Weltbildungstag

50 Mio. Kinder können weltweit nicht in die Grundschule gehen

08.09.2015 - Die UN will mit dem Weltbildungstag (9. September) auf die schlechten Bildungschancen in vielen Ländern aufmerksam machen. Im Interview erklärt Louay Yassin, der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, wie die Bildungschancen in ärmeren Ländern sind und wie viele Kinder immer noch keinen Zugang zu Bildung haben.

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In einigen Ländern organisiert SOS eine mobile Bücherei. Für viele Kinder und Familien ist es oft die einzige Möglichkeit Bücher zu bekommen und Lesen zu üben. Foto: Benno Neeleman

Herr Yassin, es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Im Jahr 2000 haben sich - unter der Federführung der UNESCO - in Dakar 164 Länder verpflichtet, bis zum Jahr 2015, also bis jetzt, Bildungsziele wie z. B. eine Grundschulbildung für alle Kinder oder die Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen umzusetzen. Ist das gelungen?

Nein leider nicht. Noch immer gehen über 50 Millionen Kinder nicht in Grundschule. Diese Zahl steigt im Moment leider wieder an. Gründe dafür sind die vielen Krisen und Kriege. Nur in 50 Prozent aller Länder dieser Welt geht jedes Kind auf die Grundschule. Das ist besonders schlimm. Fehlende Bildung ist eine der Hauptursachen für spätere Armut.


Die Bildungschancen für Kinder in Syrien haben sich seit Beginn des Bürgerkriegs dramatisch verschlechtert. SOS hat in den vergangenen Jahren über 25.000 Schulsets an die Kinder verteilt. Ein kleiner Anfang..

 

 

Wo ist die Situation besonders schlimm.  Wo haben Kinder und Jugendliche kaum eine Chance, eine vernünftige Bildung zu bekommen?

In Teilen von Afrika ist das der Fall. Besonders südlich der Sahara.  Dort ist man in Sachen Bildung noch deutlich unterentwickelt. In Niger beispielsweise können noch nicht einmal 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Lesen und Schreiben. In diesen Ländern bauen die SOS-Kinderdörfer deswegen Schulen auf. Außerdem werden Lehrer ausgebildet. Auch Ausbildungszentren für Jugendliche werden gegründet. Wir können Jugendlichen so eine Zukunftsperspektive geben. Zudem achten wir darauf, dass besonders Mädchen in den Schulen gefördert werden. In vielen Ländern ist es nämlich immer noch nicht selbstverständlich, dass Mädchen zur Schule gehen.

 

Gibt es denn auch Länder, wo sich in den vergangenen Jahren die Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche stark verbessert haben?
Ja, die gibt es. Afghanistan zum Beispiel. Dort hat sich in Sachen Bildung sehr viel getan. Dort herrschten im Jahr 2000 noch die schlechtesten Schulbedingungen überhaupt. Damals waren Mädchen fast völlig ausgeschlossen von der Bildung. Nur vier Prozent der Mädchen gingen damals in die Schule. Heute sind es immerhin 87 Prozent. Aber auch viele Länder in Asien haben aufgeholt und sind bei der Bildung gut vorangekommen.

 


Eine gute Schulbildung ist der Schlüssel für die Zukunft. Weltweit gibt es derzeit 184 SOS-Schulen. Über 90.000 Mädchen und Jungen besuchen dort den Unterricht.

Und hierzulande? Wie steht denn Deutschland im Vergleich zum Jahr 2000 da?
Der Bildungsstand in Deutschland steigt kontinuierlich. Das zeigen auch die neuesten Pisa-Zahlen. Wichtig ist besonders, dass wir in Deutschland die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss kontinuierlich verringern konnten. Nur noch sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule ohne einen Abschluss. Das lassen wir uns aber auch viel kosten. Unser Bildungssystem kostet im Jahr rund 250 Mrd. Euro. Nur zum Vergleich. Etwa ein Zehntel würde ausreichen um weltweit 50 Millionen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen.
 

Herr Yassin, ich bedanke mich für das Gespräch.