Von großen und kleinen Überraschungen am Muttertag

Eine SOS-Mutter erzählt, wie in ihrer Familie der Muttertag gefeiert wird

Wenn es an einem Sonntagmorgen in der Küche schon im Morgengrauen verdächtig klimpert und unauffällig auffällig geflüstert wird, dann ist … Muttertag! In vielen Familien wird dieser Tag jedes Jahr ähnlich zelebriert, und auch in den SOS-Kinderdörfern überall auf der Welt ist der Muttertag kein Tag wie jeder andere. Wie dieser besondere Tag bei ihr zuhause zelebriert wird, erzählt Helga Lechner, sechsfache SOS-Mutter im SOS-Kinderdorf Seekirchen in Österreich.

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Eine SOS-Mutter wird von ihren Kindern liebkost – das gehört am Muttertag in den SOS-Kinderdörfern überall auf der Welt zum Programm. Foto: Senad Gubelić

Frau Lechner, Sie haben sechs Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren. Ich vermute mal, dass der Muttertag schon einige Tage vorher seine Schatten vorauswirft. Schließlich sind die Muttertags-Vorbereitungen für Kinder ja unglaublich spannend.

Ja natürlich! Es beginnt schon relativ früh im Kindergarten und in der Schule. Vor allem die Mädchen erzählen sehr viel von der Schule und sagen: "Wir haben gebastelt. Oh! Das darf ich jetzt nicht sagen, was wir gerade basteln. Aber weißt du? Wir basteln ein Muttertagsgeschenk." Und das ist schon ganz spannend. Im Kindergarten erfahre ich nicht so viel – aber auch da gibt es Geheimnisse, das merke ich dann schon.

Und wann beginnt der eigentliche Muttertag? Morgens um 5, 6, 7 Uhr? Ab wann ist das erste aufgeregte Flüstern und Getrappel im Treppenhaus zu hören?

Mein Jüngster wacht immer zwischen halb 6 und 6 Uhr auf und ich höre ihn dann natürlich – auch wenn mir gesagt wird, ich darf liegen bleiben. Mein Jüngster ist mit der 17-jährigen Schwester im Zimmer und das ist dann immer das schönste Geschenk, wenn sie mir sagt: "Ich kümmere mich in der Früh um den Kleinen und du kannst liegen bleiben." Aber man hört dann natürlich, dass im Haus gewerkt wird und der Frühstückstisch vorbereitet wird. Ich denke, es ist wie bei jeder anderen Familie auch.

Frühstück ans und Frühstück im Bett gehört ja bei ganz vielen Familien zum Muttertag dazu. Sie wären zu acht. Müssen Sie da einmal im Jahr durch?

Nein, Frühstück im Bett habe ich nicht so gern. Vor allem nicht mit den Kindern. [lacht] Wir machen das ganz geordnet im Wohnzimmer. Es wird ein schöner Frühstückstisch hergerichtet, vielleicht mit einem Kuchen und Blumen und schönen Servietten. Und dann werde ich gerufen und darf kommen und mich überraschen lassen.


Ein SOS-Kind aus Kirgisistan hat diese Zeichnung seiner SOS-Mutter gewidmet.

Und Sie sind natürlich auch total überrascht …

Natürlich! Weil man weiß zwar, dass Muttertag ist, aber was dann wirklich so alles passiert, das weiß ich natürlich nicht. Und ich schaue natürlich auch nicht in die geheimen Verstecke, die mir die Kinder schon vorher sagen.

Ihre Kinder haben ja alle auch noch ihre leiblichen Eltern, können dort aber aus unterschiedlichsten Gründen im Moment nicht leben. Spielt die leibliche Mutter am Muttertag eine sehr große Rolle? Mehr als an anderen Tagen?

Unsere Kinder haben einen sehr guten Kontakt zu ihren leiblichen Eltern. Die besuchen sie einmal im Monat und sie sind auch präsent mit Fotos. Die bekommen dann auch manchmal ein Muttertagsgeschenk. Eines meiner Mädchen hat zum Beispiel die letzten Tage gesagt, "Ich möchte jetzt etwas für meine Mama basteln. Aber keine Angst – du bekommst trotzdem auch noch ein Muttertagsgeschenk!" Also das wird bei uns ganz offen gehandhabt und wenn sie die Mutter am Muttertag nicht sehen, habe ich bis jetzt noch nie mitbekommen, dass das ein Problem ist.