Maltherapie: Die rosarote Heilung

An dem Tag, als Peter seine Kinderdorf-Mutter angebrüllt hat und aus dem Haus gerannt war, tauchte er einige Stunden später, pünktlich um vier, im Turmzimmer bei Gundi Reichenpfader auf und malte ruhig und konzentriert eine Katze mit sanftem Blick.
Peter (Namen aller Kinder geändert), der 14 Jahre alt ist, aber jünger wirkt. Ein zarter Junge mit fein geschnittenem Gesicht, hohen Wangenknochen, großen blauen Augen und geschwungenen Brauen, die ihm Melancholie verleihen; dazu kommt ein dauerhaftes Lächeln, das so anstrengend aussieht. Fast immer ist Peter freundlich und zurückhaltend, nur manchmal nicht: dann bekommt er seine Anfälle, wirft sich auf den Boden und versprüht Zorn und Hass. Und nun soll er mit Pinsel und Papier sich selbst erleben, mit Rosa und Blau, Grün, Orange oder Lila ein wenig Heilung finden. Im besten Fall.