SOS-Kinderdörfer in Nigeria

Wie die SOS-Kinderdörfer in Nigeria helfen

Im ölreichen Nigeria leben Hunderttausende Menschen in erdrückender Armut. Die Kriminalitätsraten sind extrem hoch und viele Menschen leiden an HIV/AIDS. Wie so häufig sind die Kinder unter solch schweren sozioökonomischen Bedingungen besonders gefährdet. SOS-Kinderdorf setzt sich seit den 70er Jahren für den Schutz und die Unterstützung der Kinder in Nigeria ein.

Einige Fakten über Nigeria 


Kleine Jungen im Klassenzimmer (Foto: P. Wittmann)

Nigeria liegt in Westafrika und grenzt an den Benin, Niger, den Tschad und Kamerun. Im Jahr 1960 erklärte Nigeria seine vollständige Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht Großbritannien.

Nach fast 16-jähriger Militärherrschaft begann mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung im Jahr 1999 schließlich der friedliche Übergang zu einer zivilen Regierungsform.

Mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 158 Millionen ist Nigeria heute eins der bevölkerungsreichsten Länder der Welt und weist die mit Abstand größte Bevölkerungsdichte auf dem afrikanischen Kontinent auf.

Mehr als 24 nigerianische Städte haben über 100 000 Einwohner. Aufgrund der HIV/AIDS-Pandemie ist die Lebenserwartung jedoch sehr niedrig und die Sterblichkeitsraten sind hoch. Als in einer Reihe von Bundesstaaten die "Scharia" (das Gesetz des Islams) eingeführt wurde, sahen sich Tausende von Christen zur Flucht gezwungen. Die Vermeidung ethnischer und religiöser Konflikte, die häufig durch das hohe Armutsniveau ausgelöst werden, ist zu einer wachsenden Herausforderung für die nigerianische Regierung geworden.

Nigeria verfügt über große Öl-, Erdgas, Zinn und Kohlereserven. Kraftstoffe und Bergbauerzeugnisse machen etwa 97 Prozent aller Exporte aus. Die größten Handelspartner des Landes sind die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und Indien. Obwohl Nigeria zu den führenden Erdölerzeugern Afrikas zählt, lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes in erdrückender Armut. Während manche das schwere Missmanagement und die landesweite Korruption dafür verantwortlich machen, geben andere skrupellosen ausländischen Investoren und ihren Interessen an den natürlichen Ressourcen des Landes die Schuld an den Missständen.

Nach Meinung von Experten ist Nigeria ein Paradebeispiel für den "Fluch der Ressourcen". Die Ölvorkommen haben nicht nur das Wachstum des BIP gefördert sondern auch zu einem Anstieg der Gewalt aufgrund der ungleichen Verteilung des Wohlstands geführt. Die Jahrzehnte der Ölerzeugung haben keineswegs zu der dringend benötigten nachhaltigen soziökonomischen Entwicklung und besseren Lebensbedingungen für die Mehrheit der Nigerianer geführt. Die derzeitige Armutsquote ist sogar höher als vor dem ersten Erdölboom in den 70er Jahren. Nigeria ist zu einem Hauptumschlagsplatz für Heroin und Kokain geworden, das für die europäischen, nordamerikanischen und ostasiatischen Märkte bestimmt ist.

HIV/AIDS und das hohe Armutsniveau prägen das Leben von Millionen Menschen

Trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen leidet Nigeria an hohen Kriminalitätsraten, schweren sozioökonomischen Bedingungen und politischer Instabilität. Etwa 63 Prozent der Einwohner leben in erdrückender Armut und weite Teile Nigerias weisen eine hohe Kriminalitätsrate auf und sind vor allem für ausländische Besucher sehr gefährlich geworden. Hunderttausende Nigerianer fristen ein Dasein in Baracken ohne sanitäre Einrichtungen, Abwassersysteme oder Zugang zu sauberem Trinkwasser. Lediglich 28 Prozent der Bevölkerung in den ländlichen Regionen können sich mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Etwa 34 Prozent aller weltweiten HIV-Infektionen sind in nur zehn afrikanischen Ländern, darunter auch Nigeria, konzentriert. Das Ausmaß, an dem die Menschen in Nigeria unter dieser Krankheit leiden, lässt sich kaum in Worte fassen. Etwa 3,3 Millionen sind an HIV/AIDS erkrankt, und jedes Jahr sterben 220 000 Menschen an der Krankheit. Die Prävalenzrate der Erwachsenen liegt bei 3,6 Prozent und ist somit eine der höchsten auf der ganzen Welt.

