SOS-Kinderdorf El Jadida

Im Rahmen des angestrebten EU-Beitritts hat Marokko seine Bemühungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation verstärkt, und die wiederholten Demonstrationen seit Beginn des Jahres 2011 für demokratische Reformen haben zu positiven Veränderungen im Land geführt. Dennoch leben Tausende Familien nach wie vor unter äußerst prekären Bedingungen.

Malerische Strände und Bauten täuschen über die Not zahlreicher Kinder hinweg

In unserer Obhut wachsen Brüder und Schwestern gemeinsam auf (Foto: SOS-Archiv).
In unserer Obhut wachsen Brüder und Schwestern gemeinsam auf (Foto: SOS-Archiv).

Die Hafenstadt El Jadida liegt in der gleichnamigen Provinz an der Atlantikküste Marokkos und hat circa 147 000 Einwohner. Die Stadt war fast 300 Jahre lang unter portugiesischer Herrschaft. Dieser Einfluss ist noch heute in der Architektur der Stadt sichtbar.

Durch den nahegelegenen Hafen ist El Jadida ein wichtiges Handelszentrum für die Region, darunter für den Fischfang und den Export von Phosphaten. Die Stadt ist ebenso ein beliebtes Urlaubsziel für Touristen aus dem In- und Ausland.

Wie in ganz Marokko ist die Kinderarbeit auch in El Jadida ein großes Problem. Viele minderjährige Mädchen aus armen, ländlichen Familien arbeiten als Haushaltshilfen für die reichen Stadtbewohner. Diese sogenannte „Petites Bonnes“ (kleine Dienstmädchen) müssen sieben Tage die Woche bis zu 15 Stunden am Tag schuften, erhalten nur einen geringen oder gar keinen Lohn und haben keine freien Tage.

Da sie vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt gehalten werden, haben sie keinen gesetzlichen Schutz, und viele müssen schwere geistige oder körperliche Misshandlungen erdulden. Die meisten gehen nicht zur Schule und haben dadurch nur wenige Chancen auf ein besseres Leben als Erwachsene.

Kinder brauchen ein sicheres und förderliches Umfeld

Die Situation der Frauen- und Kinderrechte hat sich in den letzten zehn Jahren verbessert: im Jahr 2004 wurde das marokkanische Familienrecht („Mudawana“) geändert. Frauen haben nun das Recht auf Scheidung und uneheliche Kinder das Recht auf eine Feststellung der Vaterschaft, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Aber trotz dieser verstärkten Bemühungen zum Schutz der Kinderrechte arbeiten heute landesweit schätzungsweise bis zu 80 000 minderjährige Mädchen als Haushaltshilfen und Dienstmädchen, und 56 Prozent aller Frauen können - im Vergleich zu 31 Prozent aller Männer - weder lesen noch schreiben.

Die Herausforderung aller modernen islamischen Staaten liegt darin, die traditionellen Werte nach den Gesetzen des Islam mit einer neuen fortschrittlichen Gesellschaft zu vereinen, in der Frauen und Mädchen eine aktive Rolle spielen. SOS-Kinderdorf betreut in El Jadida Kinder ohne elterliche Fürsorge. Wir sorgen dafür, dass sie ein liebevolles Zuhause und eine solide Bildungsgrundlage für ihr zukünftiges Leben erhalten.

Unsere Arbeit in El Jadida

Kinder dürfen Kinder sein - mit Freunden zu spielen und zur Schule zu gehen sind Teil des täglichen Lebens (Foto: SOS-Archiv).
Kinder dürfen Kinder sein - mit Freunden zu spielen und zur Schule zu gehen sind Teil des täglichen Lebens (Foto: SOS-Archiv).

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in El Jadida im Jahr 2006.

Betreuung in Familien: Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in 13 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut. In einigen unserer SOS-Familien, kümmern sich zwei SOS-Mütter um die Kinder in Schichtdienst (Tag- und Nachtschicht). Während der Stoßzeiten in der Früh und nach der Schule arbeiten sie beide zusammen.

Die Kinder besuchen die nahegelegenen Kindergärten und Schulen, sind dadurch bereits in jungen Jahren sehr gut in ihre Umgebung integriert.

Familienstärkung: Das SOS-Kinderdorf El Jadida leitet eine Reihe von Programmen für die Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Im SOS-Familienstärkungsprogramm werden Familien aus der lokalen Bevölkerung betreut, die von Zerrüttung bedroht sind. Wir arbeiten direkt mit den Familien und Gemeinden zusammen, damit sie weiter für ihre Kinder sorgen können. Wir sichern Kindern den Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung und unterstützen Eltern beim Erwerb einkommensschaffender Fertigkeiten. Im Jahr 2014 haben wir 40 Familien und 100 Kinder und Jugendliche unterstütz.

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