNO. Besonders in Afrika nimmt die Bevölkerung rasant zu.

Am 11. Juli macht der Weltbevölkerungstag auf die Probleme durch das rasante Wachstum, speziell in Afrika, aufmerksam.
 

Bekommt mehr Kinder, fordern viele Politiker in Deutschland und versuchen, das Elternwerden mit allerlei Anreizen zu unterstützen. Doch trotz aller Bemühungen ist die Geburtenrate hierzulande seit langem rückläufig. Global betrachtet sieht das komplett anders aus: Die Weltbevölkerung wächst. Und das ist ein Problem, denn die Bevölkerung wächst vor allem dort, wo die Ressourcen ohnehin knapp oder ungerecht verteilt sind. Im Interview geht Louay Yassin (Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit), auf das Bevölkerungswachstum und die damit verbundenen Probleme in den ärmeren Ländern ein.

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Herr Yassin, schon in zehn Jahren, so UN-Schätzungen, werden 8 Milliarden Menschen auf der Erde leben, 2050 wohl schon über 9 Milliarden. Wenn man sieht, wie dramatisch die Situation vor allem in den besonders armen Regionen Afrikas ist, muss einem da nicht angst und bange werden?

Ich denke nicht. Die UNO geht zwar bis 2050 von einem Bevölkerungswachstum auf gut neun Milliarden Menschen aus. Danach wird sich die Geburtenrate der Prognose zufolge langfristig aber bei 1,85 einpendeln und ein Bevölkerungsrückgang eintreten. Wenn wir jetzt noch helfend in den Entwicklungsländern eingreifen, kann dieser Scheitelpunkt noch früher erreicht werden.
 

Das Patentrezept gegen Überbevölkerung wird es kaum geben. Allerdings: Am Thema Verhütung kommt man in diesem Zusammenhang ja kaum oder ehrlicherweise gar nicht vorbei. Liegt hier einer DER Schlüssel?

Verhütung ist ein Schüssel von vielen. Jede vierte Frau in Entwicklungsländern – also über 220 Mio. Frauen - würde gern verhüten, kann aber nicht. Das passiert entweder aus Geldmangel oder weil sie aufgrund von religiösen oder gesellschaftlichen Statuten nicht so über ihr Handeln entscheiden kann wie sie möchte. In jedem Fall muss man günstige oder besser kostenlose Verhütungsmittel in armen Ländern bereitstellen. Hauptansatzpunkt ist jedoch Bildung und Wohlstand. Ermöglicht man den Menschen eine anständige Bildung und ein bisschen Wohlstand, dann reguliert sich das Thema von ganz allein, wie man in Deutschland und den anderen europäischen Staaten sieht. In Asien klappt das schon jetzt ganz gut.

 


Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung ist unter 15 Jahre alt. In Afrika südlich der Sahara ist es sogar fast jeder Zweite. Diese Kinder und Jugendlichen bieten ein enormes Entwicklungspotenzial. Foto: Solveig Vinamont

Und um das umzusetzen, braucht man vermutlich ganz banal: Geld! Oder sehen Sie da, auch durch Ihre tägliche SOS-Arbeit, andere Möglichkeiten?

Naja, Aufklärung und freiwillige Familienplanung zu fördern ist keine wirklich teure Sache. Bildung dagegen schon. Aber das muss man dann natürlich schon als Investition in die Zukunft zu betrachten. 

 
Bietet der Bevölkerungsanstieg, auch wenn es etwas komisch klingen mag, eigentlich auch Chancen? Immerhin sind mehr als 25 % der Weltbevölkerung unter 15, in vielen der ärmsten Länder liegt dieser Anteil bei fast 50%. Kann man dieser Generation irgendwie Hoffnung machen?

Also, ich habe bei meinen Reisen nach Afrika gesehen, dass die jungen Menschen in Afrika oft Hoffnung haben, wenn es Chancen gibt. Heute lebt die größte Jugendgeneration aller Zeiten. Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung ist unter 15 Jahre alt. In Afrika südlich der Sahara ist es sogar fast jeder Zweite. Diese Jugendlichen bieten ein enormes Entwicklungspotenzial für ihre Länder. Wer verzagt ist, ist eher der wohlhabende Westen.
 

Herr Yassin, vielen Dank für die Einschätzungen.

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