Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung in Gambia

Nur eine Stärkung der Frauen führt zu Veränderung

Frauen, die im Bezirk Foni Jarrol von Gambia leben, werden in ihren elementaren Rechten verletzt. Dies reicht von weiblicher Genitalverstümmelung, über Zwangsverheiratung und häusliche Gewalt bis hin zu fehlender, wirtschaftlicher Unabhängigkeit, die durch eine unzureichende Ausbildung und tief verwurzelte Diskriminierung verursacht wird. Hier setzt ein Projekt der SOS-Kinderdörfer in Gambia an, das gezielt Frauen stärkt.

Die SOS-Kinderdörfer in Gambia setzen sich für Mädchen- und Frauenrechte ein - Foto: Claire Ladavicius

Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union arbeitet unser Team in Gambia mit Partnerorganisationen zusammen, um langfristig für Gender-Gleichheit zu sorgen. Anfänglich für 100 alleinerziehende Mütter ausgelegt, wird das Projekt bessere Möglichkeiten für Mütter in Gemeinden von ganz Foni Jarrol schaffen, indem es größere Stabilität für Kinder fördert, die in einer der am schwersten benachteiligten Gemeinden aufwachsen.

Verletzung von Frauenrechten in Gambia

Gambia befindet sich auf Platz 151 von 169 möglichen Plätzen des Geschlechtergleichstellungs-Indexes. In einer der konservativsten Gemeinden des Landes, dem Bezirk Foni Jarrol an der Westküste, müssen Frauen unter Vergewaltigung, häuslicher Gewalt und Genitalbeschneidung (Female Genital Mutilation, FGM) sowie unter den Folgen von Analphabetismus und mangelnder Bildung leiden. Außerdem haben sie kaum eine Möglichkeit, sich gesellschaftlich Gehör zu verschaffen. All dies verschlechtert ihre eigene Lebensqualität und die ihrer Kinder erheblich.

Tief verwurzelte Geschlechterungleichheit

Durch unsere Gespräche mit Frauen in Foni Jarrol fanden wir heraus:

  • Zwei Drittel wurden verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreicht hatten. 43 Prozent davon wurden nicht vor die Wahl gestellt.
  • Fast alle Befragten hatten sich zudem einer Genitalbeschneidung unterziehen müssen, bevor sie 16 Jahre alt waren und die Hälfte von ihnen sogar vor ihrem fünften Lebensjahr.
  • Die Mehrheit von ihnen wurde von traditionellen Beschneiderinnen, den sogenannten "Ngamsimba", beschnitten.
  • 13 Prozent der Frauen berichteten von erlittener körperlicher Gewalt und neun Prozent waren vergewaltigt worden.
  • Über ein Fünftel der verheirateten Frauen sagten, sie seien von ihren Ehemännern körperlich misshandelt worden.

Ein Wandel, der von innen kommen muss


Viele Mädchen in Gambia werden bereits vor ihrem fünften Lebensjahr beschnitten.

Die meisten Frauen akzeptieren diesen Istzustand und widersetzen sich ihm nicht aktiv. Gemäß UNICEF-Angaben leben fast Dreiviertel der gambischen Frauen mit der anerzogenen Überzeugung, dass der Ehemann das Recht hat, seine Frau zu schlagen – und zwar aus so trivialen Gründen wie angebranntem Essen oder dem Verlassen des Hauses ohne die Erlaubnis des Ehemannes. Dieses "Verständnis" geht sogar so weit, dass keine der Vergewaltigungen oder Gewalttätigkeiten in Foni Jarrol der Polizei gemeldet worden waren. Zu groß ist die Angst, zu festgefahren die Geschlechterrolle.

So verheerend diese Kultur auch für das Wohl der Frauen sein mag, so bildet sie doch die Grundlage eines Lebensmodells. Das Projekt wird von unserem örtlichen gambischen Team mit Sensibilität für die lokale Kultur durchgeführt. Da die 100 Frauen, die direkt in das Projekt eingebunden sind, besser über ihre Rechte aufgeklärt werden und mehr Unabhängigkeit erlangen, können sie diese positiven Erfahrungen anderen Frauen weitererzählen, um Veränderungen in der Gemeinde voranzutreiben. Aufgrund des Vertrauens, das sie genießen, spielen lokale Größen wie die Alkalo (Gemeindeführer), Imame (geistliche Oberhäupter) und die Ngamsimba (Beschneiderinnen) eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Projekts.

Was sind die Ziele des Projekts?

