Liebe auf den ersten Blick

Swarna Patriana ist seit über 25 Jahren SOS-Mutter auf Sri Lanka - hier erzählt sie ihre Geschichte

Ich bin Mutter von 18 Kindern", sagt Swarna Patriana voller Stolz. Sie ist eine von Sri Lankas SOS-Kinderdorf-Müttern der ersten Stunde. Inzwischen ist sie in ihren Sechzigern und in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Hier erzählt sie ihre Geschichte.
 
SOS-Mutter mit ihren SOS-Kindern
Großfamilie: Eine pensionierte SOS-Mutter mit ihren SOS-Kindern und Enkeln im SOS-Kinderdorf auf Sri Lanka.
"Ich habe mich im Jahr 1981 auf eine Zeitungsanzeige beworben. Ich war kinderlos, doch ich liebe Kinder und dachte mir sofort: Das ist mein Traumberuf. Also bewarb ich mich und war überglücklich, als ich am Ende meines Vorstellungsgesprächs sofort eine Zusage erhielt. Nach meiner sechsmonatigen Ausbildung fing ich im SOS-Kinderdorf Piliyandala an.

 

Der schönste Tag meines Lebens!

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als ich mein erstes Kind, Rohan, kennenlernte. Es war der glücklichste Tag meines Lebens, als ich ihn zum ersten Mal im Arm hielt. Rohan war damals 15 Monate alt. Er war ein kleines Baby - zu klein für sein Alter, da er unterernährt ins Kinderdorf gekommen war. Aber er war unglaublich süß, und ich verliebte mich sofort in ihn.

In meinem ersten Jahr bekam ich dann fünf weitere Kinder, zwei Jungen und drei Mädchen, so dass ich anfangs SOS-Mutter von sechs Kindern war. Alle waren noch klein, und ich hatte alle Hände voll zu tun, sie zu umsorgen.

 

SOS-Mutter mit Baby
"Ich verliebte mich sofort in mein Baby": SOS-Mutter mit ihrem Jüngsten - Foto: Sebastian Posingis
Ich stand jeden Tag um 5.30 Uhr auf, machte Frühstück und half den älteren Kinder, sich für die Schule fertigzumachen. Dann kümmerte ich mich um die Kleinen, spielte mit ihnen und kochte das Mittagessen. Nach dem Essen half ich den Großen bei den Schularbeiten und brachte die Kleinen ins Bett, damit sie ihren Mittagsschlaf machten. Am späten Nachmittag badete ich die Kinder, half ihnen, den weißen "lama sari" anzuziehen, und wir gingen um 18 Uhr zum Bo-Baum, um dort zu beten - das wird im Kinderdorf heute immer noch so gemacht. Dann gab es Abendessen und schließlich brachte ich die Kinder ins Bett und erzählte ihnen noch eine Gutenachtgeschichte. Ich war praktisch rund um die Uhr beschäftigt, aber jeder Tag hat mich mit Glück und Freude erfüllt.

 

Ich weinte vor Glück

 

Ein Mädchen betet am Buddha-Schrein im Kinderdorf
Ein Mädchen betet am Buddha-Schrein im Kinderdorf - Foto: Dominic Sansoni
Natürlich war es auch nicht immer einfach. Einige meine Kinder waren ja schon etwas älter, acht oder neun Jahre, als sie ins Kinderdorf kamen. Sie kamen aus schwierigen Verhältnissen und hatten viel durchgemacht. Sie brauchten Zeit, um sich im Kinderdorf einzugewöhnen und zu mir Vertrauen zu fassen. Doch ich gab ihnen all meine Liebe, und so begannen sie auch mich zu lieben.

 

Die schlimmste Zeit war, als zwei meiner Kinder schwer krank wurden. Eines meiner Kleinen litt an einer ernsten Nierenkrankheit, und später erkrankte einer meiner Jungen an Tuberkulose. Beide Male begleitete ich sie ins Krankenhaus und blieb bei ihnen, als sie dort behandelt wurden, um ihnen Mut zu machen. Ich selbst hatte entsetzliche Angst, eines meiner Kinder zu verlieren. Als die beiden wieder gesund wurden, weinte ich vor Glück.

Das SOS-Kinderdorf ist meine Heimat

Heute bin ich im Ruhestand, doch ich lebe immer noch im Kinderdorf, das in all den Jahren zu meiner Heimat geworden ist. Ich wohne zusammen mit sieben anderen pensionierten Müttern in einem Haus im Dorf. Ich nehme dort am Alltag und vielen Aktivitäten teil und helfe, wo ich kann.

 

Spielende SOS-Kinder im Kinderdorf auf Sri Lanka
Einfach Kind sein: Spielende SOS-Kinder auf Sri Lanka - Foto: Sebastian Posingis
Meine Kinder besuchen mich regelmäßig, was meine größte Freude ist. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich sehe, was aus ihnen geworden ist. Am schönsten ist es, wenn alle meine 18 Kinder bei mir zusammenkommen, zu besonderen Gelegenheiten, wie dem singhalesischen und dem tamilischen Neujahrfest.

 

Für so viele Jahre SOS-Mutter gewesen zu sein, hat mich viel gelehrt - und die Liebe meiner Kinder hat mir ein glückliches Leben geschenkt.


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