ARD-Doku: SOS-Hilfe in Griechenland

Finanzkrise: Immer mehr Familien rutschen in die Armut ab

„Oft fehlte das Geld sogar für ein Pausenbrot. Ich musste meiner Tochter stattdessen Knäckebrot mit in die Schule geben“, erinnert sich die alleinerziehende Mutter Sofia. Ihre und viele andere Familien in Griechenland leiden immer stärker unter den Folgen der Finanzkrise. Im ARD-Beitrag erzählt Sofia von ihrem sozialen Absturz – aus der Mittelschicht in die Armut. Jetzt bekommt sie Hilfe im Familienzentrum der SOS-Kinderdörfer in Kalamata.

Hier den TV-Beitrag in ARD-Mediathek nachschauen: Griechenland: Familien am Abgrund

 


Mutter Sofia mit ihren beiden Kindern Christina und Constatinos beim Mittagessen. Die Folgen der Finanzkrise belasten die Familie sehr. Foto: ARD/SWR

Sofia Petropoula kann sich noch genau an eine Zeit erinnern, als ihr Leben nicht von Sorgen und Ängsten geprägt war. Es war die Zeit vor der Finanzkrise, als sie noch als Managerin in einem Restaurant arbeitete und gut verdiente. Es war eine Zeit, als Kinderlachen die Atmosphäre Zuhause beherrschte und keine Zukunftssorgen, wie es heute der Fall ist. Sofia ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Costatinos ist 18 Jahre alt und ihre Tochter Christina ist neun Jahre alt. Ungern erinnert  sich die Mutter an die erste Zeit nach ihrer Entlassung: „Es war wie ein Atombombeneinschlag“, sagt Sofia.

Als Alleinerziehende stand ihre Familie vor dem Nichts. Eine soziale Absicherung, wie in Deutschland, gibt es in Griechenland nicht. Nur ein Jahr lang bekam Sofia ein niedriges Arbeitslosengeld. Dieses reichte nicht aus für Miete, Essen und das Notwendigste wie Medikamente oder Kleidung. Die Familie musste schon bald in eine kleinere Wohnung umziehen. In dieser schwierigen Zeit hat die Familie aber zumindest eines gelernt – zusammenzuhalten.

Viele Familien stehen vor dem Nichts


Spielen, lachen und vor allem für ein paar Stunden die bedrückende Situation vergessen. Das alles kann die 9-jährige Christina in der Kindergruppe des SOS-Sozialzentrums in Kalamata. Foto: ARD/SWR

„Ich habe versucht, meiner Mutter zu helfen, wo es nur ging. Ich habe nie nach Geld gefragt. Und wenn ich in der Schule war, habe ich oft acht Stunden nichts gegessen. In meinem Alter geht das ja gut“, sagt der 18-jährige Costatinos.

Da besonders am Ende des Monats das Geld für das Essen knapp wurde, suchte Mutter Sofia Beistand bei Hilfsorganisationen. Im Familienzentrum der SOS-Kinderdörfer in Kalamata bekam sie Unterstützung. Einmal im Monat bekommt sie dort ein Lebensmittelpaket mit Reis, Nudeln, Konserven und etwas Gemüse. Das Paket reicht aus, um die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen. „Das hilft uns sehr. Mit diesem Paket haben wir zumindest die Grundnahrungsmittel“, sagt Sofia.

Die SOS-Kinderdörfer weiten Familienhilfe aus

Auch die 9-jährige Tochter Christina bekommt Hilfe im SOS-Zentrum. In den Ferien geht sie tagsüber in die Kindergruppe. Dort trifft sie Kinder aus Familien, die in einer ähnlich verzweifelten Lage stecken. Hier spielen und lachen die Kinder viel. Es wird vor allem aber dafür gesorgt, dass die Kinder für ein paar Stunden die bedrückende Situation vergessen. Die SOS-Mitarbeiterin Giota Militsi leitet die Kindergruppe. Die Arbeit mit den Kindern sei äußerst wichtig, betont sie. „Es darf nicht noch eine Generation verloren gehen. Wir versuchen, Brücken zu bauen und eine Umgebung zu schaffen, in denen sich Kinder wohl und sicher fühlen. Sie müssen Fähigkeiten erlernen, die sie dann der nächsten Generation weitergeben. Wir hoffen sehr, dass das klappt“, sagt die SOS-Mitarbeiterin.


Die schwierige Lage belastet besonders Mutter Sofia. Im SOS-Familienzentrum bekommt sie psychologische Betreuung. Foto: ARD/SWR

Neben Kinderbetreuung und Lebensmittelspenden bekommen auch Mutter Sofia und Sohn Costatinos psychologische Betreuung. Langzeitarbeitslosigkeit und Zukunftsangst – dies belastet besonders die Mutter. „Mir als Mutter hilft das sehr. Ich rede über den Alltag. Auch über den Stress, weil ich kein Job finden kann. Sonst würde ich das am Ende auf meine Kinder übertragen, so fürchte ich. Und sie können nichts für die ganze Situation“, so die Mutter. 1.500 Familien betreut SOS in Griechenland. Da immer mehr Familien um Hilfe anfragen, weiten die SOS-Kinderdörfer das Familienhilfe-Programm noch weiter aus. Mutter Sofia und ihre Familie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sie glauben fest daran, dass das Leben besser wird und die Kinder bald eine Perspektive im Leben haben.

Hintergrund SOS-Hilfe Griechenland:

Die SOS-Kinderdörfer helfen aktuell 1.500 Familien in Griechenland. Da immer mehr Familien von der Armut betroffen sind, eröffnet SOS bald zwei weitere Sozialzentren. Dann erhalten Familien in neun Sozialzentren direkte Hilfeleistungen wie Lebensmittel, Babynahrung, Medikamente und Kinderkleidung. Zusätzlich bietet SOS in den Sozialzentren psychologische Beratung für die Familien an sowie Bewerbungstraining für die Eltern und Nachhilfeunterricht für die Kinder. Außerdem unterstützt SOS die Eltern auch bei Erziehungsfragen.
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