Hesmats Flucht: 11-Jähriger schlägt sich von Afghanistan nach Österreich durch

29.01.09 - Ängstlich, geschunden und halb verhungert: So kam Hesmat im SOS-Jugendwohnheim Telfs bei Innsbruck an. Er floh als 11-Jähriger vor den Taliban und erlebte Krieg, Grausamkeit und Verrat. Hesmats Schicksal, das der Journalist Wolfgang Böhmer festgehalten hat, ist jetzt als Jugendbuch erschienen.

„Wenn es mir schlecht geht, lese ich die Seiten über meine Kindheit“, sagt Hesmat über das Buch, das Wolfgang Böhmer über ihn geschrieben hat. Etwas anderes als diese Seiten sind ihm nicht geblieben: Er hat alles im Bürgerkrieg in Afghanistan verloren.

Die Taliban hatten in Kabul gerade die Macht übernommen, da starb Hesmats Mutter und sein Vater wurde von Gefolgsmännern der Taliban umgebracht. So entschloss Hesmat sich, gerade einmal elf Jahre alt, zur Flucht. Er verlässt sein Versteck in einem Erdloch und macht sich auf ans andere Ende der Welt: nach West-Europa, wo Frieden herrscht. Zu Fuß quält sich das Kind über die 5000 Meter hohen Pässe des Hindukuschs.

Hesmat gerät in die Fänge gewissenloser Menschenschmuggler, er wird betrogen und gequält. Immer wieder nehmen ihn Grenzpolizisten fest: Sein Weg nach Westen führt ihn durch Gefängnisse in Turkmenistan, Kasachstan und der Ukraine. Nach elf Monaten wird er an der Grenze zu Italien von der Polizei aufgegriffen und erreicht ausgemergelt und mit letzter Kraft Österreich. Dort nimmt die Jugendeinrichtung der SOS-Kinderdörfer in Telfs das Flüchtlingskind auf.

Erst kürzlich hat Hesmat sein Buch ganz durchgelesen. Es hat ihn viel Kraft gekostet. Seitdem kann er kaum mehr schlafen. Aber er ist sicher: „Diese Ungerechtigkeit muss erzählt werden.“ Da Hesmat keine Fotos und Andenken aus seiner Kindheit besitzt, ist das Buch das einzige Denkmal an seine Eltern. Der einzige Beweis für ihre Existenz.

Auf SPIEGEL ONLINE und auf www.sos-kinderdoerfer.de finden Sie eine Reportage von Arne Semsrott, der Hesmat getroffen hat. Arne Semsrott ist Preisträger des SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerbs 2007.

München, 29.01.2009

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