Nie den Fokus verlieren

Mit neun Jahren verlor er seine Mutter. Danach fand er neuen Halt sowie den Glauben an sich und sein Talent in seiner SOS-Kinderdörfer-Familie in Nepal. Heute ist Amul Thapa 27 Jahre alt, und ein preisgekrönter Fotojournalist.

Bild der Hoffnung: Amul Thapa hielt den Moment der Rettung des kleinen Sonish fest.

Sein Foto ging um die Welt: Als am 25. April 2015 in Nepal die Erde bebte und über 8.500 Menschen in den Tod riss, befand sich Amul Thapa in seinem Büro der Zeitung "Kathmandu Today", im Epizentrum der Naturkatastrophe. Nachdem es ihm gelungen war, das Gebäude mitsamt seiner Kamera zu verlassen, begann er, Verschütteten zu helfen: "Ich ging zu einem zusammengefallen Haus, wo nepalesische Soldaten versuchten, ein kleines Kind aus den Trümmern zu befreien. Sie hörten den Jungen schreien, konnten ihn aber nicht finden. Daraufhin lenkte ich den Straßenverkehr um und bat die Leute in der Umgebung, still zu sein, damit wir das Baby ausfindig machen können." Stunden später fanden die Helfer den kleinen Sonish und der Fotograf hielt diesen besonderen Moment fest: "Ich konnte einige wunderschöne Fotos machen, als der Soldat das Baby rettete und in die Luft hielt. Die Menschen applaudierten und seine Mutter weinte vor Freude. So konnte ich die Geschichte der Rettung des kleinen Jungen und seiner Familie mit meinen Fotos der ganzen Welt erzählen."


Ehemaliges SOS-Kind: Amul Thapa. Foto: Laxmi Ngakhusi

Das bewegende Bild wurde weltweit als Symbol der Hoffnung inmitten der Katastrophe publiziert und Amul Thapa 2016 vom Nepalesischen Premierminister KP Sharma Oli für die engagierte Dokumentation des Nepal-Erdbebens und dessen Folgen ausgezeichnet. Neben seinem Talent hätten auch die SOS-Kinderdörfer seinen beruflichen Werdegang entscheidend beeinflusst, berichtet der Fotograf: "Meinen Erfolg verdanke ich SOS. Ich bin dankbar, dass ich im SOS-Kinderdorf aufwachsen durfte."

Als er mit neun Jahren seine Mutter verlor, fand er im SOS-Kinderdorf in Kavre ein neues Zuhause: "Nach dem traurigen Tod meiner leiblichen Mutter, fühlte sich mein Leben im SOS-Kinderdorf wie eine Wiedergeburt an. Ich erinnere mich noch gut an die Liebe und Fürsorge meiner SOS-Mutter Basanti Rana und an meine neun SOS-Geschwister." Basanti war er es auch, die ihn stets ermutigte und motivierte: "Sie stand immer hinter mir und hatte einen großen Anteil an meinem Erfolg. 'Glaub an dich, verliere nie dein Ziel aus den Augen und gib bei allem, was du tust, immer 100 Prozent,' waren ihre Worte."