Das bunteste Fest von allen

An Holi bewerfen sich Kinder und Mütter in den indischen SOS-Kinderdörfern mit Farben

Im SOS-Kinderdorf Bhubaneshwar in Indien schauen die Jungen und Mädchen bald wieder jeden Abend ungeduldig zum Himmel. Sie können es kaum erwarten, dass der Mond endlich rund wird, denn am Tag nach Vollmond beginnt für sie das bunteste Fest von allen: Dann feiert ganz Indien Holi, die Menschen bespritzen sich mit gefärbtem Wasser, bewerfen sich mit Farbpulver, schmieren sich Grün, Blau, Rot, Gelb, Lila und Orange ins Gesicht. Sogar die  strengen Kastenregeln des Hinduismus sind während der Feier, die bis zu zehn Tagen dauern kann, vielerorts aufgehoben!

Holi ist eines der ältesten Feste Indiens. Es ist das Fest, das den Winter verabschiedet und den Frühling begrüßt, es ist aber auch der Sieg des Guten über das Böse: Der Legende nach lebte einst ein Fürst namens Prahlad, der von seinem Vater und seiner bösen Tante Holika dafür verfolgt wurde, dass er den Gott Vishnu verehrte. Holika, die durch besondere Kräfte vor dem Feuer geschützt war, zog Prahlad mit sich in lodernde Flammen. Aber dank göttlicher Hilfe blieb Prahlad unverletzt – und die Tante verbrannte.

So oder ähnlich wird die Geschichte erzählt, wenn am ersten Tag von Holi eine Strohpuppe ins Feuer geworfen wird. Aus Freude über diesen glücklichen Ausgang wird am zweiten Tag ausgelassen gefeiert. Es ist dies der Tag der Farben. In den SOS-Kinderdörfern haben die Mütter bis dahin längst Wasserpistolen und Luftballons besorgt, die nun mit dem bunten Wasser gefüllt werden. Früh am Morgen stellen sie große Platten mit Gulal, gefärbtem Pulver, bereit. Früher wurde es aus Wurzeln, Blüten und Kräutern gewonnen, heute meistens synthetisch hergestellt.
 
Im SOS-Kinderdorf Bhubaneshwar ist es der Dorfleiter, der traditionell den ersten Wurf macht, Farbpulver über die Köpfe der Kinder streut, buntes Wasser auf die Mütter sprüht. Dann gibt es kein Halten mehr: Die Kinder bewerfen sich mit Wasserballons, die Mütter und Mitarbeiter schmieren sich die Farben ins Gesicht, umarmen sich übermütig und mit viel Gelächter. „Es ist einfach befreiend, mal für einen Moment die ganze Verantwortung zu vergessen und ausgelassen zu feiern“, sagt eine der Mütter. Auch die Büste des Kinderdorf-Gründers Hermann Gmeiner bekommt ihren Teil ab, kleine Hände streichen Gulal auf Wangen, Nase, Stirn, bald ist das freundlich lächelnde Gesicht kunterbunt. „Happy Holi!“, rufen die Kinder dazu.

Irgendwann nach langer bunter Feier verabschieden sich die Kinder und Mütter in ihre Häuser, waschen die ganze Farbe wieder ab. Es geht dann ziemlich schnell, bis alle schlafen, die Kleinen wie die Großen. Auch das ist traditionell.

SOS-Kinderdorf-Arbeit in Indien

Indien ist ein Schwerpunkt der SOS-Arbeit. Heute gibt es dort 39 SOS-Kinderdörfer (davon acht für tibetanische Flüchtlingskinder), denen auch SOS-Jugendwohngemeinschaften angeschlossen sind - ca. 5.200 Mädchen und Jungen finden hier ein neues Zuhause. Außerdem leisten rund 50 Zusatzeinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Sozial-, Ausbildungs- und Medizinische Zentren sowie Nachbarschaftsprogramme Hilfe für mehr als 20.000 Kinder.