19. August: Welttag der Humanitären Hilfe

Humanitäre Helfer setzen sich in Krisengebieten für das Leben anderer ein – und riskieren dafür oft ihr eigenes

18.08.2016 - Aktuell gibt es so viele Konflikte, Kriege und Krisen auf der Welt wie lange nicht mehr. Die Folge: Über 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Sie versuchen der Armut und den oft mörderischen Konflikten zu entkommen. Viele haben dazu aber keine Möglichkeit – und dort beginnt dann die Arbeit von den Menschen, die trotz der Gefahr für das eigene Leben versuchen zu helfen. Diese Menschen würdigt seit dem Jahr 2003 die UN mit dem Welttag der humanitären Hilfe. Er findet immer am 19. August statt. Mit Helfen kennen sich auch die SOS-Kinderdörfer aus, die weltweit in Krisengebieten Nothilfe leisten – zum Beispiel aktuell in Aleppo. Im Interview spricht Andreas Papp, Nothilfe-Leiter der SOS-Kinderdörfer, über die Lage der humanitären Hilfe im Jahr 2016.

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Ein Helfer versorgt Kinder in einer SOS-Nothilfe-Kita in Bakthapur, Nepal nach dem Erdbeben 2015. Foto: Zishaan Akbar

Herr Papp, am 19. August 2003 kamen 22 Helfer der Vereinten Nationen bei einem Bombenanschlag auf das UN-Quartier in Bagdad ums Leben. Daraufhin wurde dieser Tag zum Welttag der Humanitären Hilfe ernannt. Wie sieht es denn heute, also 13 Jahre später mit der Humanitären Hilfe auf der Welt aus? Ich gehe davon aus, dass die Herausforderungen seitdem kaum kleiner geworden sind, oder?

Das ist richtig. Der Zugang zu den Notleidenden wird immer schwieriger. Vor allem in den Konfliktgebieten wird es immer gefährlicher, für die Helfer und Helferinnen zu arbeiten. Es gibt Länder wie Südsudan, Niger, Jemen, Syrien, Afghanistan, um nur einige zu nennen, wo immer wieder Helferinnen und Helfer sterben, verletzt werden, entführt werden – und das macht unsere Arbeit nicht leichter.

Was bedeutet das denn ganz konkret für Ihre, also die SOS-Arbeit?

Wir versuchen, in erster Linie Kinder und Jugendliche zu betreuen, die auf der Flucht sind, die in Gebieten, wo gekämpft wird, eingeschlossen sind. Es geht um medizinische Nothilfe genauso wie um die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln. Und man muss dann immer im Kontext entscheiden, ob man das Risiko eingeht oder nicht.

Also gibt es durchaus Situationen, in denen Sie sagen müssen, "Hier können wir aktuell leider nicht helfen, hier ist das Risiko viel zu groß"?

So ist es. Es ist sehr oft eine sehr schwierige Entscheidung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort entscheiden sich auf freiwilliger Basis, ob sie das durchziehen oder nicht. Aber manchmal muss auch von der Koordination gesagt werden "Wir gehen da nicht rein!", weil Kollegen vor Ort, die näher am Geschehen sind, natürlich bereit sind viel mehr zu riskieren. Sie sehen das Leid, sie sehen die Not und wollen helfen. Und das ist mitunter auch lebensgefährlich.


Syrien im Jahr 2014: SOS-Nothilfe-Mitarbeiter Ahmad verteilt Schulmaterial an Kinder in schwer zugänglichen Gebieten bei Damaskus. Foto: SOS-Archiv

Nun könnte man denken, Hilfsorganisationen wie SOS werden auch in Krisen und Kriegen geachtet und verschont. Offenbar ja ein Trugschluss…

Nicht überall und nicht immer. Es kommt immer auf den Kontext an. Was sicherlich zur Verschlechterung beigetragen hat ist die Zunahme der atypischen Konflikte innerhalb eines Landes, wo verschiedene Rebellengruppen auch gegeneinander kämpfen, die von der Einhaltung des Humanitären Völkerrechts, der Genfer Konventionen, nichts halten oder darüber auch nicht Bescheid wissen. Das macht es auch sehr schwierig, in Krisengebieten zu arbeiten.

Wie sieht es denn eigentlich um den Nachwuchs an Helfern aus? Jungen Menschen wird ja heute gerne mal nachgesagt, dass sie sich für gesellschaftliche und politische Dinge nicht wirklich interessieren würden. Teilen Sie dieses Bild?

Ich kann das Bild nicht unterstützen. Es gibt immer wieder vor allem unter Studentinnen und Studenten sehr viele, die zu uns kommen, ihre Hilfe anbieten und aktiv werden möchten.