SOS-Kinderdorf Aït Ourir

Im Rahmen des angestrebten EU-Beitritts hat Marokko seine Bemühungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation verstärkt, und die wiederholten Demonstrationen seit Beginn des Jahres 2011 für demokratische Reformen haben zu positiven Veränderungen im Land geführt. Dennoch leben Tausende Familien nach wie vor unter äußerst prekären Bedingungen.

Marokko ist auch heute noch ein zutiefst geteiltes Land

Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: SOS-Archiv).
Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: SOS-Archiv).

Aït Ourir liegt in der Provinz Al Haouz am Fuße des Atlasgebirges etwa 40 km östlich von Marrakesch und hat circa 20 000 Einwohner. Die nahegelegene Westküste Marokkos ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes und galt schon immer als Tor zum Westen. Zahlreiche Menschen in der Region sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Zu den Hauptanbauprodukten gehören Zitrusfrüchte, Oliven, Tabak und Getreide.

Wie alle Länder in der Region war Marokko ursprünglich von Berbern besiedelt. Die Bevölkerung ist heute vorwiegend arabisch geprägt, obwohl es in den ländlichen Gemeinden auch heute noch einige Berbergemeinden gibt. Diese Kleinbauern haben meist keinen Zugang zu Bildung und leben in großer Armut. Viele ziehen daher auf der Suche nach Arbeit in größere Städte wie Marrakesch. Marokko ist nach wie vor ein zutiefst geteiltes Land, in dem einige Gesellschaftsgruppen stark diskriminiert werden. Gute Französisch- und Arabisch-Kenntnisse sprechen für ein hohes Bildungsniveau, obwohl auch Amazigh (berberisch) zu den offiziellen Landessprachen zählt.

Obwohl einige Regierungsprogramme zur Verbesserung der Gleichstellung der Geschlechter ins Leben gerufen worden sind, unterscheidet sich das Leben der Mädchen und Frauen deutlich vom Leben der Jungen und Männer. In Marokko gilt die Schulpflicht für alle Kinder, aber Mädchen werden häufig sehr früh aus der Schule genommen, um vor allem in armen Familien im Haushalt zu helfen. Nur wenige Mädchen besuchen weiterführende Schulen oder Universitäten.

Zuwanderer vom Land leben häufig in Not - ihre Kinder sind besonders gefährdet

Erschwerend kommt hinzu, dass Zuwanderer aus den ländlichen Gebieten häufig keine beruflichen Qualifikationen vorweisen können und daher in der Stadt nur selten eine formelle Beschäftigung finden. Häufig haben ihre Kinder keine Ausweispapiere (Geburtsurkunden oder andere Identitätsnachweise). Vor allem alleinerziehende Mütter können oft nicht ausreichend für ihre Kinder sorgen.

Viele Mädchen und Frauen aus Marrakesch verkaufen sich an Touristen oder Einheimische. In einem islamischen Land verstößt die Prostitution nicht nur gegen das Gesetz; die Betroffenen werden nicht selten von ihrer Familie verstoßen und gesellschaftlich geächtet.

Kinder aus notleidenden Familien betteln häufig auf der Straße um Nahrung oder etwas Geld. Dadurch ist nicht nur ihre Bildung gefährdet - viele Kinder nehmen Drogen, werden sexuell ausgebeutet oder geraten in die Fänge des organisierten Verbrechens. Darüber hinaus werden Mädchen und Jungen, die als Haushaltshilfen oder Straßenverkäufer arbeiten, besonders in Marrakesch und Agadir häufig Opfer des Kindersextourismus. Das SOS-Kinderdorf in Aït Ourir nahe Marrakesch bietet Kindern, die kein Zuhause mehr haben, eine fürsorgliche Betreuung.

Unsere Arbeit in Aït Ourir

SOS-Kinderdorf sorgt dafür, dass Kinder zur Schule gehen (Foto: SOS-Archiv).
SOS-Kinderdorf sorgt dafür, dass Kinder zur Schule gehen (Foto: SOS-Archiv).

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Aït Ourir im Jahr 1985.

Betreuung in Familien: Bis zu 140 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in 14 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut. In einigen unserer SOS-Familien, kümmern sich zwei SOS-Mütter um die Kinder in Schichtdienst (Tag- und Nachtschicht). Während der Stoßzeiten in der Früh und nach der Schule arbeiten sie beide zusammen.

Jedes Kind hat einen „Entwicklungsplan“, der in Absprache mit der SOS-Kinderdorf-Mutter erstellt wird. Die Kinder besuchen gemeinsam mit Kindern aus der Nachbarschaft Schulen vor Ort. Auf diese Weise schließen sie Freundschaften und werden Teil der Gemeinschaft.

Unterstützung junger Menschen: Im Rahmen der SOS-Jugendeinrichtung haben junge Erwachsene die Möglichkeit, im Rahmen des betreuten Wohnens eine Berufsausbildung zu absolvieren oder eine Hochschule zu besuchen. Mit der Unterstützung unserer ausgebildeten Jugendberater können junge Menschen Zukunftsperspektiven entwickeln und lernen, Verantwortung zu übernehmen und zunehmend eigene Entscheidungen zu treffen.

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