EU-Flüchtlingsgipfel: SOS-Kinderdörfer dringen auf schnellen Bau von Unterkünften

Kritik an Verstärkung des Militäreinsatzes an den Grenzen

26.10.2015, München - Die SOS-Kinderdörfer begrüßen die Entscheidung der EU-Staaten, die Balkanländer und Griechenland beim Bau von 100.000 Übergangsunterkünften für Flüchtlinge finanziell zu unterstützen. „Der Aufbau der Übergangsunterkünfte muss jetzt schnell – vor Wintereinbruch - voran getrieben werden“, warnte Louay Yassin, Sprecher der Kinderhilfsorganisation, in München. „Ansonsten riskiert man den Tod von Menschen.“ Kritisch sehen die SOS-Kinderdörfer zudem die Erhöhung der Militärpräsenz an den Grenzen.

Zwischen 6.000 und 10.000 Flüchtlinge kommen nach aktuellen Schätzungen derzeit täglich an den Balkangrenzen an. Regierungen und Hilfsorganisationen können die ständig steigende Zahl Hilfsbedürftiger kaum versorgen. Besonders zu kämpfen haben die Helfer mit der Dynamik der Flüchtlingsströme. Durch kurzfristige Öffnungen und Schließungen der Grenzübergänge kommt es immer wieder zu plötzlichen Massenansammlungen von Flüchtlingen.

„Die meisten Flüchtlinge sind ohne winterfeste Kleidung unterwegs und schon gar nicht dafür ausgerüstet, um die Nächte bei Frost und Regen im Freien zu verbringen. Wir können gar nicht so viele Decken verteilen, wie benötigt werden“, erklärt SOS-Nothilfekoordinator Igor Gilanji in Serbien. „Beheizte Zelte an möglichen Brennpunkten an den Grenzen werden dringend benötigt, um eine humane Unterbringung und kurzfristige Versorgung der Menschen zu gewährleisten“, so der SOS-Nothilfekoordinator.

Noch mehr Militär zur Regulierung der Flüchtlingsströme einzusetzen, sehen die SOS-Kinderdörfer hingegen sehr kritisch. „Wir glauben nicht daran, dass der Einsatz von Militär zur Deeskalation an den Grenzen beiträgt. Wir befürchten vielmehr, dass es mehr Tote geben wird, bleibt die EU auch weiterhin bei ihrer Abschottungspolitik“, so Louay Yassin, Sprecher der Organisation. Bereits in der vergangenen Woche ist ein Flüchtling an der Grenze zu Bulgarien durch Schüsse ums Leben gekommen.

Nur planbare Routen und gesicherte Informationen darüber, welche Grenzen geöffnet sind, führten zu einer Entspannung der Lage auf dem Balkan, so die Kinderhilfsorganisation. „Hier sehen wir die Regierungen in der Pflicht“, so SOS-Pressesprecher Louay Yassin.

26.10.15

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Katharina Ebel
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