Ruanda: 20 Jahre nach dem Genozid

Helene Mukakarenzi ist SOS-Mutter im Kinderdorf Byumba in Ruanda. Die 137 Kinder, die heute im SOS Kinderdorf Byumba leben, sind Sozialwaisen oder Findelkinder. Keines von ihnen hat in einem Krieg seine Eltern verloren. Doch die Geschichte des Kinderdorfes ist untrennbar mit dem Genozid verbunden.
Hinweis: Dieses Video enthält Szenen physischer Gewalt und ist nicht für die Augen von Kindern und Jugendlichen geeignet.



Als vor 20 Jahren, am 6. April 1994, der schwelende Bürgerkrieg zwischen den beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi eskaliert, bricht ein Völkermord von unglaublichem Ausmaß aus. Aufgestauter Hass entlädt sich in brutalster Weise. Hutus töten Tutsis. Hutus töten Hutus. Nachbarn töten Nachbarn. In nur 100 Tagen Bürgerkrieg sterben fast eine Million Menschen. Das Land brennt.

Flucht vor den Massakern

Mittendrin befindet sich das SOS-Kinderdorf Kigali, das sich seit 1979 um elternlose Kinder aus beiden Volksgruppen kümmert. Es wird zum Zufluchtsort für unzählige Menschen aus der Nachbarschaft. Dann fallen auch hier Bomben. Die SOS-Familien flüchten – zunächst in ein Krankenhaus in Kigali, dann in die Kleinstadt Byumba in den nördlichen Bergen von Ruanda. Mit ihnen verlassen Ströme von Menschen die Hauptstadt. Eine Reise des Grauens, denn auf dem Weg sind Mord, unsägliche Not und Verzweiflung allgegenwärtig.

Doch auch die Flüchtlingslager in Byumba sind überfüllt. SOS bringt die Kinder noch weiter nordöstlich, nach Ngarama, und startet dort ein Nothilfeprogramm für hunderte hilflose und verlassene Kinder.

SOS-Mutter Helene Mukakarenzi meldet sich als Freiwillige. Heute erinnert sie sich: "Wir betreuten nicht nur die SOS Kinder aus Kigali. Wir hatten unzählige Kinder aufgenommen. Manche hatten wir neben ihren ermordeten Eltern gefunden. Wir SOS-Mütter schliefen jede mit 5 oder 6 Babies auf einer Pritsche. Die Kinder waren wirklich in einem kritischen Zustand. Manche konnten nachts kein Auge zu tun.“

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Verwundet an Körper und Seele

Still und in sich gekehrt, den Blick abgewendet - viele der Mädchen und Jungen sind traumatisiert. Sie brauchen Zuwendung und Beistand, um die brutalen Erlebnisse zu verarbeiten. Manche haben miterlebt wie die Mörder ihre Eltern töteten. Andere wurden selbst mit der Machete niedergemetzelt.

Helenes SOS-Kinder von damals sind heute erwachsen. Alle haben gute Schulabschlüsse, darauf ist sie stolz. Und alle sind irgendwie mit den schrecklichen Erinnerungen fertig geworden. „SOS hat uns Mütter in Trauma-Arbeit ausgebildet. Außerdem ist unser Dorfleiter Psychologe und hat uns und die Kinder stets fachlich betreut“, berichtet die langjährige SOS-Mutter.
Auch nach Kriegsende bleibt die Hilfe der SOS-Kinderdörfer weiterhin dringend notwendig. Viele Kinder sind Vollwaisen geworden. Ihre Eltern oder Angehörigen sind tot oder nicht auffindbar. Für sie wird das SOS-Kinderdorf Byumba gebaut.

20 Jahre nach dem Bürgerkrieg


Damit so etwas nie wieder passiert: SOS-Mutter Helene reist mit SOS-Kindern auf den Spuren der Vergangenheit nach Ngarama.
Wer heute das SOS-Kinderdorf Kigali besucht, erlebt unbändige Lebensfreude. 148 Kinder, und ihre SOS-Mütter leben hier. Kigali, die Hauptstadt des Landes ist inzwischen eine moderne Stadt, in der die Volksgruppen Hutu und Tutsi friedlich zusammen leben. Wenn man durchs Land fährt, sieht man, dass sich vieles verändert hat. Ruanda entwickelt sich rasant.

Auch Helene Mukakarenzi setzt sich aktiv für die Aufarbeitung der Geschichte ein. Von Zeit zu Zeit fährt sie mit einem oder zwei SOS-Kindern zurück nach Ngarama, um auf den Spuren der Vergangenheit zu wandeln. Der kleine Amohoro kam 15 Jahre nach dem Genozid ins SOS-Kinderdorf, als Findelkind. In Ngarama erfährt er von seiner SOS-Mutter etwas über die Kinder des Krieges. Dass auch sie ohne Eltern überleben mussten. Und dass es einen Genozid nie wieder geben darf. "Ich versuche ihnen, beizubringen, dass nicht die Herkunft einen guten oder schlechten Menschen aus ihnen macht, sondern ihr Handeln“, so die SOS-Mutter.

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