Frauenleben in Somalia


EIne Ärztin an der SOS-Feldklinik Badbado in Mogadischu. Sie kennt die Sorgen und Probleme vieler Frauen in Somalia. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

Geringe Lebenserwartung, Armutsrate, Anzahl von Kindern, die nicht zur Schule gehen, Jugendarbeitslosigkeit – sieht man sich die Statistiken von Lebensrisiken an, steht Somalia tragischerweise dabei häufig an vorderster Stelle. In wenigen anderen Ländern der Welt sind die Lebensbedingungen so hart wie in dem kleinen Land am Horn von Afrika. Es sind insbesondere die Frauen Somalias – und mit ihnen ihre Kinder –, die in einer Spirale von Risiken gefangen sind.

Risiko: Schwangerschaft und Geburt

Schwangerschaft und Geburt zählen in Somalia zu den Hauptrisiken für Frauen:

  • Eine Frau in Somalia bringt im Laufe ihres Lebens durchschnittlich sechs bis sieben Kinder zur Welt.
  • Nur knapp ein Viertel der Somalierinnen hat Zugang zu Geburtsvorsorge und medizinischer Betreuung.
  • Die meisten Geburten finden im häuslichen Umfeld, unterstützt von traditionellen Geburtshelferinnen statt. Das Risiko für Komplikationen und Infektionen ist dabei hoch.
  • Aufgrund der in Somalia nach wie vor weit verbreiteten Praxis der weiblichen Genitalbeschneidung und -verstümmelung kommt es bei den Geburten häufig zu Komplikationen.
  • Eine von 18 Frauen stirbt sogar bei der Geburt.

Fehlende Medizinische Versorgung bedroht das Leben der Kinder

Ebenso wie ihre Mütter sind auch die Kleinsten gefährdet: Die Sterblichkeitsrate bei unter fünfjährigen Mädchen und Jungen ist hoch.

  • Jedes zehnte Kind in Somalia stirbt noch bevor es seinen ersten Geburtstag erlebt. Schwere Unterernährung und Infekionskrankheiten sind dafür die Hauptursache.
  • Da es im landesweiten Durchschnitt nur ca. einen Arzt pro 20.000 Einwohner gibt, sterben viele Kinder an den Folgen von leicht behandelbaren Krankheiten.
  • Trotz vieler Bemühungen zur Aufklärung wird nach wie vor die Genitalbeschneidung bei sehr vielen Mädchen durchgeführt. Schwere Infektionen, nicht selten mit Todesfolge und lebenslange gesundheitliche und seelische Probleme sind häufig die Folge.

Armut und kaum Schulbildung

Rund 70% der Menschen Somalias leben von der Landwirtschaft, viele als Nomaden oder Halbnomaden. Der tägliche Kampf ums Überleben und die Versorgung der Familie bestimmen den Alltag der meisten Frauen in Somalia.


Sauberes Wasser ist in Somalia Mangelware. Meist sind es die Frauen und Kinder, die sich um das Wasserholen kümmern müssen. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma
  • Nur geschätzte 15% der Somalierinnen haben eine Grundschule besucht. Die Zahl der Frauen, die nicht Lesen und Schreiben können, ist hoch.
  • Aufgrund der traditionellen Lebensweise und fehlender Infrastruktur gehen nur ca. 17 % der Mädchen und Jungen zur Schule.
  • Fast jedes zweite Kind muss arbeiten, umd zur Versorgung der Familie beizutragen.
  • Gewalt gegen Frauen (z.B. Schläge) ist keine Seltenheit und wird häufig toleriert.
  • Mädchen und Frauen, die in Flüchtlingslagern leben, sind zudem der Gefahr von Vergewaltigungen ausgesetzt.