Mama war Kindersoldatin

Während des Bürgerkriegs in Nord-Uganda wurde Roberts Mutter von Joseph Konys LRA-Rebellen entführt und als Kindersoldatin missbraucht. Die Jugendliche wurde wenige Wochen nach Roberts Geburt getötet. Ihr Sohn hat im SOS-Kinderdorf Gulu eine neue Familie gefunden.
 
Viele Mädchen und Jungen im SOS-Kinderdorf Gulu, Uganda, sind Bürgerkriegswaisen mit traumatischen Erlebnisse
Verletzte Kinderseelen: Viele der Mädchen und Jungen im SOS-Kinderdorf Gulu sind Bürgerkriegswaisen mit traumatischen Erlebnissen.
Als die Waffen endlich schwiegen, war das Schreien eines Babys zu hören: Tote lagen im Gras, darunter eine Kindersoldatin, gerade einmal im Teenager-Alter, neben ihr ein Sturmgewehr. Um ihren leblosen Oberkörper war ein Tragetuch gewickelt. Darin, am Rücken seiner toten Mutter hängend, kreischte und zappelte ein Säugling.

Einer der ugandischen Regierungssoldaten, die Sieger in diesem Feuergefecht mit den Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA), bekam Mitleid mit dem winzigen Baby. Er nahm es, einen Jungen, und brachte ihn nach Gulu, eine Stadt im Norden Ugandas. Dort übergab der Soldat das etwa drei Monate alte, doch nur drei Kilo schwere Kind einer örtlichen Hilfsorganisation, die in dem Bürgerkriegsgebiet aktiv war. Das Baby blieb dort einige Monate. Doch die Suche nach Angehörigen blieb ohne Erfolg. So kam der Junge in die Obhut der SOS-Kinderdörfer, die damals in Gulu Nothilfe leisteten: SOS-Mitarbeiter betreuten unbegleitete Mädchen und Jungen in einem Nothilfe-Kinderdorf. Nun bekam das Baby einen Namen: Robert.

Grausamer Terror durch Joseph Konys LRA-Rebellen

All dies geschah um den Jahreswechsel 2006/2007. Damals tobte in Nord-Uganda ein blutiger Bürgerkrieg. Die LRA-Rebellen um ihren Anführer Joseph Kony terrorisierten die Bevölkerung mit unvorstellbarer Grausamkeit. So entführte die Mördertruppe  unzählige Mädchen und Jungen, um sie als Kindersoldaten und Sexsklaven zu missbrauchen. Auch die Mutter des kleinen Robert wurde damals von der LRA verschleppt. Von seinem Vater, wohl ein LRA-Kämpfer, fehlt jede Spur.

Heute herrscht in Nord-Uganda Frieden

Junge im SOS-Kinderdorf Gulu in Nord-Uganda.
Aufgeblüht in einem liebevollen Zuhause: Im SOS-Kinderdorf Gulu in Nord-Uganda kann dieser Junge einfach Kind sein.
Inzwischen konnte die LRA aus Uganda vertrieben werden. Kony ist jedoch immer noch auf freiem Fuß. Er und die Reste seiner Armee verstecken sich irgendwo im Dschungel des Dreiländerdreiecks von Kongo, Sudan und zentralafrikanischer Republik, wo sie weiter Angst und Schrecken verbreiten.
Doch in Nord-Uganda herrscht heute Frieden. Aus der SOS-Nothilfeaktion ist ein neues SOS-Kinderdorf in Gulu entstanden. Dort haben Bürgerkriegswaisen wie Robert ein liebevolles Zuhause in einer SOS-Familie gefunden.

 

Tiefe seelische Wunden

"Er war in keiner guten Verfassung, als er bei uns ankam", erinnert sich Roberts SOS-Mutter Ruth. "Sein Körper war von Ausschlag überzogen - offensichtlich war er kaum gewaschen worden", sagt sie. Der Ausschlag ließ sich behandeln, doch die seelischen Wunden des traumatisierten Jungen saßen tief. "Er wollte immer alleine sein", erzählt Ruth. "Und er schlug nach jedem, der ihm nahe kam."

Aus dem traumatisierten Kind ist ein aufgeweckter Junge geworden

Gulu, Uganda: Kinderdorf-Mutter mit SOS-Kind
Eine neue Familie: SOS-Kind mit Kinderdorf-Mutter in Gulu.
Es dauerte etwa einen Monat, bis Robert begann, sich in seiner neuen Familie einzuleben. Ruth gab ihm Zeit, mit behutsamer Beharrlichkeit und Liebe versuchte sie das Vertrauen des Jungen zu gewinnen. Auch Roberts SOS-Geschwister schlossen das Nesthäkchen der Familie von Anfang an in ihr Herz. Sie halfen ihrer SOS-Mutter, den Kleinen zu baden, anzuziehen, zu füttern - und natürlich spielten sie mit ihm.

So begann Robert sich zu öffnen: Immer öfter huschte ein Lächeln über sein Gesicht, er suchte von sich aus Ruths Nähe, bis er schließlich nicht mehr von ihrer Seite wich. "Aus ihm ist ein fröhlicher, aufgeweckter Junge geworden", sagt Ruth stolz. Wenn Robert älter ist, wird sie ihm erklären müssen, was die LRA seiner Mutter und vielen anderen Kindern hier in Nord-Uganda angetan hat. Doch bis dahin muss Robert noch ein bisschen wachsen.

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