"Wir bauen mit an einer gerechteren Welt"

Georg Rodenbach hat in Brasilien Pionierarbeit für die SOS-Kinderdörfer geleistet - ein Interview

Georg Rodenbach arbeitet seit rund 30 Jahren für die SOS-Kinderdörfer. Die ersten zwei Jahre verbrachte er in Salvador de Bahia an der Ostküste Brasiliens. Dann wurde er Regionalleiter für Ost-Lateinamerika und betreute von Rio de Janeiro aus 16 SOS-Kinderdörfer in Brasilien und Surinam. 12 der Kinderdörfer hat er im Aufbau begleitet.
 
Georg Rodenbach
"Rebell für das Gute": Georg Rodenbach
Wie würden Sie sich in drei Sätzen selbst beschreiben?

Bereits als Kind im Dorfe hatte ich Träume von tropischen Wäldern, Indianern und Sehnsucht nach der Ferne. Also ein Träumer.
Wenn Unrecht oder Unheil geschieht, dann wird der Rebell wach, und so wollte ich etwas Ähnliches wie Albert Schweitzer machen. Also ein Rebell für das Gute.
Als Schüler wollte ich die Schule verbessern und wünschte mir einen spannenderen Unterricht, so was wie eine Abenteuerschule, also studierte ich Pädagogik und stellte mir eine für Kinder angemessene Umgebung vor. Also ein Weltverbesserer.

Wie sind Sie mit den SOS-Kinderdörfern in Kontakt gekommen?

Nach meinem Studium der Diplom-Pädagogik wollte ich in Portugal leben. So lag es nahe, mich bei den SOS-Kinderdörfern zu bewerben. Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer, lud mich zum Vorstellungsgespräch ein und schickte mich nach Bahia, Brasilien: "Dich werfe ich ins kalte Wasser wie einen Frosch und Du gehst mir in ein großes Land."

Welche Aufgaben übernahmen Sie bei SOS?

Zunächst den Aufbau und die Betreuung des SOS-Kinderdorfes in Bahia; nach zwei Jahren wurde das SOS-Kinderdorf Rio de Janeiro gebaut. Am Ende waren es 12 Dörfer, die ich im Aufbau begleitet habe.

 

SOS-Kinder im Kinderdorf Bahia, Brasilien - Foto: Silja Streeck
SOS-Kinder im Kinderdorf Bahia, Brasilien
Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit bisher am meisten Freude gemacht?

 

Es gibt zwei ganz ergreifende Erlebnisse: der Bau des Dorfes, da kann man so richtig Häuslebauer sein, und dann, wenn die Kinder ins Dorf kommen. Sie kommen aus unfassbaren Umständen. Es ist ein wunderschönes Gefühl zu erleben, wie die Kinder ein liebevolles Zuhause finden.

Was war schwierig? Sind Sie manchmal an Ihre Grenzen gestoßen?

Ganz schwierig war es, die Zeitvorgaben beim Bau einzuhalten. Einmal wurde das Dorfgelände in Bahia vor Baubeginn gestürmt, von armen Menschen, die dort ihre Hütten errichten wollten. Sie hackten sich durch einen kleinen Wald und standen plötzlich auf unserem Grundstück. Wir haben dann mit ihnen gesprochen und erklärt, was wir vorhaben. Danach habe ich mit einer kleinen Gruppe von Männern einen einfachen Drahtzaun um das SOS-Gelände errichtet. Die Leute haben das respektiert!
Es war auch schwierig, die richtigen Kinderdorf-Mütter zu finden. Anfangs suchte ich selbst, bis ich merkte, dass dies hart an der Grenze zur Glaubwürdigkeit war: Wie kommt ein "Gringo" dazu, im Landesinnern nach Frauen zu suchen? Das war aber natürlich nur in der Aufbauzeit so, als ich "Mädchen für alles" sein musste. Später wurden unsere Kinderdorf-Mütter von unseren einheimischen SOS-Sozialarbeiterinnen ausgesucht. Die SOS-Kinderdörfer legen ja großen Wert darauf, Fachkräfte aus dem jeweiligen Land zu beschäftigen.

Mussten Sie bei Ihrer Arbeit auch einmal neue Wege gehen, um etwas verändern zu können?

Ja, anfangs verstanden unsere Vorstände nicht, weshalb wir unser Mütter gleichwertig und auf Augenhöhe behandelten. Frauen, die auf Kinder aufpassen, galten als Babysitter und die wurden behandelt wie Kinder. Also musste ich in langer Arbeit dieses Menschenbild verändern.

 

SOS-Familie im Kinerdorf Poá, Brasilien
"Wir sind eine Familie, in der wir füreinander da sind": Kinder mit ihrer SOS-Mutter im Kinderdorf Poá, Brasilien 
Welches Ziel bei Ihrer Arbeit ist für Sie am wichtigsten?

 

Dass die Kinder, Mütter und Mitarbeiter sich bewusst sind, dass wir eine Familie sind, in der wir einander achten, wertschätzen und füreinander da sind.

Wer hat Sie am meisten beeinflusst?

Gandhi, seine Art, in Liebe seine Ziele und Mission zu leben und dabei den FRIEDEN über Gewalt zu stellen.

Wie hat sich SOS selbst verändert in den letzten Jahrzehnten?

Wir haben uns von einer Hilfsorganisation hin zu in eine Organisation entwickelt, die sich bewusst ist, dass es auch einen gesellschafts-politischen Auftrag gibt. Wir arbeiten mit an der Verwirklichung der UN-Milleniumsziele: Armut bekämpfen- Gerechtigkeit schaffen: Reduzierung der Armut und des Hungers, Förderung der Gleichstellung von Frauen und deren Stärkung innerhalb der Gesellschaft, Primärschulbildung und Bekämpfung von HIV/Aids.

Was würden Sie jemandem raten, der gerade anfängt, für SOS zu arbeiten?

Sich stets bewusst zu sein, dass wir mit unserer Mission teilnehmen dürfen an dem Aufbau einer gerechteren Welt und dass dadurch unserer kleinsten Handlungen an SINN gewinnen.

Was wünschen Sie sich selbst für die Zukunft? Was wünschen Sie für SOS?

Ich würde gerne nochmals an einem Auslandsprojekt mitwirken, um direkt am Geschehen zu sein.
Der SOS-Kinderdorf Organisation wünsche ich weiterhin viele treue Spender. Denn diese sind es, die überhaupt erst unsere Arbeit möglich machen.

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