SOS-Kinderdorf Addis Abeba

Kinder, die in den Städten Äthiopiens aufwachsen, haben nur selten eine sichere und behütete Kindheit. Familien sind auf Soforthilfe gegen die akute Not und auch auf langfristige Unterstützung angewiesen, um ihre Situation nachhaltig zu verbessern.

Tausende Familien in den Slums leben unter prekären Bedingungen


Zwei Kinder einer SOS-Familie (Foto: M. Peru) 

Addis Abeba ist die Hauptstadt von Äthiopien und hat derzeit knapp vier Millionen Einwohner. Experten rechnen mit einem weiteren rasanten Bevölkerungswachstum. Addis Abeba bietet alle Vorzüge einer modernen Metropole: ein gutes Verkehrssystem, schicke Prachtstraßen und Einkaufszentren, moderne Architektur und Luxushotels. Für Tausende Slumbewohner am Stadtrand sieht die Realität jedoch ganz anders aus. Zu den Millenniums-Entwicklungszielen Äthiopiens gehört die Versorgung mit sauberem Trinkwasser für 63 Prozent und sanitären Einrichtungen für 58 Prozent der Bevölkerung bis zum Jahr 2015. Bis heute stellt der Mangel an sauberem Wasser und Abwassersystemen ein großes Gesundheitsrisiko dar und trägt zur Ausbreitung zahlreicher Krankheiten und zur hohen Säuglingssterberate bei.

Auch die Armuts- und Arbeitslosenraten sind in Addis Abeba vor allem bei Frauen und Jugendlichen sehr hoch. Selbst wenn sie Arbeit haben, müssen die meisten Familien mit weniger als 68 US-Dollar pro Monat auskommen. Junge Mädchen aus armen Familien sehen häufig keinen anderen Ausweg als die Prostitution, vor allem wenn es sie keine Fachkenntnisse und beruflichen Qualifikationen besitzen. In Addis Abeba arbeiten geschätzte 150 000 Prostituierte; viele von ihnen sind HIV-positiv. Auch die Ungleichheit der Geschlechter hat negative Folgen: 23 Prozent der Frauen in Addis Abeba können weder lesen noch schreiben, 22 Prozent haben lediglich die Grundschule beendet, und nur vier Prozent haben einen höheren Bildungsabschluss. Die städtische Jugendarbeitslosigkeit liegt in Äthiopien bei 50 Prozent. Die Einbindung der nächsten Generation in die sozialen und wirtschaftlichen Prozesse des Landes ist ein entscheidender Faktor bei der Armutsbekämpfung.

Ganzheitliche und nachhaltige Unterstützung für die Gemeinde

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Addis Abeba im Jahr 1981. Heute leiten unsere Sozialzentren ein Familienstärkungsprogramm für die lokale Gemeinde. Das Programm hilft Eltern bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Erweiterung ihrer Kompetenzen, damit sie Selbstvertrauen gewinnen und wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangen können, und sichert den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit. Wir sorgen dafür, dass Kinder öffentliche Schulen besuchen können, helfen Eltern bei der Einkommensförderung und bieten Beratungen und psychologischen Beistand. Die Sozialzentren leiten auch eine Kindertagesstätte für bis zu 200 Kinder erwerbstätiger Eltern. Das übergeordnete Ziel des Programms ist die umfassende Unterstützung von Familien und der Gemeinde, damit Kinder in einer sicheren und betreuten Umgebung aufwachsen können und nicht verlassen werden.

Im SOS-medizinischen Zentrum werden jedes Jahr bis zu 7000 Patienten aus der Umgebung behandelt. Die Angebote umfassen ein Gesundheitsprojekt mit aktiver Beteiligung der Gemeinde, Beratungen zur reproduktiven Gesundheit, Geburtsvor- und Nachsorge und freiwillige HIV-Tests.

Unsere Arbeit in Addis Abeba


Mädchen in der betreuten Wohngemeinschaft des SOS-Jugendprogramms (Foto: H. Atkins)

Bis zu 150 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut. Die Kinder aus den SOS-Familien besuchen gemeinsam mit Kindern aus der Umgebung den SOS-Kindergarten in Addis Abeba und sind daher gut in ihre Umgebung integriert.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterstützung qualifizierter Fachkräfte können sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu übernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereiten.

Das SOS-Berufsbildungszentrum Kality am Stadtrand von Addis Abeba bietet jungen Menschen aus ganz Äthiopien die Möglichkeit einer dreijährigen Ausbildung in den Fachrichtungen Möbelbau, Metallverarbeitung und -montage, Motoren-Service, Fahrzeugelektrik und -elektronik, Antriebstechnologie und Fahrwerksreparaturen. Die Auszubildenden erhalten eine solide theoretische Ausbildung gepaart mit praktischem Wissen, damit sie ihre zukünftige Unabhängigkeit sichern können. Bis zu 240 junge Menschen können für die Zeit ihrer Ausbildung im Berufsbildungszentrum wohnen. Darüber hinaus gibt es in Addis Abeba auch ein SOS-Schulungszentrum, in dem angehende SOS-Mütter und MitarbeiterInnen umfassend ausgebildet und auf ihre wichtige Rolle innerhalb der Organisation vorbereitet werden.
 

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