Kindersterblichkeit: Die Welt muss mehr tun!

SOS-Pressesprecher im Radio-Interview zum Weltgesundheitstag

07.04.2015 - Beim Heimwerken mit dem Schraubenzieher abgerutscht oder beim Abwasch ein Glas zerbrochen – all diese kleinen Unfälle tun zwar ein bisschen weh, ein Drama sind sie nicht. Wunde spülen, Pflaster drauf, fertig! In anderen Ländern dagegen kann schon eine kleine Wunde böse Folgen haben. Überhaupt sieht es mit der Gesundheit der Bevölkerung in vielen Teilen der Welt auch im Jahr 2015 noch sehr schlecht aus. Und genau darauf will die Weltgesundheitsorganisation WHO auch in diesem Jahr am 7. April, dem Weltgesundheitstag, aufmerksam machen. Was sind aktuell die größten Herausforderungen? Darüber spricht Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, im Radio-Interview.

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Herr Yassin, die Ebola-Seuche hat uns erst im vorigen Jahr wieder auf erschreckende Weise gezeigt, dass es auf der Welt weiterhin dramatische Probleme bei der Gesundheit gibt. Welches sind denn aus SOS-Sicht die dringlichsten Probleme?


Ist das Ärmchen zu dünn? Ein Baby wird in der SOS-Klinik in Bangui, Zentralafrikanische Republik, auf Unterernährung untersucht  - Foto: Sylvain Cherkaoui

Yassin: Zum Beispiel die Versorgung mit sauberem Wasser. Jährlich sterben rund zwei Millionen Menschen an Krankheiten, die verursacht werden durch das Trinken von unsauberem Wasser. Und dann geht es natürlich auch darum, dass Menschen genügend zu essen bekommen, v.a. Kinder. Drei Millionen Kinder sterben jährlich an Mangelernährung. Insgesamt sind vermeidbare Krankheiten, durch unsauberes Wasser, fehlende Nahrungsmitteln oder Mangelernährung Haupttodesursache bei Kindern unter 5 Jahren.

Die Kindersterblichkeit drastisch zu reduzieren, das hatte die UN vor einigen Jahren in die Millenniumsziele aufgenommen, die Ende 2015, also Ende dieses Jahres, erreicht sein sollen. Hat sich bei der Kindersterblichkeit denn wirklich was zum Positiven verändert?

Ja, da ist Gott sei Dank einiges geschehen. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren konnte seit 1990 halbiert werden. Das reicht aber natürlich nicht aus. Wenn wir so weitermachen, dauert es noch mindestens bis 2028, also noch über 13 Jahre, bis wir dieses Ziel erreicht haben. Da muss man deutlich mehr Augenmerk darauf richten, v.a. in den afrikanichen Staaten südlich der Sahara.

Die Ebola-Seuche hatte ich ja vorhin schon mal erwähnt. Ist deren Bekämpfung denn aktuell weiter ein großes Problem oder ist es dann doch eher weiter der Kampf gegen Aids und andere Krankheiten?

Der Kampf gegen Ebola ist weiterhin sehr wichtig. Bislang sind 10.000 Kinder und Erwachsene gestorben. Die Epidemie lässt zwar glücklicherweise nach ist aber noch lange nicht vorbei. Aber an Aids z.B. sterben täglich fast 600 Kinder. Und was Malaria und Tuberkulose anbelangt sterben jährlich Millionen Menschen.

Wie sehr werden Sie, also die SOS-Kinderdörfer, bei der täglichen Arbeit eigentlich mit dem Thema "Gesundheit" konfrontiert?

Sehr direkt. Z.B. wurden in unserer SOS-Klinik in Monrovia, das ist die Hauptstadt Liberias, in der Zeit der Ebola-Epidemie tausende Menschen behandelt. Und leider sind auch einige unserer Mitarbeiter, eine Krankenschwester, ein Lehrer und eine SOS-Mutter, an Ebola gestorben.