Zentralafrika: Kinderdorf wird geplündert

Rebellen verwüsten SOS-Kinderdorf Bossangoa

18.12.2015 - In den Wirren des Bürgerkriegs der Zentralafrikanischen Republik ist nun auch das SOS-Kinderdorf in Bossangoa in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine bewaffnete Rebellengruppe stürmte am vergangenen Sonntag nach Sonnenuntergang das Dorf und plünderte die Häuser. Die Kinder und Erwachsenen im Dorf wurden bedroht, kamen aber mit dem Schrecken davon.

Seit 2013 herrscht Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Foto: Till Müllenmeister

"Rund 100 mit Gewehren und Macheten bewaffnete Männer hatten zuerst die Wachen unseres Dorfes bedroht und waren dann eingedrungen", erklärte Fernand Kaine, Nothilfe-Koordinator des SOS-Kinderdorfes in Bossangoa am Freitag. "Anschließend plünderten und zerstörten sie die Büros auf dem Gelände. Als eine Einheit der UN-Ordnungstruppen MINUSCA hinzukam, verließen die Täter das SOS-Gelände. Glücklicherweise wurde niemand verletzt."

Zusammenarbeit mit Behörden und Bevölkerung

Als Vorsichtsmaßnahme werden sämtliche Aktivitäten des SOS-Kinderdorfs in Bossangoa bis zum 4. Januar 2016 eingestellt. Gemeinsam mit den lokalen Behörden plant Fernand Kaine Nothilfemaßnahmen. Das SOS-Kinderdorf Bossangoa ist fest in der Gemeinde verankert – die Hilfe ist bekannt und wird von den Menschen sehr geschätzt. Die Bevölkerung suchte nach dem Diebesgut und konnte nach nur 24 Stunden bereits einen Generator und ein Motorrad wiederbeschaffen.

Rebellen rufen autonomen Staat aus

Hintergrund der Plünderungen ist ein neuer Ausbruch der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik. Erst vor knapp drei Wochen hatte Papst Franziskus bei einem Besuch die Kämpfer zur Aussöhnung aufgerufen. Das Land wird seit einem Putsch Ende 2013 von einem Konflikt zwischen muslimischen Rebellen und christlichen Milizen erschüttert.

Am 27. Dezember soll ein neuer Präsident gewählt werden. Vergangenen Sonntag fand ein Referendum in der Zentralafrikanischen Republik statt, welches die Amtszeit des Präsidenten auf zwei fünfjährige Amtszeiten beschränken sollte. Aufgrund von Schießereien, Kämpfen und Gewaltandrohungen blieben viele Bürgerinnen und Bürger dem Referendum fern. Rebellen haben am Montag im Nordosten der Zentralafrikanischen Republik den autonomen Staat Logone ausgerufen.

Nicht zum ersten Mal müssen die SOS-Kinderdörfer unter dem Konflikt leiden: Erst vor einem Jahr wurde ein Junge aus dem SOS-Kinderdorf Bangui bei Schießereien getötet.