Helmut Kutin

Ehrenpräsident der SOS-Kinderdörfer

Helmut Kutin ist im ersten SOS-Kinderdorf der Welt aufgewachsen, das nach dem Zweiten Weltkrieg im österreichischen Imst entstand. 1985 folgte er SOS-Gründervater Hermann Gmeiner an der Spitze unserer weltweit tätigen Kinderhilfsorganisation nach. Kutin setzte sich unermüdlich für den weltweiten Ausbau der SOS-Arbeit ein. Dabei war es stets seine Maxime, das einzelne Kind als eigenständige Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. 2012, nach 27 Jahren Präsidentschaft, kandidierte er nicht mehr. Im November 2015 gab Helmut Kutin jetzt auch den Vorstandsvorsitz der SOS-Kinderdörfer weltweit ab. Als SOS-Ehrenpräsident engagiert er sich weiter für die Kinder dieser Welt.
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"Sich auf Augenhöhe mit den Kindern begeben": Helmut Kutin mit einem Mädchen in einem vietnamesischen SOS-Kinderdorf - Foto: A.Gabriel

Helmut Kutin wurde 1941 in Bozen, Südtirol, geboren. Erst starb seine Schwester, kurz danach seine Mutter, der Vater wurde vertrieben. Kutin blieb zurück mit seinen meist jüngeren Geschwistern. 1953 kam er als 12-Jähriger als eines der ersten Kinder ins SOS-Kinderdorf in Imst. "Ich war glücklich, ein ganzes Haus für meine Geschwister und mich, eingebettet in ein Dorf für viele Kinder, mein Zuhause zu nennen. Ich habe die SOS-Kinderdorf-Familie von Beginn an als eine gute Familie erlebt, wir waren Schicksalsgenossen und haben zusammengehalten."

Nach Abschluss der Pflichtschule in Imst besuchte er die Lehrerbildungsanstalt, machte 1963 das Abitur und begann an der Universität Innsbruck das Studium der Volkswirtschaft. Als Erzieher und  mit seinem kleinen Reisebüro verdiente er seinen Lebensunterhalt.

Bau des ersten SOS-Kinderdorfs in Vietnam

Nach Gesprächen mit Hermann Gmeiner und seiner Sprachausbildung in Paris, übernahm Helmut Kutin im Herbst 1967 seine erste Aufgabe für die SOS-Kinderdörfer: Er begann mit dem Bau der ersten vietnamesischen SOS-Kinderdorfs in der heutigen Ho-Tschi-Minh-Stadt, ehemals Saigon. 1968 übernahm er die Leitung des Dorfes, das damals das größte SOS-Kinderdorf der Welt war. Er baute und betreute ein weiteres SOS-Kinderdorf und zwei Jugendeinrichtungen in Vietnam.

Die Kinder haben mich nicht mehr losgelassen

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Helmut Kutin wird in Kenia von einem Kind aus dem SOS-Kinderdorf Mombasa begrüßt.

"Prägend waren für mich die Kinder, die ich in Vietnam aus Kriegssituationen geholt habe. Jedes Mal, wenn ich ins SOS-Kinderdorf Go Vap in Saigon gekommen bin und ich sie den SOS-Kinderdorf-Mütter übergeben habe, haben mich diese Kinder nicht mehr losgelassen." Nach dem Sieg des kommunistischen Nordvietnams mussten die SOS-Kinderdörfer 1976 das Land verlassen. Der Abschied zählt zu seinen schmerzvollsten Erfahrungen. "Ich musste 482 Kinder und die Mütter zurücklassen, das Kinderdorf wurde von den neuen Machthabern geschlossen." Kutins schönste Erfahrung aber war die Rückkehr in sein Dorf im Jahr 1987, als die SOS-Kinderdörfer ihre Arbeit in Vietnam wieder aufnehmen konnten.

Pragmatiker und Tatmensch

"Meine Heimat sind die Menschen", sagt Helmut Kutin. Als SOS-Präsident war er 300 Tage im Jahr unterwegs in den SOS-Kinderdörfern, besuchte die Kinder, Mütterzentren, sprach mit Regierungsvertretern, machte Lobby-Arbeit für die Kinder. Unermüdlich trieb der Pragmatiker und Tatmensch den Ausbau der weltweiten SOS-Arbeit voran. Unter seiner Leitung wurden weltweit mehr als 250 neue SOS-Kinderdörfer eröffnet - ein beeindruckendes Lebenswerk. "Wir sind nicht gekommen, um schnell wieder zu gehen", erklärt er, "sondern um zu bleiben. Ein Kind, das mit Liebe aufgezogen wird, kennt den Hass nicht, der so viel Leid schafft. Nur ein geliebtes Kind kann ein liebender Erwachsener werden."