Das Projekt stärkt Frauen, damit sie ein erfolgreicheres und erfüllenderes Leben führen und so auch ihre Kinder in einem besseren und chancenreichen Umfeld aufziehen können, was sich wiederum auf das Wohl und den Erfolg der ganzen Gemeinschaft auswirkt. Durch Bildung und Sensibilisierung sprechen wir nicht nur tief verwurzelte Grundhaltungen und Überzeugungen an, sondern befähigen Frauen, durch Geschäftstätigkeit ihr Leben zu gestalten und Selbstständigkeit zu erlangen, so dass die ganze Gemeinschaft davon profitieren kann. Das weitreichende Projekt umfasst die Ortschaften Sintet, Kalagi, Kan Mamadou, Jarrol und Kampassa innerhalb des Foni-Jarrol-Bezirks.
 
Bis 2017 werden wir:

  • ein gesteigertes Bewusstsein für Frauenrechte unter Männern und Frauen schaffen. Männer werden erklären können, inwieweit sich ihr Verhalten durch Bildung verändert hat, und sowohl Frauen als auch Männer werden die Frauenrechte besser verinnerlicht haben.
  • einen wesentlichen Rückgang von FGM und praktizierenden Ngamsimba verzeichnen können.
  • eine Abnahme von Gewalt gegen Frauen und eine bessere Berichterstattung von Gewalttaten bewirken.
  • das Netzwerk zum Erfahrungsaustausch zwischen den fünf Gemeinden, die an dem Projekt beteiligt sind, besser ausgebauen.
  • "Kabiloo" (frauengeführte Selbsthilfegruppen) aufbauen, sodass Frauen ein Forum haben, um über Gewalt zu diskutieren und alle Probleme zu melden.
  • Frauen die Fähigkeiten, die Mittel und das Wissen vermitteln, um ihre eigenen Unternehmen zu gründen und nachhaltig ihren Lebensunterhalt verdienen zu können.
  • kooperative Frauengruppen gründen, um diese Unternehmen zu unterstützen.

Wie werden wir diese Ziele erreichen?

Solch spezielle und ambitionierte Ziele können nur durch eine überschaubare und langfristige Planung erreicht werden. Unser Fokus liegt auf drei großen Bereichen:
  • Sensibilisierung für Frauenrechte,
  • die Ermutigung und die Unterstützung zum offenen Sprechen, um die Kultur des Schweigens zu brechen,
  • Bildung und Ausbildung als nachhaltige Lebensgrundlage. Während des Projekts werden wir ein besonderes Augenmerk auf FGM richten.
Women´s Empowerment for Change: Projekt-Team in Gambia
Women´s Empowerment for Change - Frauen stärken für Veränderung: Unser Projekt-Team in Gambia

Zunächst sprachen wir mit den "Alkalo" (den Gemeindeführern), um die Frauen des Bezirks zu identifizieren, die am gefährdetsten sind. Dann führten wir eine Reihe von zwanglosen Gesprächen, um 100 alleinerziehende Mütter zu finden, die am dringendsten direkte Unterstützung benötigen. Ausgestattet mit einem stärkeren Rechtsbewusstsein, Geschäftswissen und einem Netzwerk aus gegenseitiger Unterstützung fördern diese Frauen innerhalb ihrer Gemeinden Frauenrechte und können so eine grundlegende Veränderung in der Behandlung und im Status der Frauen in der Gesellschaft von Foni Jarrol bewirken.

Sensibilisierung für Frauenrechte

  • Sensibilisierungs-Sitzungen: Diese Sitzungen, an denen die ausgewählten Frauen teilnehmen, haben Frauenrechte als Ausgangspunkt, um darauf aufbauend weitere Gesundheitsthemen zu behandeln. Der Hauptfokus liegt hierbei auf Elternschaft und Kindererziehung. Zentrale Themen sind Gesundheit (einschließlich FGM, sexuelle und reproduktive Gesundheit) und Elternschaft, einschließlich Kinderrechte, gesundheitsschädigende, kulturelle Praktiken, frühe Heirat und Zwangsverheiratung und die Ausbildung von Mädchen.
  • Bewusstsein schaffen innerhalb der Gemeinden: Dieser wichtige Punkt wird dabei helfen, Bewusstsein über die Grenzen der ursprünglichen Zielgruppe hinaus bis hin zu nahegelegenen Gemeinden zu verbreiten. Hierbei werden verschiedenste Medien mit einbezogen: von Postern über Flyer bis hin zu Filmen, Musik und "Kanyeleng" (einem traditionellen Tanz, der von Frauen zu einem bestimmten Thema performt wird). Dokumentationen, Diskussionen und Radiosendungen helfen außerdem, die gesamte Gemeinde miteinzubeziehen.
  • Diskussionen und Debatten: Respektsfiguren innerhalb der Gemeinden wie Alkalos und Imame werden die weiblichen und männlichen Gemeindemitglieder dazu ermutigen, sich an Diskussionen und Debatten zu beteiligen, und sich letztendlich dem Bestreben, Geschlechtergleichstellung zum Wohle der Gemeinschaft zu fördern, anzuschließen.

