Marys Lächeln

Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka verlor die 14-jährige Mary ihre Eltern. Im Nothilfe-Zentrum der SOS-Kinderdörfer in Chettikulam hat sie Schutz gefunden und neuen Lebensmut gefasst.
 
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Regierungssoldaten fanden die Flüchtlinge und brachten sie in ein Lager.
Mary sieht man nicht an, was sie gesehen hat: Die glatten Gesichtszüge der 14-jährgen Sri Lankanerin, ihre glänzendes Haar und ihr sanftmütiges Lächeln verraten nicht das Entsetzen, mit dem sie in ihrer Vergangenheit konfrontiert war.
Sie wuchs mit ihrer kleinen Schwester in Kanagaraimkulam einem kleinen, von Truppen und Rebellen umkämpften Ort in Nord-Sri Lanka auf. "Ganz stark war das Gefühl der Bedrohung", erinnert sie sich, "es war nie friedlich dort, immer lag der Terror, die Angst in der Luft. Entweder waren die Rebellen im Dorf oder die Soldaten. Und vor beiden hatten wir Kinder Angst."

 

Mary erinnert sich vage, dass sie einen älteren Bruder hat - doch der wurde als Soldat eingezogen, als sie noch klein war, und wird seither vermisst.

Auf der Flucht: "Ich wusste nicht, wohin wir gingen"

 

Kinderzeichnung aus Sri Lanka
Kinderzeichnung eines Flüchtlingskindes aus dem SOS-Nothilfe-Zentrum auf Sri Lanka
Gegen Ende des Krieges, als Soldaten einmarschierten, floh Mary mit ihrer Familie aus ihrem Dorf. "Ich wusste nicht, wohin wir gingen", erzählt sie, "meine Eltern und unsere Nachbarn packten schnell das Nötigste ein und flohen in den Dschungel."
Danach lebte Marys Familie über einen Monat im tiefsten Dschungel, ohne Orientierung, von einem Tag auf den anderen, von einem Versteck zum nächsten.

 

"Jedes Mal, wenn mein Vater sagte ‚Wir müssen weiter’, ließen wir wieder ein bisschen von unseren Habseligkeiten zurück", schildert Mary die aufreibende Flucht. "Die ganze Zeit über sahen wir keinen einzigen Soldaten, aber wir hörten ständig Schüsse, Schreie. Und wenn die Flugzeuge kamen, verstecken wir uns schnell, denn sie schossen auf uns." Die Flüchtlingsgruppe hungerte, denn sie hatten kaum etwas zu essen und schliefen ungeschützt im Freien, dem Wind, dem Regen schutzlos ausgeliefert.

"Diese eine Nacht werde ich nie vergessen." Mary schluckt trocken. Dann fährt sie fort: "Ich glaube, wir waren irgendwo in der Nähe von Mulliwaikal. Ich war gerade eingeschlafen. Plötzlich schoss man auf uns, von überall her zischten die Kugeln an uns vorbei. Es war stockdunkel, ich rannte einfach los, stolperte und blieb in einer Mulde liegen. An mir rannten unsere Nachbarn und Freunde vorbei, in Panik, sie schrien, manche fielen hin und verbluteten, direkt neben mir. Am Morgen, als das Chaos sich beruhigt hatte, fand ich meine Eltern. Sie waren beide tot."

Ankunft im SOS-Nothilfe-Zentrum: "Ich hatte bald ein Gefühl von Sicherheit."

 

Unterricht im SOS-Flüchtlingslager
Im SOS-Nothilfe-Zentrum: Schulunterricht für die Flüchtlingskinder
Mary hatte keine Zeit zu trauern oder gar, ihre Eltern zu begraben. Denn die Überlebenden machten sich gleich wieder auf den Weg. Zum Glück hatte sie noch ihre Schwester und ihre Großmutter. Die drei liefen einfach mit den anderen mit, wussten nicht, wohin es ging. Irgendwann fanden Regierungssoldaten die Flüchtlinge: Es waren nur noch 70 Menschen, Männer, Frauen, Kinder. Sie wurden mit Bussen nach Chettikulam in ein Flüchtlingslager gebracht.

 

Dort wurden SOS-Mitarbeiter auf die kleine Familie aufmerksam und nahmen die Kinder im SOS-Nothilfe-Zentrum auf.  "Als ich mit meiner Schwester in dem SOS-Zentrum ankam, hatte ich bald ein Gefühl von Sicherheit", erzählt Mary. "Das war eine enorme Erleichterung. Zum ersten Mal seit langem habe ich wieder mehrere Stunden tief geschlafen."
Die Großmutter lebt weiterhin im nahen Flüchtlingslager und besucht die Schwestern einmal im Monat.
Die beiden haben sich im SOS-Nothilfe-Zentrum von den Strapazen der Flucht erholt und neuen Lebensmut gefasst. "Ich habe keine Angst mehr vor dem Morgen", sagt Mary und lächelt sanft.

SOS-Nothilfe-Zentrum: Schutz, Betreuung und Unterricht für  Flüchtlingskinder

Im SOS-Nothilfe-Zentrum in Chettikulam werden die Flüchtlingskinder von SOS-Mitarbeitern und freiwilligen Helfern in einer sicheren, kinderfreundlichen Umgebung rundum die Uhr betreut. Die Mädchen und Jungen werden dort nicht nur mit Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln versorgt, sondern besuchen auch einen geregelten Schulunterricht und können an Freizeitaktivitäten teilnehmen.
Ziel ist es, die Kinder mit ihren Familien wieder zusammenzuführen. Waisenkinder, deren Angehörige sich nicht ermitteln lassen, können in einem der fünf SOS-Kinderdörfer auf Sri Lanka ein dauerhaftes Zuhause finden.


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