Weltwassertag: Über eine knappe Ressource

Nicht nur in Afrika herrscht Wassermangel

22.03.2016 - An die Bedeutung des Wassers als Gut für alle Menschen erinnert am 22. März der Weltwassertag der Vereinten Nationen. Im Interview erklärt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, wie brenzlig die Lage in einigen Ländern der Erde ist – und warum wir auch hierzulande dieses Thema reflektieren müssen.

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Frauen tragen Wassereimer zu ihrem Dorf in Swasiland. Foto: Max Bastard

In Kalifornien z. B. wird das Wasser durch intensivste Landwirtschaft merklich knapper. Können Sie uns weitere Beispiele nennen, wie und wo der Einfluss des Menschen die Grundversorgung mit Wasser beeinflusst oder bedroht?

Da fällt mir als erstes China ein. Während des rasanten Wirtschaftsbooms in den vergangenen Jahrzehnten leiteten viele Fabriken extrem giftige Abfälle in die Gewässer. Heute sind 70 Prozent der Seen und Flüsse verschmutzt. Dieses Problem betrifft auch das Grundwasser: 60 Prozent des gesamten Grundwassers gilt als nicht trinkbar. Immerhin hat China heute das Problem erkannt und will Milliarden in die Gewässersanierung investieren. Und mir fällt natürlich auch noch Brasilien ein: In dem sonst regenreichen Land haben die Brandrodungen des Regenwaldes zu einem Wassermangel geführt. Teile des Landes leiden heute unter einer Jahrhundertdürre. Die Wasserreservoire von São Paulo und Rio de Janeiro sind praktisch leer.

Denke ich an Wasserknappheit, denke ich auch an die Regionen südlich der Sahara. Auch dort haben die Menschen oftmals keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Was bedeutet dieser Mangel?

Wenn sie kein sauberes Trinkwasser haben, erhöht sich zum Beispiel die Gefahr, drastisch an Infektionen zu erkranken. Im Jahr 2008 starben etwa 9 Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten – viele davon sind auf den Mangel an sauberem Wasser zurückzuführen. Hier gilt es natürlich, vorzusorgen. Die SOS-Kinderdörfer bauen für die Menschen in trockenen Gebieten zum Beispiel Regenwasserspeicher oder Brunnen, um den Zugang zu sauberem Wasser zu gewährleisten.

Und das heißt vermutlich auch, dass die Menschen in wasserarmen Gegenden weite Wege auf sich nehmen müssen, um den täglichen Bedarf zu decken …

Oh ja! Familien in wasserarmen Gegenden müssen ihr sauberes Trinkwasser oft von sehr weit her holen. Das ist wiederum Aufgabe von den Mädchen in der Familie und die können dann natürlich in dieser Zeit nicht zur Schule gehen. Also Sie sehen: Fehlendes Wasser ist ein sehr vielschichtiges Problem. Wenn wir den Zugang zu sauberem Wasser schaffen, wird zugleich auch das Problem der mangelnden Schulbildung angegangen.

Nun sind die Regionen, über die wir gesprochen haben, in der Regel weit weg: Kalifornien China, Brasilien, Afrika. Was kann denn jeder Einzelne hierzulande tun?

Auch unser Leben hier führt zu Wasserverknappung anderswo: Wenn wir zum Beispiel Erdbeeren einführen, die im eher trockenen Spanien mit viel Wasser angebaut werden, tragen wir zur Dürre dort bei. Die Plantagen um die Stadt Huelva verbrauchen 20 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Das ist so viel wie 8000 olympische Schwimmbecken voller Wasser!