Ein Euro pro Tag - das ist viel zu wenig!

Ein SOS-Interview zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit

20.02.2015 - Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Was muss geschehen, damit die Welt gerechter wird? Darüber spricht SOS-Pressesprecher Louay Yassin im Interview zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit.

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Extrem armen Familien - wie dieser aus Usbekistan - helfen die SOS-Kinderdörfer weltweit im Rahmen von Familienstärkungsprogrammen. Foto: Marko Mägi
Dass die Schere zwischen Arm und Reich auf der Welt immer weiter auseinander geht, ist eine erschreckende, aber nicht wirklich neue Nachricht. In welchem Ausmaß und Tempo allerdings, das ist die eigentliche Nachricht: Laut der britischen Hilfsorganisation Oxfam wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung schon im kommenden Jahr mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent. Ein Prozent versus 99 Prozent – drastischer kann die Kluft zwischen den Reichsten und dem großen Rest eigentlich kaum mehr sein. Den 20. Februar, haben die Vereinten Nationen 2009 zum „Welttag der sozialen Gerechtigkeit“ erklärt. Aus diesem Anlass erklärt unser Pressesprecher im Interview, woher diese Kluft kommt und wie sie vielleicht zu überwinden ist.
 
Ein Prozent besitzt mehr als 99 Prozent - was hat zu dieser unfassbaren Ungleichheit in der Verteilung des Weltvermögens geführt?
 
Dort, wo Geld ist, existiert auch eine starke Lobby, damit die Steuern auf das erwirtschaftete Vermögen möglichst gering sind. Allein der Finanzsektor in der EU setzt jährlich rund 120 Millionen Euro in Brüssel ein, um sein Interesse zu wahren. Arme Menschen haben derweil freilich keinerlei Lobby.
 
Dann sprechen wir doch über die, die keine so finanzstarke Lobby haben: Was bedeutet arm sein, wo wird die Armutsgrenze genau angesetzt?
 
Es gibt mehrere Armutsgrenzen. Aber die absolute Armutsgrenze, die die UN festgelegt hat, ist 1,25 Dollar pro Tag, von denen ein Mensch leben muss. Das ist rund ein Euro am Tag. Derzeit leben rund 1,2 Milliarden Menschen von weniger als einem Euro am Tag. Viele davon müssen sogar mit viel weniger auskommen.

Äußert sich im Interview über die riesige Kluft zwischen Arm und Reich und welche Gegenmaßnahmen helfen: Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

 
Nun können wir schlecht die Reichen enteignen und das Geld einfach nach unten umverteilen. Appelle an das soziale Gewissen scheinen auch nicht wirklich zu fruchten. Was sind aus Ihrer Sicht realistische Forderungen, um diese – im wahrsten Sinne des Wortes – asoziale Entwicklung zu stoppen und eine gerechtere Verteilung zu schaffen?
 
Meiner Meinung nach geht es nicht darum, den Reichen dieser Welt das Geld wegzunehmen. Es muss aber schlichtweg darum gehen, den Armen auch zu einem ordentlichen Leben zu verhelfen. Möglichkeiten, das zu erreichen sind: Steuervermeidung und Steuerflucht müssen weltweit bekämpft werden. Denn nur mit Steuern kann der Staat auch arme Menschen unterstützen. Zweitens: Es muss weltweit Mindestlöhne geben. Es kann doch nicht sein, dass Menschen hart arbeiten ohne davon leben zu können. Und drittens sollten Steuern nicht mehr auf Arbeit, sondern auf Kapital erhoben werden.
 
Was sind konkrete Maßnahmen, die die SOS-Kinderdörfer verfolgen, um mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen?
 
Wir unterstützen ja nicht nur arme Waisenkinder. Wir unterstützen derzeit auch weltweit mehr als 100.000 von diesen extrem armen Familien. Hier geht es darum durch Aus- und Fortbildung sowie durch Mikrokredite diese Familien in die Lage zu versetzen, dass sie binnen drei bis fünf Jahren auf eigenen Beinen stehen können und eben deutlich mehr verdienen als dieser eine Euro am Tag.

Helfen Sie Kindern in Not!

Hilfe zur Selbsthilfe für Familien in Not: Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Eltern, damit sie ihren Kindern aus eigener Kraft eine Perspektive bieten können.

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