Weltwasserwoche 2015

900 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser

23.08.2015 - Einfach den Wasserhahn aufdrehen – und schon haben wir in Deutschland fließendes Wasser. So gut haben es leider nicht alle. Weltweit haben rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Besonders in Afrika südlich der Sahara ist dies ein großes Problem. Wassermangel bedroht aber auch das Leben vieler hunderttausend Menschen in Syrien. Wie sich an dieser Situation etwas ändern könnte, darüber beraten aktuell Experten auf der Weltwasserwoche (23.8.-28.8.2015) in Stockholm.
Die SOS-Kinderdörfer investieren schon seit Jahren in vielen Regionen in die Infrastruktur vor Ort, um die SOS-Einrichtungen und die Nachbarschaften mit Trinkwasser zu versorgen. So leisten die SOS-Kinderdörfer einen Beitrag zur kommunalen Entwicklung.
Louay Yassin, der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, im Interview.
Anhören:

 


Oft müssen Kinder beschwerliche Wege zurücklegen, bis sie an eine Wasserstelle kommen. Foto: Paul Hahn

Herr Yassin, der Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Deutschland geht seit Jahren zurück. Heute vertrinkt, wäscht und „verduscht“ jeder Deutsche also nur noch rund 121 Liter Trinkwasser pro Tag. Aber gleichzeitig besagt unser so genannter Wasser-Fußabdruck, dass wir im Schnitt pro Tag 26 Badewannen voll Wasser verbrauchen. Wie geht das zusammen?
Dieser Wasser-Fußabdruck setzt sich zusammen aus dem hier verbrauchten Wasser und dem Wasser, welches anderswo verbraucht wird für die Herstellung von Lebensmitteln und Gütern, die wir hier konsumieren.  Eine einzelne Mandel braucht z.B. acht Liter Wasser, bis sie beim Konsumenten ankommt. Eine Orange braucht sogar 80 Liter Wasser. Ein Kilo Rindfleisch sogar 15.500 Liter. Wenn man das dann im Schnitt zusammenrechnet, kommt man dann darauf, dass der Durchschnittsdeutsche pro Tag mehr als 5.000 Liter Wasser verbraucht.  
 


Weltweit haben rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Mitunter müssen sie kilometerlange Fußwege mit schweren Wasserbehältern zurücklegen, bis sie an eine Wasserstelle gelangen.. Foto: Paul Hahn
Das heißt also, wir sorgen dafür, dass anderswo unglaublich viel Wasser verbraucht wird?
Genauso ist es. Gemüse und Obst z. B. stammt häufig aus dem wasserarmen Spanien, Baumwolle aus Pakistan und Indien, Agrarprodukte aus Nordafrika. Nur durch den Export von Baumwolle und Textilien beispielsweise verbraucht der Deutsche in Pakistan jährlich ein Volumen von 5,5 Kubikkilometern Wasser. Das entspricht also beinahe dem doppelten Volumen des Starnberger Sees.
 

Jetzt zu sagen: Ausschließlich die wohlhabenden Nationen sorgen dafür, dass anderswo unglaublich viel Wasser verbraucht wird, wäre ja aber auch nicht richtig,..
Nein, natürlich nicht. Zum einen muss man ja auch bedenken, dass nur 2,5 Prozent des Wassers auf der Erde Trinkwasser ist. Zum anderen gibt es immer mehr Menschen auf der Erde, die sauberes Trinkwasser brauchen. Leider wird dieses Wasser durch den Raubbau an der Natur immer wieder verschmutzt. Besonders schlimm ist der Wassermangel in Afrika südlich der Sahara. Selbst im regenreichen Brasilien gibt es heute sogar Wasserknappheit.
 


Hier im SOS-Kinderdorf in Bo (Sierra Leone) hat SOS einen Brunnen mit frischem, sauberem Wasser gebaut. Hier holen nicht nur die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Wasser, sondern auch die Familien aus der Umgebung.

Die SOS-Kinderdörfer sind ja auch in Ländern mit extremem Wassermangel aktiv. Wie gehen Sie dort mit dem Wassermangel um?
Wir setzen in diesen Ländern auf Wasseraufbereitung. In vielen Kinderdörfern haben wir Aufbereitungsanlagen für Wasser. Außerdem bauen wir z. B. Brunnen, von deren Wasser auch die Nachbargemeinden versorgt werden und – das ist in wasserarmen Ländern eine Selbstverständlichkeit – es wird sehr stark auf dem Verbrauch von Wasser geachtet. Es wird also kein Wasser verschwendet, denn Wasser ist dort ein sehr kostbares Gut.
 

Herr Yassin, herzlichen Dank für das Gespräch.

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