In den letzten Jahren haben Gesundheitsexperten einen Wandel bei der Einstellung zur Verhütung festgestellt. Im vorwiegend muslimischen Norden ist der Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtert worden, da sich viele religiöse Führer dazu entschlossen haben, ihren Einfluss auf die Förderung der reproduktiven Gesundheit zu nutzen. Das ist in einem Land mit einer recht hohen Fertilitätsrate von 4,73 Kindern pro Frau von großer Bedeutung.

Die Lage der Kinder in Nigeria


Spielen mit einem Lkw-Reifen (Foto: SOS-Archiv)

Die Regierung von Nigeria hat eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen zum Schutz der Kinder erlassen. Trotz umfassender Rechtsvorschriften bleibt die Umsetzung dieser Gesetze eine große Herausforderung.

In Nigeria müssen ca. 15 Millionen Kinder unter 14 Jahren Zwangsarbeit verrichten; viele von ihnen sind extrem gefährlichen Bedingungen ausgesetzt. Sie arbeiten gegen geringe Entlohnung oder völlig unentgeltlich und haben keine Chance auf eine ordentliche Bildung.

35 Prozent der nigerianischen Mädchen zwischen 15 und 24 Jahren können weder lesen noch schreiben. Die Zahl der Kinder, die arbeiten müssen, ist seit den 70er Jahren beständig gestiegen, was teilweise auf den Erdölboom und das hohe Armutsniveau zurückzuführen ist. Sie verkaufen Kleinwaren auf öffentlichen Plätzen, arbeiten als Schuhputzer oder waschen Windschutzscheiben.

Andere arbeiten in der Landwirtschaft oder in der Baumwollindustrie, wo sie giftigen Dämpfen ausgesetzt sind und gefährliche Maschinen bedienen müssen. Die Zahl der Waisenkinder ist auf schätzungsweise 12 Millionen gestiegen. Ein Großteil dieser Kinder lebt ohne den Schutz einer liebevollen familiären Umgebung. Tausende leben auf der Straße und haben keinen Platz zum Schlafen. Sie begehen kleine Diebstähle oder betteln, um zu überleben.

In Nigeria sind ca. 360 000 Kinder mit HIV/AIDS infiziert. Die Pandemie ist eine der größten Bedrohungen für die Wahrung der Kinderrechte. Kinder, deren Eltern HIV-positiv sind, sind in vielerlei Hinsicht schutzlos – sie laufen Gefahr, sich anzustecken, sind vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedroht und leiden an sozialer Diskriminierung und Vernachlässigung. Generell ist HIV/AIDS einer der Hauptgründe für die Ausbreitung der Armut im Land. Der Menschenhandel von Nigeria nach Europa stellt ein anderes großes Problem dar.

Tausende kleine nigerianische Mädchen werden jedes Jahr nach Westeuropa verschleppt. Viele von ihnen werden mit Geschichten über das reiche Europa angelockt und dann zur kommerziellen Sexarbeit gezwungen. Nach Meinung von Experten ist der Kinderhandel von Afrika nach Europa die moderne Form der Sklaverei geworden. Die Säuglingssterblichkeit ist in Nigeria mit 138 pro 1000 Lebendgeburten nach wie vor sehr hoch. Obwohl die Regierung spürbare Anstrengungen im Bereich der Gesundheitsversorgung von Müttern unternommen hat, bleibt noch viel zu tun, damit die Situation von Tausenden von Frauen und kleinen Kindern verbessert werden kann. 30 Prozent aller nigerianischen Kinder unter fünf Jahren leiden an Untergewicht.

SOS-Kinderdorf in Nigeria

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Nigeria in den frühen 70er Jahren. Ende der 80er Jahre wurde der nationale nigerianische SOS-Kinderdorf-Verein als Rechtsträger gegründet und wacht seither über die Aktivitäten von SOS-Kinderdorf im Land. In den Jahren 2003 bis 2004 entstand im Stadtzentrum von Lagos ein Projekt der Nachbarschaftshilfe, um die Menschen in der Gemeinde in die Lage zu versetzen, besser für sich selbst zu sorgen (Erste Hilfe, Aufklärung, Beratung und Bildungsangebote, Unterstützung für HIV/AIDS-Infizierte, Stärkung der Rolle der Frau etc.).

Derzeit unterstützen wir Kinder und Jugendliche in Nigeria durch Kindertagesstätten, Schulen und Berufsbildungszentren an landesweit fünf verschiedenen Standorten. Im Jahr 2004 wurde ein SOS-Familienstärkungsprogramm ins Leben gerufen, um vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern zu helfen und ihnen das Aufwachsen bei ihrer eigenen Familie zu ermöglichen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Nigeria
(verfügbar auf Englisch)

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