Waisenkinder - Teil 3

Waisenbetreuung in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion

 


Wenngleich die Deinstitutionalisierung der Kinderfürsorge in Ländern der ehemaligen Sowjetunion bereits große Fortschritte gemacht hat, ist der Staat nach wie vor der wichtigste Versorger von Kindern ausserhalb der Familie
In der ehemaligen Sowjetunion war Heimbetreuung flächendeckende Norm war und der Staat positionierte sich oftmals per se als der angeblich bessere Erzieher. In den Nachfolgestaaten sind mittlerweile Deinstitutionalisierungsprozesse am Laufen, d.h. die Ablöse großer Institutionen durch klein strukturierte, im Idealfall an Familiensystemen orientierte Betreuungseinheiten.
So ist beispielsweise in der Ukraine eine starke Zunahme an Pflegefamilien und familienähnlich gestalteten Betreuungseinrichtungen festzustellen sowie ein intensives Engagement von Seiten des Staates, die rechtliche Situation von Waisenkindern zur Chefsache zu machen.
Auf der anderen Seite gibt es keinen Zugang zu Informationen, ob und inwieweit diese Betreuungsformen erfolgreich sind und Qualitätskriterien, wie etwa in den UN-Richtlinien definiert, von staatlichen Stellen kontrolliert werden.

 

In Kasachstan, wo die Obsorge für Kinder ohne elterliche Betreuung größtenteils durch Verwandte übernommen wird (insgesamt rund 47.000 Kinder ohne elterliche Betreuung), stehen immer noch 13.156 Kinder in institutioneller Betreuung nur 932 Kindern in familiennahen Betreuungsformen gegenüber.
In Russland wiederum, das eine Vielzahl an verschiedenen, auch familiennahen Betreuungsmodellen aufweist, gab es im Jahr 2008 mehr als 2.000 Institutionen für rund 162.000 Kinder - von Babyhäusern über Internate bis hin zu umstrittenen Militärschulen, die sogar Kinder im Alter von sieben Jahren aufnehmen. Einen verschwindend kleinen Anteil bilden in Russland privat geführte Einrichtungen, der Staat ist neben der Obsorge durch Verwandte nach wie vor der wichtigste Akteur im außerfamiliären Betreuungssektor. Im Schatten der russischen Gesellschaft führen allerdings auch tausende Kinder und Jugendliche ein Leben auf der Straße, ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Kindern auf dieser Welt teilen, auch mit vielen Kindern zum Beispiel in Venezuela.

 

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