Waisenkinder - Teil 2

 

Alternative Betreuung häufig unzureichend

 


Millionen von Kindern sind durch HIV/AIDS zu Waisen geworden
So gut wie alle Staaten der Welt haben die UN-Konvention über die Rechte des Kindes ratifiziert, was sich auch in Gesetzgebungen und staatlichen Initiativen zum Schutz von Kindern niederschlägt. Auch gibt es mittlerweile Empfehlungen und Maßnahmenkataloge wie z.B. die UN-Richtlinien zur alternativen Betreuung von Kindern (an denen die SOS-Kinderdörfer maßgeblich mitgearbeitet haben), die klare Vorgaben und Standards für eine qualitätsvolle, kindgerechte, die Interessen jedes einzelnen Kindes wahrnehmende alternative Betreuung außerhalb der leiblichen Familie definieren. In der Realität ist die Betreuungspraxis in vielen Bereichen jedoch meilenweit von diesen Empfehlungen entfernt - bis hin zum Extremfall, dass ein Kind überhaupt kein Zuhause und keine Bezugspersonen hat.

 

 


Bewaffnete Konflikte zerstören mehr Schicksale, als durch bloßes Zählen der Todesopfer ausgedrückt werden kann - Foto: R. Fleischanderl
Viele Staaten versuchen zwar, ein Minimum an Standards in Betreuungseinrichtungen zu garantieren, es mangelt aber oft an materiellen und personellen Ressourcen und an den nötigen Mechanismen, um die Betreuungsqualität auch zu kontrollieren. Sehr oft ist die institutionelle Betreuung von Kindern etwa in Heimen und Waisenhäusern nach traditioneller Art die einzige Antwort auf den Verlust der Herkunftsfamilie; familiennahe Modelle (z.B. Pflegeelternschaft, kleine familiennah gestaltete Betreuungseinheiten wie in den SOS-Kinderdörfern, Adoption) sind Einzelphänomene.

 

Waisenkinder im südlichen Afrika

Auf Grund der hohen Zahl von Waisenkindern im südlichen Afrika ist die am meisten verbreitete Form der Betreuung im informellen Bereich "geregelt", sprich in der Betreuung innerhalb der erweiterten Familie oder durch Gemeindemitglieder. In sehr vielen Fällen haben aber die Familienverbände (Großeltern, ältere Kinder als Familienvorstand) selbst kaum Mittel, um die Kinder mit dem Notwendigsten zu versorgen. Institutionelle Betreuungseinrichtungen wie Kinderheime vermehren sich in Ländern wie zum Beispiel in Simbabwe zwar rasant, nur mangelt es gravierend an adäquater Infrastruktur, entsprechenden Qualifikationen des pädagogischen Personals und Kinderschutzmaßnahmen. Finanzielle und beratende Unterstützung sowie Qualitätskontrollen vom Staat gibt es oft nur unzureichend oder gar nicht.

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