Hungersnot in Afrika

Was sind die Ursachen für Hungersnöte in Ostafrika oder Sahel?

Sahel, Somalia, Eritrea, Äthiopien – Bilder von bis aufs Skelett abgemagerten afrikanischen Kindern gehen regelmäßig um die Welt. Immer wieder werden die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent von verheerenden Hungersnöten heimgesucht. Warum ist dies so? Und wie können wir helfen?

Hungersnot in Ostafrika 2011/2012: Ein Kleinkind während einer medizinischen Kontrolluntersuchung in der SOS-Klinik Mogadischu

Die Food Security and Nutrition Analysis Unit (FSNAU), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, unterscheidet fünf Phasen: von der Nahrungsmittelsicherheit über eine akute Nahrungsmittelunsicherheit bis hin zu der humanitären Katastrophe einer Hungersnot. Nach der Definition der Integrated Food Security Phase Classification spricht man von einer Hungersnot, wenn:

  • mehr als 30% der Bevölkerung eines Landes unterernährt ist,
  • mindestens ein Fünftel Zugang zu weniger als 2100 Kilokalorien pro Tag hat und
  • täglich zwei von 10.000 Menschen aufgrund von Unterernährung sterben.

Hungersnot und chronischer Hunger

Hungersnöte und Hungerkatastrophen nach Dürren oder in Bürgerkriegsgebieten führen in den betroffenen Regionen zu einem Massensterben. Neben alten Menschen sind dann vor allem Babys und kleine Kinder vom Hungertod bedroht. Allerdings sind diese akuten Hungerkrisen nur die Spitze des Eisbergs: Chronische Hungerkrisen aufgrund von struktureller Armut fordern insgesamt deutlich mehr Opfer. Weltweit müssen etwa 804 Millionen Menschen hungern. Jedes Jahr sterben etwa 2,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung.

Hunger in Afrika

Der afrikanische Kontinent ist ein Brennpunkt des Welthungers. Hungersnöte und akute Hungerkrise mit Hunderttausenden Toten suchten in den vergangenen Jahrzehnten vor allem Afrika südlich der Sahara heim. Einer der schlimmsten Hungerkatastrophen der vergangenen 25 Jahre war die Hungersnot in Ostafrika 2011/12.
Die extreme Armut führt zudem zu chronischem Hunger in Afrika: In der Region südlich der Sahara hungert jeder Vierte. Der Anteil der Hungernden ist damit weltweit am höchsten. 226,4 Millionen Afrikaner gelten als unterernährt, d. h., sie nehmen täglich weniger als 1800 Kalorien zu sich.

Afrikas Krisenherde

Nach sich häufenden Dürren sind seit den 70er Jahren vor allem die Sahelzone und Ostafrika von Hungersnöten bedroht. Doch der Hunger in Afrika ist keineswegs auf diese Regionen begrenzt. Zu den Ländern, in denen der Anteil der hungernden Bevölkerung über 35% liegt, gehören Eritrea, Äthiopien, die Republik Kongo, Sambia, Malawi und Mosambik. Als sehr kritisch gilt auch die Nahrungsmittelsituation Somalias, der Demokratischen Republik Kongo, des Sudans und des Südsudans. Aufgrund fehlender oder unzureichender Daten veröffentlicht das UN World Food Programme (WFP) zu diesen Ländern aber keine Informationen. Akute Hungerkrisen herrschen nach Angaben des WFP aktuell im Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik, in den westafrikanischen Ebola-Gebieten sowie in Syrien und im Irak – drei der fünf Hunger-Hotspots sind also in Afrika.

Ursachen: Warum gibt kommt es immer wieder zu einer Hungersnot in Afrika?

Auslöser von Hungersnöten können Naturkatastrophen sein, wie Dürren, Überschwemmungen oder Schädlingsplagen, die zu Missernten und Ernteausfällen führen. Meist wirken jedoch verschiedene Faktoren zusammen. Ernährungskrisen werden zunehmend vom Menschen verursacht.
Häufig sind Hungerkrisen Folge von Krieg und Bürgerkrieg, Flucht und Vertreibung. Auch hier ist Afrika Brennpunkt mit den meisten bewaffneten Konflikten weltweit. So forderte die Hungersnot in Ostafrika 2011 die meisten Tote in Somalia, da der Bürgerkrieg Hilfslieferungen blockierte oder erschwerte. Auch die aktuellen Hungerkrisen im Südsudan und in Zentralafrika gehen auf bewaffnete Konflikte zurück.
Grundsätzlich gilt: Hungersnöte suchen oft Regionen heim, in denen bereits zuvor chronischer Hunger herrschte – die Ursachen sind daher häufig miteinander verquickt.
Als weitere Ursachen des Hungers in Afrika werden genannt: strukturelle Armut und Unterentwicklung, starkes Bevölkerungswachstum, Misswirtschaft und schlechte Regierungsführung, hohe Lebensmittelpreise, ungerechte Landverteilung, Finanzkrisen, Umweltzerstörung und Klimawandel.