Die eigene Meinung vertreten

  • Netzwerke, um Gemeinden zu verbinden: In den teilnehmenden Gemeinden werden Netzwerke gebildet, die über die Förderung und Verbreitung von Frauenrechten sprechen. Diese werden von den Frauen selbst betrieben und geleitet.
  • "Kabiloo" oder frauengeführte Gruppen: 13 Prozent der Frauen gaben an, dass sie bereits Opfer physischer Gewalt waren, neun Prozent sagten, dass sie vergewaltigt wurden. Frauen werden zu Beraterinnen ausgebildet werden, um anderen Frauen in Not zuhören und ihnen Orientierungshilfe und Unterstützung beim Zugang zur Rechtsberatung und dem Kontakt mit der Polizei geben zu können.
  • Die Kultur der Nicht-Bestrafung  aufbrechen: Derzeit sind Männer, die Gewalt gegen Frauen verüben, gesellschaftlich gegen Strafen immun, da ihr Verhalten von der Leitkultur gebilligt wird. Indem wir Rechtsordnungen und den Kontakt mit den Behörden stärken und durchsetzen, werden wir diese Auffassung der Straffreiheit aufbrechen.
  • Kooperative Gruppen: Frauengenossenschaften unterstützen überwiegend Geschäftsinitiativen; darüber hinaus bieten diese frauengeführten Gruppen ein kraftvolles Sprachrohr für Frauen, die sich zu Gewalt äußern möchten.

Schul- und Berufsausbildung

  • Alphabetisierung: 89 Prozent der Frauen in Foni Jarrol sind Analphabeten. Dies ist ein Hindernis auf dem Weg zur Erwerbstätigkeit. Wir bieten praktischen Unterricht an, der den Schwerpunkt auf Lese- und Rechenfertigkeiten legt, die zur Führung eines eigenen Unternehmens relevant sind.
  • Berufsausbildung: Wir unterrichten Frauen in den Fähigkeiten, die sie zum Führen eines eigenen Geschäfts brauchen und helfen ihnen bei der Umsetzung geeigneter einkommensschaffender Maßnahmen.
  • Finanzielle Starthilfe: Wir bieten finanzielle Unterstützung an, um Frauen bei der Gründung ihres eigenen Geschäfts zu helfen.
  • Frauenkooperativen: Kooperativen stellen sicher, dass die Geschäfte reibungslos laufen und dass gegenseitige Hilfe und Unterstützung bei Bedarf verfügbar ist.
  • Finanzmanagement: Wir bieten Finanzverwaltungs-Training an und helfen Frauen, einen langfristigen Geschäftsplan zu entwickeln und ein Bankkonto zu eröffnen.

Kampf gegen Frauenbeschneidung (FGM)

  • Besonderer Schwerpunkt: Der Fokus auf die Beseitigung von FGM ist Teil der breit angelegten Bemühungen, Gewalt gegen Frauen zu reduzieren. FGM ist besonders in Foni Jarrol stark verbreitet – im Vergleich zu 74 Prozent auf nationaler Ebene haben sich in Foni Jarrol 95 Prozent der Frauen einer Beschneidung unterziehen müssen. Aus diesem Grund wird FGM innerhalb unseres Projekts speziell berücksichtigt.
  • Arbeit mit Beschneiderinnen: FGM ist Teil eines Übergangsrituals, das als "Adaa Karango" bekannt ist, und von der Ngamsimba durchgeführt wird. Ehemalige Ngamsimba aus anderen Gemeinden, die dank unserer Projektpartner nicht mehr praktizieren, werden kommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und das Bewusstsein für die Gefahren von FGM zu stärken. Ausbildungsangebote  sollen den Beschneiderinnen in den Gemeinden helfen, sich neue Existenzgrundlagen zu schaffen.
  • Bewusstseinsbildung: Medien, öffentliche Debatten und Diskussionsrunden in den Gemeinden thematisieren die gesundheitlichen Risiken und dauerhaften Schäden durch FGM.

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