Menschen fliehen vor Krieg und Armut

Radio-Interview zum Weltflüchtlingstag 2014

20.06.2014 - Afrikaner, die in hoffnungslos überladenen Boote übers Mittelmeer nach Europa übersetzen, ein verzweifelter Ansturm auf die spanischen Exklaven in Nordafrika - jedes Jahr wollen hunderttausende Menschen nach Europa kommen. Die meisten fliehen vor Bürgerkrieg und Vertreibung, andere vor Arbeitslosigkeit und bitterer Armut.

Kinder in einer Flüchtlingssiedlung in der Region Bekaa im Libanon. Foto: Adel Samara

Die SOS-Kinderdörfer kritisieren das Wegschauen der Politik in Europa gegenüber dem Schicksal der Flüchtlinge in aller Welt. "Die westliche Politik stiehlt sich aus der Verantwortung", erklärte Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit. Statt den Menschen effektiv in ihren Ländern zu helfen, werde die Festung Europa immer mehr ausgebaut. "Aber auch meterhohe Grenzanlagen halten verzweifelte Flüchtlinge nicht ab!"

Hören Sie dazu Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer im Radio-Interview anlässlich des offiziellen Weltflüchtlingstags am 20.6.:

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Millionen Menschen sind auf der Flucht

Doch auch viele Länder außerhalb Europas erleben immense Flüchtlingswellen. Derzeit befinden sich über 45 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Elend. Betroffen sind vor allem Menschen aus Afghanistan, Somalia, Sudan und Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik  und Kolumbien.

Brennpunkt: Syrien

Besonders schlimm ist die Situation derzeit in Syrien. Dort mussten bislang rund 9 Millionen Menschen, also fast jeder zweite Syrer, wegen des Bürgerkriegs ihr Heim verlassen. Kinder hungern und sterben. Eine gesamte Generation ist ihrer Kindheit beraubt. Offiziellen Zahlen zufolge sind mehr als 2,5 Millionen Syrer in die Nachbarländer geflüchtet. Besonders hoch ist die Zahl der Flüchtlinge im Libanon. Hier kommt derzeit rund eine Million Syrer auf etwa 4,5 Millionen Libanesen. "Das ist eine Last, unter der der fragile Libanon zusammenzubrechen droht", erklärt Vyslozil. "Derweil überlegen die Politiker in den großen und reichen Staaten in Europa, ob sie 5.000 oder 10.000 Syrer aufnehmen wollen. Das ist beschämend." Er fordert: "Die Politiker in Europa sollten überlegen, wie die Lasten gerechter verteilt würden. Wenn man dem Elend in und um Syrien weiter weitgehend untätig zusehe, werde die Region noch weiter destabilisiert."

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen rund 100.000 syrische Flüchtlinge in Nothilfeprogrammen sowohl in Syrien als auch im Libanon.