Hungersnot in Afrika – die Sahelzone

Die zentral- und westafrikanischen Staaten der Sahelzone zählen zu den ärmsten Ländern der Welt. Während der langandauernden Trockenzeit herrscht in der Sahelzone jedes Jahr Nahrungsmittelknappheit, die Menschen leiden daher periodisch an chronischem Hunger. Wenn der Regen dann ausbleibt, spitzt sich die Versorgungslage schnell dramatisch zu. In Abständen von meist nur wenigen Jahren droht in der Sahelzone nach schweren Dürren eine neue Hungersnot in Afrika.
Seit der verheerenden Dürrekrise Anfang der 70er Jahre bleibt Desertifikation eines der großen Probleme in der westlichen Sahelzone: Die Sahara breitet sich aus, Felder und Weiden werden zu Wüste.
Zuletzt häuften sich Dürren: Nach 2005 und 2010 bahnte sich in der Sahelzone 2012 erneut eine verheerende Hungersnot an. Mehr als 10 Millionen Menschen waren vom Hunger bedroht. Zu den besonders betroffenen Ländern zählten der Niger, Tschad, Mali und Burkina Faso. Nach Angaben des WFP litten allein im Niger 20% der Kinder zwischen sechs und 23 Monaten unter Mangelernährung. Die internationale Hilfe konnte jedoch eine gigantische Hungerskatastrophe abwenden.
Auch die SOS-Kinderdörfer in der krisengeschüttelten Region leisteten 2012 Nothilfe in der Sahelzone.

Hungersnot in Afrika – Ostafrika

Das Horn von Afrika mit den Staaten Somalia, Äthiopien, Dschibuti, Eritrea und Kenia war in den letzten Jahrzehnten immer wieder von schweren Hungersnöten betroffen. Zuletzt bedrohte eine außergewöhnliche Dürre ca. 11,5 Millionen Menschen im Jahr 2011. Im Bürgerkriegsland Somalia starben zwischen Oktober 2010 und April 2012 ca. 260.000 Menschen an den Folgen von Unter- und Mangelernährung, darunter 133.000 Kinder unter fünf Jahren. Auch hier leisteten SOS-Kinderdörfer in der Region humanitäre Hilfe für die Hungernden in Ostafrika.

Nach relativ guten Ernten 2012 spitzte sich die Lage in Ostafrika 2014 wieder zu. Die Vereinten Nationen warnten vor einer erneuten Hungersnot in Afrika, und zwar in Somalia: Mehr als 850.000 Menschen brauchen dringend Nahrung, bei weiteren zwei Millionen ist die Nahrungsmittelversorgung akut gefährdet.

Gegen die Hungersnot in Afrika: SOS-Hilfe für Kinder und Familien

Die SOS-Kinderdörfer leisten bei Hungerkrisen und Hungersnöten in Afrika immer wieder Nothilfe.
Als 2012 in der Sahelzone eine Hungersnot drohte, versorgten SOS-Einrichtungen in den drei Ländern Niger, Mali und Tschad insgesamt 22.400 Menschen mit Hilfsgütern. Im Fokus der SOS-Nothilfe in der Sahelzone standen besonders Familien mit Säuglingen und kleinen Kindern sowie schwangere Frauen.
249.000 Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia wurden von den SOS-Nothilfe in Ostafrika mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Basis der SOS-Nothilfe waren die SOS-Projekte in den betroffenen Ländern.

Auch während der Hungerkrisen im Niger 2005 und 2010 waren die SOS-Kinderdörfer zur Stelle.
In Äthiopien stand die Dürrekatastrophe von 1974 am Anfang der SOS-Arbeit in dem ostafrikanischen Land. Das erste SOS-Kinderdorf entstand in Makalle, der Hauptstadt der Provinz Tigray, einer Region, die von der Hungersnot am meisten betroffen war. Seit der Dürrekatastrophe von 1985 leisten die SOS-Kinderdörfer in Äthiopien neben ihrer langfristigen Projektarbeit auch immer wieder Nothilfe bei Hungerkrisen: Dazu gehören die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Bereitstellung von Notunterkünften. Heute sind die SOS-Kinderdörfer in Äthiopien mit sieben Kinderdörfern, fünf Jugendeinrichtungen, sieben Kindergärten, sechs SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, fünf Berufsbildungszentren, elf Sozialzentren und fünf medizinischen Zentren aktiv.

Neben der akuten Nothilfe kämpfen die SOS-Kinderdörfer vor Ort jeden Tag aufs Neue gegen Armut und Hunger: Mit

  • der Ausgabe von Lebensmitteln und Saatgut,
  • der Eröffnung von SOS-Berufsbildungszentren,
  • dem Angebot von Fortbildungen und
  • der Übernahme des Schulgeldes

befähigen SOS-Mitarbeiter notleidende Familien zur Selbsthilfe und wappnen sie gegen eine erneute Hungersnot in Afrika. Für 250.000 Kinder und ihre Eltern bedeutet diese Hilfe neue Hoffnung und eine Perspektive für die Zukunft.

Unterstützen Sie die SOS-Kinderdörfer und lesen Sie hier mehr über unsere Projekte in Afrika.