Taifun: Ich dachte, ich sterbe!

Wie eine SOS-Familie in Tacloban ums Überleben kämpfte

Der verheerende Taifun auf den Philippinen hat die Stadt Tacloban in Trümmer gelegt. Dort befindet sich auch eines unserer SOS-Kinderdörfer. Eine SOS-Familie erzählt, wie sie ums Überleben kämpfte.

Vor dem Sturm - Totenstille


Nach der Katastrophe: Nanay Dottie sitzt mit SOS-Kindern im Freien. Im Hintergrund entwurzelte Bäume und Wellblech, das vom Sturm fortgerissen wurde.

Es war zwei Uhr nachts, als Nanay Dottie aus dem Schlaf schreckte. Es war ungewöhnlich ruhig für eine Tropennacht. Die Totenstille beunruhigte Nanay, eine SOS-Mutter im Ruhestand. Sie stand auf und sah draußen nach dem Rechten. Das SOS-Kinderdorf Tacloban mit seinen zwölf Familienhäusern erstreckte sich friedlich in der Dunkelheit. Doch Nanays innere Unruhe legte sich nicht. Sie konnte nicht wieder einschlafen und begann zu beten.

Gegen 3.30 Uhr fing die Glühbirne an zu flackern, dann ging das Licht aus: Stromausfall. Ganz plötzlich kam ein starker Wind auf und Regen setzte ein. Nanay lief zum benachbarten SOS-Familienhaus und klopfte. Die SOS-Mutter, die Kinder nennen sie Mama Mayette, ließ sie sofort ein. Auch sie war seit einiger Zeit wach und ebenfalls besorgt. Sie schalteten das batteriebetriebene Radio an und hörten die neuesten Meldungen zu dem heranziehenden Taifun. Doch dann brach die Sendung ab - aus den Lautsprechern kam nur noch Rauschen.

Der Taifun bricht los – Flucht aufs Hausdach

Gegen sechs Uhr morgens wurde der Sturm immer stärker und peitschender Regen prasselte herab. Mama Mayette weckte nun die Kinder und holte sie zu sich. Plötzlich splitterten die Scheiben, als gewaltige Sturmböen die Fenster eindrückten. Die Kinder schrien, und die Frauen türmten Matratzen zu einer schützenden Mauer auf. Alle drängen sich in der Nähe der Tür zusammen, um notfalls schnell aus dem Haus rennen zu können. Die drei Frauen - Nanay, Mama Mayette und die "Tante", also eine SOS-Familienhelferin, die den Kinderdorf-Müttern zur Hand gehen - versuchten die Kinder zu beruhigen.


Zerstörung im SOS-Kinderdorf Tacloban: Der Taifun riss mehrere Dächer davon.

"Ich gab unserem Jüngsten gerade Milch zu trinken, als ich plötzlich die Kälte an meinen Füßen spürte", erinnert sich Nanay. "Ich blickte herab und sah das Wasser zur Haustür hereinströmen. Ich öffnete die Tür und erschrak über das, was ich draußen sah!" Das gesamte SOS-Kinderdorf-Gelände war überflutet.

Während das Wasser ins Haus schoss, stiegen die Mädchen und Jungen zunächst auf den großen Tisch, an dem sie normalerweise ihre Hausaufgaben machen. Doch die Fluten stiegen rasant. In ihrer Not beschlossen die Frauen, mit den Kindern in den Dachstuhl des Bungalows zu flüchten. "Wir halfen erst den Kindern, bevor wir selbst hinaufkletterten", erzählt Nanay. "Ich hätte es beinahe nicht geschafft, zum Glück ließ mich unsere Tante auf ihre Schultern steigen. Als letzte kletterte Mama Mayette nach oben."

So saßen alle direkt unterm Dach, die Kinder verängstigt und ganz still, während draußen der Taifun tobte. "Der Sturm war so stark, dass wir Angst hatten, dass er das ganze Dach davon trägt, ich betete", erzählt Nanay. Ein paar Meter von der Stelle, wo sie saßen, riss der Taifun ein Stück Dachpappe weg und hinterließ ein großes Loch – und das Wasser stieg immer weiter: Schließlich erreichte die Flut den Dachstuhl. Die Familie flüchtete nun durch das Loch nach draußen aufs Dach, wo sie sich aneinanderdrückten. Angesichts des gewaltigen Taifuns war das zwar gefährlich, aber die Fluten sollten sie dort nicht erreichen. Zwei Stunden saßen sie dort im Freien, während das Unwetter über sie hinwegfegte. "Wir waren alle völlig durchnässt, aber wir waren froh, dass wir zusammen waren."

Der Sturm legt sich – ein Bild der Verwüstung

Fast so schnell wie der Taifun über sie hereingebrochen war, legte sich der Sturm wieder und die Fluten zogen sich zurück. Nach Stunden der Angst kletterten die Kinder und Frauen wieder nach unten. Fassungslos standen sie vor den Zerstörungen, die der Taifun in ihrem Zuhause angerichtet hatte. "Im ganzen Haus gab es nichts, was nicht nass, verschlammt und kaputt war", berichtet eines der SOS-Kinder, 13 Jahre alt. "Ich hörte nicht auf zu zittern, während des Sturms hatte ich gedacht, ich muss sterben."

Alle 150 Kinder und SOS-Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Tacloban kamen mit dem Schrecken davon. Trotzdem blieben sie auf den Dächern: Dort, wo sie während des Taifuns Zuflucht gesucht hatten, schlugen sie nun ihr Lager auf - und warteten auf Hilfe.

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