Ein Teeladen voller Hoffnung

Ein Jahr nach dem Erdbeben schöpfen viele in Nepal wieder Hoffnung. Auch Gita Mila mit ihrem kleinen Teeladen.

Gita Mali ist 51 Jahre alt – in Nepal ist das ein stolzes Alter. Die schmale Frau ist eine Betreiberin eines Teeladens in der kleinen Stadt Sankhu. Sie führte ein bescheidendes Leben. Doch dann kam das Erdbeben vom 25. April 2015. Das Beben veränderte alles.

Mit den letzten Ersparnissen kaufte sich Gita dieses Blechhaus. SOS hat ihr einen Gaskocher, Töpfe, Gläser, Teller für ihren Tee-Laden gekauft. Foto: Michela Morosini

Vor dem Beben wohnte Gita mit ihrem Sohn, dessen Frau und ihren zwei Enkeln im Zentrum der Stadt. Ihre Schwiegertochter hat das Erdbeben nicht überlebt. Mit Tränen in den Augen sagt Gitta weinend: "Sie war doch so jung!" Gita hat ihre Schwiegertochter sehr geliebt. "Sie war eine tolle Frau und eine tolle Mutter."

Der Tag des Schreckens

Als die Erde bebte, war ihre Schwiegertochter gerade dabei, die Wäsche der Familie am öffentlichen Brunnen zu waschen, nicht einmal 10 Meter vom eigenen Haus entfernt. Als die Gebäude um sie herum einstürzten, wurde dieser Platz zum Grab für die junge Frau.  

Ein Jahr danach ist die Erinnerung an diesen Tag des Schreckens bei Gita Mali nicht verblasst. Neben dem Brunnen, wo ihre Schwiegertochter starb, spielen heute Gitas Enkel: der siebenjährige Dimon und die dreijährige Dija. Oma Gita hat sie immer im Blick, während sie den Tee für ihre Kunden vorbereitet. Durch das Erdbeben hat Gita nicht nur ihre Schwiegertochter verloren, auch ihr Haus und ihr Teeladen, den sie im ersten Stock des Hauses betrieb, stürzte ein.

Gita tut alles für ihre Enkel


Gita Mali mit ihren zwei Enkeln. Die zwei Kinder sind jetzt das Wichtigste für sie. Mali will ihnen ein gutes Leben bieten. Foto: Michela Morosini

Dass sie wieder einen kleinen Teeladen eröffnen konnte, verdankt Gita auch der Unterstützung der SOS-Kinderdörfer weltweit. Mit ihren letzten Ersparnissen kaufte sie sich ein einfaches Haus aus Wellblech. Für mehr reichte es leider nicht. "SOS hat mir einen Gaskocher, Töpfe, Gläser, Teller, Zucker, Tee und einiges mehr gekauft und dadurch ermöglicht, dass ich wieder auf den eigenen Beinen stehen kann. Und das brauche ich heute mehr denn je, um für meine Enkelkinder zu sorgen."

Gita trägt die ganze Tragödie noch tief im Herzen, ist sich jedoch bei einer Sache ganz sicher: Sie möchte für ihre beiden Enkelkinder da sein. Sie wird sie nicht aufgeben und alles tun, damit sie mit Liebe aufwachsen und eine gute Bildung bekommen.

Waisen sollen bei erweiterter Verwandschaft bleiben

Die SOS-Kinderdörfer in Nepal haben nach dem Erdbeben das Kinship-Programm ins Leben gerufen. Hier werden Familienangehörige unterstützt, die Waisenkinder aufziehen. Oft ist es aus finanziellen Gründen nicht möglich, sich um die eigenen Enkel oder Neffen und Nichten zu kümmern. In solchen Fällen greifen die SOS-Kinderdörfer den Verwandten finanziell unter die Arme, um Kindern die Möglichkeit zu geben, in ihrer Familie zu bleiben und dort aufzuwachsen.